Magisterarbeit, 2013
92 Seiten, Note: 2,0
1 Einleitung
1.1 Allgemeines
1.2 Widerstand oder widerständisches Verhalten? Eine Begriffsdefinition
1.3 Quellenlage
2 Nonkonformität und Widerstand in den Streitkräften und bei den Bausoldaten
2.1 Formen nonkonformen Verhaltens
2.2 Formen der Verweigerung
2.2.1 Arbeits-, Befehls- und Gelöbnisverweigerungen bei den Bausoldaten
2.2.2 Befehlsverweigerungen in den Teilstreitkräften
2.3 Formen des Protests
2.3.1 Entpflichtungsgesuche von Berufssoldaten und Austritte aus der SED
2.3.2 Eingaben als Form des Protests
2.3.3 Mündlich- und schriftlich-negative Äußerungen
2.3.4 Unterschiede bei der Äußerung von Protest
2.4 Formen des Widerstands
2.4.1 Fahnenflucht
2.4.2 Die Totalverweigerung als Form des Widerstands
2.5 Die „EK-Bewegung“: ein Sonderfall im Rahmen dieser Untersuchung
2.5.1 Entstehung und Auswirkungen der „EK-Bewegung“
2.5.2 Einordnung der „EK-Bewegung“ im Zuge dieser Untersuchung
3 Resümee
Die vorliegende Arbeit untersucht nonkonformes und widerständiges Verhalten von Angehörigen der Nationalen Volksarmee (NVA) im Spiegel der Berichterstattung des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS), um zu klären, inwieweit das Peukert’sche Widerstandsmodell auf den militärischen Kontext der DDR übertragbar ist.
2.1 Formen nonkonformen Verhaltens
Genau wie das „Dritte Reich“ war auch die DDR und damit ihre Armee im Inneren kein einheitlicher machtpolitischer Block. Selbst in der NVA gab es innere Widersprüche, welche die Armeeangehörigen oftmals zwangen, sich mit der Frage zu beschäftigen, ob sie den Anordnungen ihres Dienstherren Folge leisten sollten oder nicht. So standen viele Soldaten vor der Frage, ob sie ihre engsten Verwandten dazu zwingen sollten, Kontakte zur Westverwandtschaft abzubrechen. Die Geheimhaltungsvorschriften der NVA schrieben dies eindeutig vor. Sollte hier nicht doch das Prinzip „Blut ist dicker als Wasser“ gelten? Andere Fragen waren im Dienstalltag ebenso von unerheblicher Relevanz, so zum Beispiel, ob der Kamerad, den man gerade beim Hören des RIAS erwischt hatte, gemeldet werden sollte oder nicht. Dies waren Fragen, die im Alltagsleben der NVA-Angehörigen eine Rolle gespielt haben. Im Zusammenhang mit diesen alltäglichen inneren Konflikten soll im folgenden Kapitel der Versuch einer Einordnung der Handlungen der Betroffenen, wie sie in den genannten Unterlagen vorfindbar sind, in das Peukert’sche System versucht werden.
Am häufigsten sind in den untersuchten Akten der BStU Vorkommnisse erwähnt, die gemäß Peukert’schen Definition als Ausdruck nonkonformen Verhaltens zu werten sind. Wie eingangs bereits erwähnt wurde, geht Peukert davon aus, dass nonkonformes Verhalten in der Regel im privaten Wirkungsraum angesiedelt sei und es sich um einzelne Normverletzungen handele, nicht den Staat als Ganzes, als das herrschende Regime und seine Politik, in Frage stellen würden. Wo aber hört der staatsbezogene Wirkungsraum auf und wo beginnt der Private? Es ist im Allgemeinen sinnvoll, den Begriff des Wirkungsraumes nicht von einer Örtlichkeit abhängig zu machen. Vielmehr ist davon auszugehen, dass der private Wirkungsraum auf die Privatangelegenheiten des Soldaten bezogen werden kann.
1 Einleitung: Dieses Kapitel führt in das Thema ein, definiert den Untersuchungsgegenstand und erörtert die Quellenlage sowie die methodische Herangehensweise anhand des Peukert’schen Modells.
2 Nonkonformität und Widerstand in den Streitkräften und bei den Bausoldaten: Dieser Hauptteil analysiert verschiedene Formen von Regelverstößen, Protesten und Widerstandshandlungen innerhalb der NVA und beleuchtet die Rolle der Bausoldaten sowie die „EK-Bewegung“.
3 Resümee: Hier werden die Ergebnisse zusammengefasst und die Schwierigkeiten diskutiert, soldatisches Handeln in der NVA eindeutig als Widerstand im Sinne des Peukert’schen Modells zu kategorisieren.
NVA, Ministerium für Staatssicherheit, Bausoldaten, Nonkonformität, Widerstand, DDR-Diktatur, Detlev Peukert, Totalverweigerung, Fahnenflucht, Eingaben, EK-Bewegung, totale Institution, militärischer Drill, politische Motivation, SED-Regime.
Die Arbeit untersucht, wie innerhalb der Nationalen Volksarmee (NVA) von der offiziellen Norm abweichendes Verhalten von Soldaten durch das Ministerium für Staatssicherheit (MfS) wahrgenommen und dokumentiert wurde.
Im Fokus stehen die Analyse von Formen der Nonkonformität, die Verweigerung von Befehlen und Gelöbnissen, Protestformen wie Eingaben sowie die Untersuchung von Fahnenflucht und der sogenannten „EK-Bewegung“.
Das Ziel ist es, zu prüfen, inwieweit das von Detlev Peukert entwickelte Widerstandsmodell für die NS-Zeit auf die Bedingungen der DDR und die spezifische Struktur der NVA übertragen werden kann.
Es handelt sich um eine historische Quellenanalyse, die auf den Akten des Zentralarchivs der BStU basiert und diese qualitativ interpretiert, um soldatische Verhaltensweisen einzuordnen.
Der Hauptteil gliedert sich in verschiedene Kategorien von Regelverstößen und untersucht diese auf ihre politische Relevanz hin, wobei besonders auf den Unterschied zwischen privaten Konflikten und politisch motiviertem Widerstand eingegangen wird.
Zu den wichtigsten Begriffen zählen NVA, Bausoldaten, MfS, Nonkonformität, Widerstand, totale Institution und EK-Bewegung.
Bausoldaten bildeten eine besondere Gruppe, die aufgrund ihrer christlichen oder pazifistischen Prägung häufiger in Konflikt mit dem SED-Regime geriet und durch gezielte Verweigerungshandlungen auffiel.
Die „EK-Bewegung“ (Entlassungskandidaten) wird als soldatische Subkultur analysiert, die innerhalb der NVA-Kasernen informelle Machtstrukturen bildete und oft mit Gewalt gegen jüngere Jahrgänge einherging.
Nein, der Autor betont, dass zwischen individuellen Konflikten, alltäglicher Nonkonformität und bewusstem, regimekritischem Widerstand strikt unterschieden werden muss, was anhand der Aktenlage oft schwierig ist.
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