Bachelorarbeit, 2012
69 Seiten, Note: 1,0
I. Einleitung
II. Tunesien unter Frankreichs Herrschaft
II. 1 Eine Zeit nationaler Bewegungen
II. 2 Der Weg in die Unabhängigkeit
III. Die Ära Habib Bourguiba
III. 1 Zur Person Habib Bourguiba
III. 2 Die Politik Bourguibas
III. 2. 1 Die Verfassung Tunesiens
III. 2. 2 Bourguibas Herrschaftsstruktur
III. 2. 3 Der religiöse Bereich
III. 3 Soziale Entwicklung / Modernisierung
III. 3. 1 Bildungsreformen
III. 3. 2 Sozialer Wandel der Gesellschaft am Beispiel der Frauenemanzipation
IV. Wachsende Unzufriedenheit in der Bevölkerung
IV. 1 Gafsa-Affäre Januar 1980
IV. 2 Brotrevolte 1983/84
IV. 3 Ben Alis Machtübernahme
V. Tunesien unter Ben Ali
V. 1 Zur Person Zine el-Abidine Ben Ali
V. 2 Modernisierungspolitik
V. 3 Herrschaftsstruktur
VI. Entwicklung einer Unzufriedenheit
VI. 1 Arbeitslosigkeit und Korruption
VI. 2 Freiheitseinschränkungen
VI. 3 Erste Proteste
VII. Die Revolution
VII. 1 Der Auslöser
VII. 2 Ausbreitung der Revolution und die Bedeutung des Internets
VII. 3 Sturz und Flucht Ben Alis
VIII. Die Folgen der Revolution
VIII. 1 Die Übergangsregierung
VIII. 2 Freie Wahlen
VIII. 3 Die sozioökonomische Entwicklung seit der Revolution
IX. Ausblick – Ist der 'gemäßigte Islamismus' mit der Demokratie vereinbar?
X. Schlussbetrachtung
Diese Arbeit untersucht die sozioökonomische Entwicklung Tunesiens unter den Regierungen Bourguiba und Ben Ali, um die Ursachen für den politischen Umbruch im Zuge der arabischen Revolution 2010/11 zu identifizieren. Dabei steht die Analyse der politischen Strukturen, der Modernisierungsversuche und der wachsenden Unzufriedenheit der Bevölkerung im Zentrum, um die Frage nach der Vereinbarkeit von Islam und Demokratie zu erörtern.
II. 1 Eine Zeit nationaler Bewegungen
Am 12. Mai 1881 wurde der Protektoratsvertrag, der sogenannte Vertrag von Bardo, zwischen Frankreich und Tunesien unterzeichnet. Somit war Tunesien nun dem französischen Protektorat unterstellt. Im Vertrag von La Marsa unterzeichnete der Bey in Oktober 1882 eine Verpflichtungserklärung, alle von Frankreich „empfohlenen Reformen“ durchzuführen. Die innertunesischen Souveränitätsrechte sollten jedoch aufrechterhalten bleiben, indem alle Gesetze vor ihrer Rechtskräftigkeit vom Bey gegengezeichnet werden mussten. Dass dies nur einen rein formalen Charakter hatte, war für die tunesische Bildungselite unverkennbar. Frankreich baute eine neue und moderne Paralleladministration in Tunesien auf. Die Tatsache, dass hier den gebildeten Tunesiern, trotz adäquater Ausbildung, der Zugang zu diesen neuen Arbeitsplätzen verwehrt blieb, führte bereits vor dem ersten Weltkrieg zu Protesten.
In den Neunzigern des 19. Jahrhunderts organisierte sich die tunesisch reformistische Bildungselite, deren Ziel es war, innerhalb des Protektoratsrahmens eine Modernisierung und Reformierung der tunesischen Gesellschaft zu bewirken. Eine dieser Gruppierungen nannte sich nach ihren türkischen Vorbildern die 'Jeunes Tunisiens'. In ihren Anliegen formulierten sie Reformforderungen für das Bildungswesen, mit denen sie ab 1905 an die Öffentlichkeit traten. Sie gehörten zu der einheimischen Elite, die sich einer zweisprachigen modernen Ausbildung erfreuen durfte. Weitestgehend waren sie Bürger der reichen Oberschicht und publizierten teilweise in französischen liberalen Zeitschriften. Auf der einen Seite fühlten sie sich ihrer islamisch-arabischen Kultur zugehörig, sowie auch ihrer tunesischen Identität. Auf der anderen Seite hielten sie jedoch die Modernisierung der Gesellschaft nach europäischem Vorbild für notwendig. Dies war besonders in ihrem Entwurf des Bildungswesens, der die Zweisprachigkeit und moderne Lerninhalte implizierte, zu bemerken.
I. Einleitung: Die Arbeit stellt die Forschungsfrage nach den Ursachen der tunesischen Revolution im Kontext der sozioökonomischen und politischen Geschichte unter den Präsidenten Bourguiba und Ben Ali.
II. Tunesien unter Frankreichs Herrschaft: Dieses Kapitel behandelt die Etablierung des Protektorats und das Entstehen der ersten nationalen Bewegungen unter der tunesischen Elite.
III. Die Ära Habib Bourguiba: Hier wird der politische Aufstieg Bourguibas, seine autoritäre Herrschaftsstruktur und seine tiefgreifenden, modernisierenden Reformen in Bildung und Gesellschaft analysiert.
IV. Wachsende Unzufriedenheit in der Bevölkerung: Das Kapitel beleuchtet die wirtschaftlichen Krisen, wie die Gafsa-Affäre und die Brotrevolten, sowie den schleichenden Machtverlust Bourguibas an Ben Ali.
V. Tunesien unter Ben Ali: Analysiert wird die Machtübernahme Ben Alis, die Kontinuität seiner autokratischen Herrschaftsstruktur und seine Modernisierungspolitik.
VI. Entwicklung einer Unzufriedenheit: Untersucht werden die systemischen Probleme unter Ben Ali, insbesondere Arbeitslosigkeit, Korruption des herrschenden Clans und die drastische Unterdrückung der Bevölkerung.
VII. Die Revolution: Dieses Kapitel beschreibt den unmittelbaren Auslöser durch die Selbstverbrennung von Mohamed Bouazizi und den Verlauf der Proteste bis zur Flucht Ben Alis.
VIII. Die Folgen der Revolution: Thematisiert werden die politische Übergangsphase, die ersten freien Wahlen sowie die anhaltenden sozioökonomischen Schwierigkeiten nach dem Sturz des Regimes.
IX. Ausblick – Ist der 'gemäßigte Islamismus' mit der Demokratie vereinbar?: Ein Ausblick auf die aktuelle politische Debatte und die Chancen einer islamisch-demokratischen Ausrichtung in Tunesien.
X. Schlussbetrachtung: Zusammenfassende Einschätzung der Ereignisse und ein Resümee über die historischen Leistungen und das Scheitern der ehemaligen Diktatoren.
XI. Quellen- und Literaturverzeichnis: Auflistung der verwendeten gedruckten Literatur und Internetquellen.
Tunesien, Arabische Revolution, Habib Bourguiba, Zine el-Abidine Ben Ali, Modernisierung, Autokratie, Unabhängigkeit, Islamismus, Frauenemanzipation, Arbeitslosigkeit, Korruption, Demokratie, Übergangsregierung, Ennahda, Sozioökonomie
Die Arbeit analysiert die sozioökonomische und politische Entwicklung Tunesiens, um die Hintergründe der Revolution 2010/11 zu verstehen.
Die zentralen Themen sind die Herrschaftsstrukturen unter Bourguiba und Ben Ali, der Modernisierungsprozess, soziale Missstände und der politische Wandel.
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie autoritäre Führung und sozioökonomische Probleme langfristig zum Umbruch und zur arabischen Revolution geführt haben.
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturanalyse, der Auswertung politischer Dokumente und der Heranziehung aktueller Internetquellen zur Rekonstruktion der Ereignisse.
Der Hauptteil gliedert sich in die Ären Bourguiba und Ben Ali, analysiert die Ursachen der Unzufriedenheit, den Verlauf der Revolution und die darauffolgenden politischen Folgen.
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Revolution, Autokratie, Modernisierung, Islamismus, Korruption und Demokratisierung geprägt.
Während Bourguiba als "Vater der Unabhängigkeit" eine starke staatliche Modernisierung vorantrieb, zeichnete sich die Ära Ben Ali durch Vetternwirtschaft, exzessive Korruption des herrschenden Clans und eine totale polizeistaatliche Überwachung aus.
Das Internet wird als entscheidendes Medium für die Ausbreitung der Proteste und die Mobilisierung der Bevölkerung während der Revolution 2010/11 hervorgehoben.
Ja, die Arbeit thematisiert kritisch, inwieweit moderat islamistische Kräfte wie die Ennahda-Partei mit demokratischen Werten in einem neuen Tunesien vereinbar sind.
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