Masterarbeit, 2013
99 Seiten, Note: 2
Einleitung
1. Theoretische und historische Bezüge
1.1 Der Antigone-Mythos
1.2 Der Begriff der Intertextualität
2. Gender und Widerstand in der antiken Gesellschaft – Antigone als feminines Modell
3. Hybris und Kult – Die höheren Instanzen bei Sophokles
3.1 Antigone und der Götterkult
3.2 Kreons Herrschaft
4. Jean Anouilhs ‚Antigone‘ – 1942
4.1 Historischer Hintergrund
4.2 Die determinierte Antigone
4.2.1 Erster Abschnitt: Prolog durch den Sprecher (S. 7-9)
4.2.2 Zweiter Abschnitt: Abschied von ihren Mitmenschen (S. 9-24)
4.2.3 Dritter Abschnitt: Kreon und Antigone – Rettung und Blockade (S. 24-64)
4.3 Intertextuelle Bezüge zu Sophokles und Fazit
5. Rolf Hochhuth ‚Die Berliner Antigone‘ – 1963
5.1 Historischer Kontext
5.2 Die moderne Antigone-Version
5.2.1 Formalitäten und modernisierte Figuren
5.2.2 Anne vor Gericht – Die Anklage (S.5-8)
5.2.3 Angst vorm Sterben und Rückblick der Tat (S.8-14)
5.2.4 Widerstand bis in den ersehnten Tod (S.14-18)
5.3 Intertextuelle Bezüge und Fazit
6. Schluss
7. Ausblick
Diese Arbeit untersucht die Rezeptionsgeschichte des Antigone-Mythos durch die Analyse zweier prominenter Bearbeitungen des 20. Jahrhunderts. Das primäre Ziel ist es, die Transformation der zentralen Figur Antigone sowie der Instanzen von Glauben und Herrschaft im Kontext der jeweiligen Zeitgeschichte zu erarbeiten und zu prüfen, ob die antike Tragödienform in diesen modernen Adaptionen bewahrt bleibt.
4.2.1 Erster Abschnitt: Prolog durch den Sprecher (S. 7-9)
In seinem Werk versetzt Anouilh die Figur der Antigone durch bestimmte literarische Mittel in einen ganz neuen Kontext, wodurch ein neuer Blick auf Antigone selbst ermöglicht wird. Ein Blick von außen stellt dem Rezipienten zunächst nicht die Figuren des Werkes vor, sondern die Personen, die die Rollen übernehmen werden. Antigone sowie ihre Darstellerin sind die ersten Figuren, die bereits zu Beginn des Werkes wie folgt von dem Sprecher in Szene gesetzt werden:
„Antigone ist die kleine Magere, die da drüben sitzt und schweigt. Starr blickt sie vor sich hin und denkt. Sie denkt, daß [sic] sie plötzlich nicht mehr das schmächtige, schwarze, verschlossene Mädchen ist, das keiner in der Familie ernst nimmt, sondern daß [sic] sie sich allein gegen die Welt stellen wird und gegen Kreon, ihren Onkel, der König ist. Sie denkt daran, daß [sic] sie sterben muß [sic] und – weil sie ja noch so jung ist – daß [sic] sie gerne noch leben möchte. Aber man kann ihr nicht helfen. Sie heißt Antigone und muß [sic] ihre Rolle durchhalten bis zum Ende.“
Innerhalb des ersten Abschnittes werden zwei Versionen der Antigone vorgestellt, die jedoch beide die gleiche Person sind. Zunächst wird eine Antigone vorgestellt, die sich noch nicht in ihrer typischen Rolle befindet. Bevor das Stück beginnt, wird Antigone in der Einleitung des Sprechers als „schmächtige, schwarze, verschlossene“ Person definiert, die ein Gefühl des Unwohlseins wiederspiegelt. Sie wird in die Rolle der Antigone gedrängt, in der sie sich nicht befinden möchte.
1. Theoretische und historische Bezüge: Beleuchtung des mythologischen Ursprungs und Einführung in die literaturwissenschaftlichen Konzepte der Intertextualität.
2. Gender und Widerstand in der antiken Gesellschaft – Antigone als feminines Modell: Untersuchung von Antigone als feministisches Symbol, das aus den Geschlechternormen von Polis und Oikos ausbricht.
3. Hybris und Kult – Die höheren Instanzen bei Sophokles: Analyse des Urkonflikts zwischen göttlichem Kult und weltlicher Herrschaft im sophokleischen Drama.
4. Jean Anouilhs ‚Antigone‘ – 1942: Detaillierte Betrachtung der Adaption während der Besatzungszeit in Frankreich mit Fokus auf Determinismus und Rollenverteilung.
5. Rolf Hochhuth ‚Die Berliner Antigone‘ – 1963: Untersuchung der Novelle als Gerichtsprotokoll, das NS-Gräuel und das Schicksal einer Medizinstudentin im Dritten Reich thematisiert.
6. Schluss: Synthese der Ergebnisse, wobei die unterschiedlichen Rezeptionsweisen und der Wandel der Antigone-Figur gegenübergestellt werden.
7. Ausblick: Diskussion über die zeitlose Relevanz des Mythos und Prognose für zukünftige Adaptionen.
Antigone, Sophokles, Jean Anouilh, Rolf Hochhuth, Mythos, Rezeptionsgeschichte, Intertextualität, Gender, Widerstand, Determinismus, Tragödie, Herrschaft, Götterkult, Nationalsozialismus, Transformation.
Die Arbeit analysiert die Rezeptionsgeschichte der griechischen Antigone-Figur und untersucht, wie zwei bedeutende Werke des 20. Jahrhunderts den antiken Mythos transformieren und an ihre Zeit anpassen.
Im Zentrum stehen die Fragen nach Widerstand, Genderrollen, dem Konflikt zwischen Individuum und Staatsgewalt sowie die Bedeutung religiöser und politischer Instanzen.
Ziel ist es, herauszuarbeiten, wie Sophokles' Urtext in Anouilhs 'Antigone' und Hochhuths 'Die Berliner Antigone' in einen neuen Kontext gesetzt wird und inwiefern der tragische Kern dabei verändert oder beibehalten wird.
Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse durchgeführt, die primär auf den Ansätzen der Intertextualität (nach Genette) und der Sozialgeschichte basiert.
Der Hauptteil widmet sich der detaillierten Untersuchung der beiden Primärtexte. Dabei werden historische Hintergründe, die Charakterisierung der Figuren und die spezifischen Konfliktszenen (wie die Gerichtsszenen) analysiert.
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Antigone-Mythos, Transformation, Intertextualität, Widerstand, determinierter Charakter und historische Kontextualisierung (Zweiter Weltkrieg/NS-Regime) beschreiben.
Anouilhs Antigone handelt weniger aus religiöser Pflicht, sondern eher aus einer persönlichen, fast psychologisch motivierten Sturheit; sie ist zudem ein junges Mädchen, das in einem deterministischen Kontext agiert.
Hochhuth wählt die Form eines Gerichtsprotokolls und verlegt das Geschehen in das NS-Berlin, wobei er reale historische Ereignisse wie die Hinrichtungen und die Nutzung von Leichen durch die Anatomie Berlin kritisch verarbeitet.
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