Magisterarbeit, 2008
163 Seiten, Note: 2,7
1. Einleitung
2. Sermersheim
2.1. Geographische Gegebenheiten
2.2. Historische Überlieferung
2.3. Archäologisches Umfeld
2.4. Archäologie des Grabungsareals „Hintere Buen“
2.4.1. Neolithikum
2.4.2. Vorrömische Metallzeiten und Römische Kaiserzeit
2.4.3. Das frühe Mittelalter
2.4.3.1. Grubenhäuser
2.4.3.2. Pfostenbauten
2.4.3.3. Vorratsgruben
2.4.3.4. Gruben
2.4.3.5. Gräben
2.4.3.6. Gräber
3. Die Brunnenbefunde
3.1. Lage und Verteilung
3.1.1. Phase HMA 1
3.1.2. Phase HMA 1-2
3.1.3. Phase HMA 2
3.1.4. Phase HMA 3
3.1.5. Lage der Brunnen zu den Siedlungsbefunden
3.2. Datierung
3.2.1. Dendrochronologisch datierte Brunnen
3.2.1.1. „Daubenbrunnen“
3.2.1.2. Kastenbrunnen
3.2.1.3. Baumstammbrunnen
3.2.2. Durch Keramik datierte Brunnen
3.2.3. Undatierte Brunnen
3.3. Brunnenbau
3.3.1. Erdarbeiten
3.3.2. Holzkonstruktionen
3.3.2.1. Baumstammbrunnen
3.3.2.2. Kastenbrunnen
3.3.2.3. „Daubenbau“
3.3.3. Hinweise auf Schöpfvorrichtungen und oberirdische Bauten
3.4. Hölzer
3.4.1. Holzarten
3.4.1.1. Eiche
3.4.1.2. Erle
3.4.2. Geflochtene Ringe
3.4.3. Holzbearbeitung
4. Funde
4.1. Gefäßkeramik
4.1.1. Drehscheibenware
4.1.1.1. Feintonige scheibengedrehte Ware
4.1.1.2. Rauwandige Drehscheibenware
4.1.1.3. Feine gelbtonige Drehscheibenware
4.1.1.4. Rauwandige gelbtonige Drehscheibenware
4.1.1.5. Rauwandige orangefarbene Drehscheibenware
4.1.1.6. Feintonige orangenfarbene Drehscheibenware
4.1.1.7. Graue Drehscheibenware
4.1.2. Handgeformte Keramik
4.1.2.1. Grobkeramik
4.1.2.2. Nachgedrehte Glimmerware
4.1.2.3. Nachgedrehte orangefarbene Ware
4.1.3. Nicht bestimmbare Keramik
4.2. Webgewichte
4.3. Metallfunde
5. Archäozoologische und archäobotanische Analysen
5.1. Tierknochen
5.1.1. Phase HMA 1
5.1.2. Phase HMA 2
5.1.3. Phase HMA 3
5.2. Pflanzenreste
5.2.1. Proben aus Trockenbodenerhaltung
5.2.2. Proben aus Feuchtbodenerhaltung
5.2.3. Zusammenfassung
6. Die Funktion der Brunnen innerhalb der Siedlung
6.1. Handwerkliche Funktion der Brunnen
6.2. Versorgung von Tieren und Pflanzen
6.3. Der Brunnen als Kultobjekt
7. Vergleiche mit anderen Siedlungen
7.1. Bayern
7.1.1. Wehringen
7.1.2. Aufhausen/Bergham
7.1.3. Pilsting
7.2. Elsaß
8. Schlussbetrachtung
10. Katalog der Funde und Befunde
11. Abbildungen zum Katalog
Diese Arbeit widmet sich der wissenschaftlichen Untersuchung des früh- und hochmittelalterlichen Brunnenbaus in Sermersheim (Elsaß). Ziel ist es, die bauliche Vielfalt der Brunnen zu dokumentieren, eine chronologische Einordnung vorzunehmen und die funktionale Rolle der Brunnen innerhalb einer mittelalterlichen Handwerkersiedlung zu ergründen.
3.3.1. Erdarbeiten
Die Baugruben der Brunnen erscheinen im Planum oval bis rund, variieren in der Länge zwischen 1,80 m und 5 m und in der Breite zwischen 1,14 m bis 2,30 m. Im Profil erscheinen die Baugruben der meisten Brunnen ganz oder zumindest teilweise trichterförmig. Die Trichterform dient vor allem der Sicherheit der Bauleute, denn „eine rund angelegte, trichterförmige Baugrube ist für die Stabilität der Erdmassen von größter Bedeutung. Eine rechteckige, der Holzkonstruktion angepasste Baugrube, kann leicht einstürzen.“
Der Böschungswinkel der Baugrube war entsprechend der anstehenden Bodenart angepasst. Dabei kam es zudem darauf an, dass der Durchmesser des am Boden liegenden Teils so bemessen war, dass zum einen die Brunnengräber genügend Platz hatten, und zum anderen die Menge der Füllmassen klein gehalten wurde.
In wenigen Fällen wurde in Sermersheim (PUI 1079 und PUI 2183) die Grube nicht ganz bis an das hochstehende Grundwasser ausgehoben. Hier ließ man vermutlich die Zimmerung ein Stück weit nach unten sacken. Offenbar handelt es sich hierbei um eine Mischung aus den von F. Biermann beschriebenen Varianten der Abteufungstechnik, bei denen man zu einen eine Grube bis in den Grundwasserbereich abteuft und an einer Sohle die Brunnenkonstruktion errichtet, und zum anderen den Brunnen absenkt, „indem man den Stein- beziehungsweise Holzschacht von der Erdoberfläche oder einer oberhalb des Wassers gelegenen Grubensohle aus innen ausgrub und zugleich um weitere Holz- und Steinlagen erhöhte.“ In der Regel wurde eine Grube allerdings bis zum Grundwasserspiegel abgeteuft.
Nach dem Setzen der Konstruktion wurde die ausgehobene Baugrube wieder mit dem zuvor ausgehobenen Material, einem Gemisch aus Löss, Sand und Kies, verschüttet und festgestampft, um verbliebene Hohlräume zu beseitigen.
1. Einleitung: Die Arbeit beleuchtet die Ausgrabungsergebnisse von Sermersheim (2006) mit Fokus auf die Chronologie und Konstruktionsweise von 46 Holzbrunnen im Vergleich zu anderen Siedlungen.
2. Sermersheim: Geographische Einbettung, historische Überlieferung und archäologische Befunde des Areals „Hintere Buen“ von der Urgeschichte bis zum Mittelalter.
3. Die Brunnenbefunde: Detaillierte Analyse der Brunnenstandorte, Phasen (HMA 1-3), Datierungsmethoden (Dendrochronologie/Keramik) sowie der Bauweisen (Baumstamm-/Kasten-/Daubenbau).
4. Funde: Untersuchung der Begleitfunde wie Gefäßkeramik, Webgewichte und Metallobjekte, die eine zeitliche und funktionale Einordnung ermöglichen.
5. Archäozoologische und archäobotanische Analysen: Auswertung von Tierknochen und Pflanzenresten zur Rekonstruktion von Ernährung, Handwerk und Landwirtschaft.
6. Die Funktion der Brunnen innerhalb der Siedlung: Diskussion der Rolle der Brunnen für das Handwerk, die Versorgung und ihre mögliche kultische Bedeutung.
7. Vergleiche mit anderen Siedlungen: Siedlungsvergleiche mit Standorten in Bayern (Wehringen, Aufhausen/Bergham, Pilsting) und im Elsaß.
8. Schlussbetrachtung: Zusammenfassende Bewertung der Brunnenbefunde als Zeugnisse einer Handwerkersiedlung und Ausblick auf künftige Forschungsbedarfe.
Sermersheim, Mittelalter, Brunnenbau, Holzkonstruktionen, Dendrochronologie, Gefäßkeramik, Handwerkersiedlung, Archäologie, Holzbearbeitung, Siedlungsarchäologie, Wasserversorgung, Ausgrabung, Mittelalterliche Siedlung, Materialanalysen, Kultobjekt.
Die Arbeit analysiert die baulichen und funktionalen Aspekte von früh- und hochmittelalterlichen Holzbrunnen, die bei Ausgrabungen in Sermersheim (Elsaß) freigelegt wurden.
Im Zentrum stehen die konstruktive Vielfalt der Brunnen (Holzbautechniken), ihre chronologische Zuordnung sowie ihre Rolle innerhalb der archäologisch belegten Handwerkersiedlung.
Die Autorin untersucht, warum eine solch hohe Anzahl an Brunnen im Siedlungsareal errichtet wurde und ob die Konstruktionen in direktem Zusammenhang mit spezifischen handwerklichen Funktionen stehen.
Es kommen vorwiegend die Dendrochronologie (Jahrringdatierung) sowie die Auswertung von Fundkomplexen, insbesondere der Gefäßkeramik, zum Einsatz.
Der Hauptteil gliedert sich in die Vorstellung der Brunnenbefunde, die technische Dokumentation der Holzkonstruktionen (Erdarbeiten, Schöpfvorrichtungen) sowie die archäozoologischen und archäobotanischen Auswertungen der Befüllungen.
Schlüsselbegriffe sind Sermersheim, Brunnenbau, Handwerkersiedlung, Dendrochronologie und Siedlungsarchäologie.
Die Brunnen werden hauptsächlich in drei Typen unterteilt: Baumstammbrunnen, Kastenbrunnen und das spezielle Verfahren des „Daubenbaus“ (eine Sekundärverwendung von Fassdauben/Brettern).
Sermersheim wird als eine Handwerkersiedlung interpretiert, in der die Brunnen sowohl der lebensnotwendigen Versorgung von Mensch und Tier als auch der Deckung des hohen Wasserbedarfs für handwerkliche Prozesse wie Textilverarbeitung oder Keramikherstellung dienten.
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