Masterarbeit, 2013
87 Seiten, Note: 1,3
1 EINLEITUNG
2 GRUNDLAGEN
2.1 Forschungsstand
2.2 Zufall, Kontingenz und Möglichkeit
2.3 Systemtheoretischer Bezug
2.4 Roman der Moderne: Musils Mann ohne Eigenschaften
3 ZUFALL/KONTINGENZ IM MANN OHNE EIGENSCHAFTEN
3.1 Zufall als Vorfall und Einfall
3.2 Kontingenz der Geschichte
3.3 Utopie des Essayismus
3.4 Ulrichs Möglichkeitssinn
3.5 Kontingenzkultur der Moderne
3.5.1 Wissenschaft als Fremdreferenz
3.5.2 Identitätskrise
3.6 Strategien der Kontingenzbewältigung
4 ZUSAMMENFASSUNG
Die vorliegende Arbeit untersucht die Bedeutung von Zufall und Kontingenz in Robert Musils Roman "Der Mann ohne Eigenschaften" unter Einbeziehung von Niklas Luhmanns Systemtheorie, um zu analysieren, wie der Protagonist Ulrich Strategien entwickelt, um in einer durch Kontingenz geprägten Moderne sinnhaft zu agieren.
3.1 Zufall als Vorfall und Einfall
Sowohl im Eingangskapitel des ersten Buches (erster Band) als auch im Eingangskapitel des zweiten Buches (dritter Band) spielt der Zufall eine tragende Rolle. Da man davon ausgehen kann, dass den beiden Zufallsgeschehen ihre besondere Position im Roman nicht zufällig zugesprochen wurde, sondern der Autor damit die Wichtigkeit des Motivs unterstreichen wollte, ist ein besonderes Augenmerk darauf zu legen. Während es im Eingangskapitel des ersten Buches um einen realen Vorfall als Unfall, das heißt einen unglücklichen Zufall geht, löst im Eingangskapitel des zweiten Buches ein geistiger Einfall einen glücklichen Zufall aus, der dann in die Geschwisterliebe zwischen Ulrich und Agathe mündet.
Luhmann behandelt den Begriff des Zufalls vor allem im Kontext seiner Evolutionstheorie, wo er einen festen Platz hat. „Kein System kann Zufälle […] vermeiden, denn kein System hat genug Komplexität, um auf alles, was vorkommt »systematisch« zu reagieren“. Dabei lässt er dem Zufall folgerichtig mehr eine differenztheoretische als eine kausaltheoretische Bedeutung zukommen.
Im Teilsystem der Kunst, der auch die Literatur umfasst, ist für Luhmann der Zufall ein einmaliges Ereignis mit einem Überraschungswert. Je nach Beobachterebene ist die Wahrnehmung des Zufalls eine andere. Für den Beobachter erster Ordnung ist es die Überraschung des Zufalls selbst, der ohne Ankündigung eintritt. Der Beobachter zweiter Ordnung kann erkennen, wie andere die Überraschung aufnehmen und aus seiner höheren Position heraus reflektieren, was Zufall sein könnte und was nicht.
EINLEITUNG: Einführung in die Relevanz von Kontingenz in der Moderne und die Fragestellung zur Rolle von Zufall und Ulrichs Möglichkeitssinn in Musils Werk.
GRUNDLAGEN: Darstellung des Forschungsstandes, begriffsgeschichtliche Einordnung von Zufall und Kontingenz sowie Etablierung des systemtheoretischen Rahmens.
ZUFALL/KONTINGENZ IM MANN OHNE EIGENSCHAFTEN: Analyse der Zufallsereignisse, der Kontingenz der Geschichte, der Bedeutung des Essayismus und der Entwicklung von Ulrichs Möglichkeitssinn als Antwort auf die Moderne.
ZUSAMMENFASSUNG: Synthese der Analyseergebnisse und abschließende Einordnung von Ulrichs Haltung im Kontext der modernen Kontingenzkultur.
Robert Musil, Mann ohne Eigenschaften, Kontingenz, Zufall, Systemtheorie, Niklas Luhmann, Möglichkeitssinn, Essayismus, Moderne, Identitätskrise, Beobachtung zweiter Ordnung, Kausalität, Funktionalitätsprinzip, Ulrich, Literaturwissenschaft.
Die Arbeit untersucht die Funktion und Bedeutung des Zufalls und der Kontingenz in Robert Musils Roman "Der Mann ohne Eigenschaften" und setzt diese in Bezug zur Systemtheorie von Niklas Luhmann.
Im Zentrum stehen die Konzepte des literarischen Zufalls, der Kontingenz als moderne Kategorie, der wissenschaftstheoretische Bezug zur Literatur sowie die Figur des Ulrich als "Möglichkeitsmensch".
Ziel ist es, herauszuarbeiten, wie der Protagonist Ulrich auf die Kontingenzkultur der Moderne reagiert und welche Bewältigungsstrategien er durch seinen "Möglichkeitssinn" und den "Essayismus" entwickelt.
Die Arbeit nutzt einen systemtheoretischen Ansatz nach Niklas Luhmann, um Analogien zwischen systemtheoretischen Konzepten und den inhaltlichen bzw. formalen Aspekten von Musils Roman aufzudecken.
Der Hauptteil analysiert exemplarische Textstellen, untersucht die Kontingenz der Geschichte, das Konzept des Essayismus, die wissenschaftlichen Einflüsse auf den Autor und die daraus resultierende Identitätskrise des Subjekts.
Neben dem zentralen Begriff der Kontingenz sind die Begriffe "Möglichkeitssinn", "systemtheoretischer Bezug", "Essayismus" und "Moderne" entscheidend.
Zufall wird als Ereignis der Wirklichkeit definiert, während Kontingenz einen Bereich der Möglichkeit beschreibt; Zufall ist somit eine realisierte Kontingenz.
Die Wissenschaft dient dem Kunstsystem als Beobachtungsquelle, um die Komplexität der Welt abzubilden und literarische Reflexionen über die Grenzen der Kausalität anzustellen.
Er wird als eine Chance zur Perspektiverweiterung gesehen, birgt jedoch gleichzeitig die Gefahr einer Entscheidungsschwäche, die Ulrich durch aktives Handeln zu überwinden versucht.
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