Bachelorarbeit, 2013
35 Seiten, Note: 2,0
1 Einleitung
2 Geschlecht als soziales Konstrukt der Gesellschaft
2.1 Alltagstheorie der Zweigeschlechtlichkeit
2.2 Konstruktivistische Sichtweise
2.3 Das Verhältnis von Biologie und Kultur bei der Geschlechterdifferenzierung
2.4 „Doing gender“
3 Gender-Wechsel
3.1 Aufbrechen von gender
3.2 Fallbeispiel einer Transsexuellen
3.2.1 Agnes’ Lebenslauf
3.2.2 Hintergrund und soziale Bedeutung von Agnes’ Geschlechtswechsel
3.3 Aneignung von Geschlecht
6 Fazit
Diese Arbeit untersucht, inwiefern Geschlecht kein biologisch determiniertes, sondern ein von der Gesellschaft konstruiertes Phänomen ist, wobei insbesondere die Rollen von Intersexualität und Transsexualität als Herausforderungen für die herrschende Alltagstheorie der Zweigeschlechtlichkeit analysiert werden.
3.2.1 Agnes‘ Lebenslauf
Agnes wurde 1939 geboren und aufgrund des vorhandenen Penis als Junge klassifiziert. Sie wurde in einem wohlbehüteten Elternhaus katholisch erzogen und wuchs als Junge heran, aber fühlte sich schon immer als Frau mit einem fehlplatzierten Penis: „I’ve always wanted to be a girl; I have always felt like a girl; and I have always been a girl but a mistaken environment forced the other thing on me“ (Garfinkel 1984: 130). So war ihr größtes Problem als Kind, dass sie “boys’ games” (Garfinkel 1984: 129) spielen sollte obwohl sie lieber mit Puppen spielte oder kochte. Sie wünschte sich seit sie denken konnte nichts sehnlicher als morphologisch und sozial eine Frau zu sein.
Während der Pubertät veränderte sich ihr Körper; ihr wuchsen Brüste und sie bekam eine weibliche Figur, „she expressed the relief and joy she felt when she noticed at the age of twelve that her breasts were starting to develop“ (Garfinkel 1984: 132). Garfinkel betont an dieser Stelle, dass es unklar sei, ob Agnes weibliche Hormone eingenommen hatte oder ob sie sich ohne äußerliche Einwirkungen so entwickelte. Die Vermutung liegt jedoch nahe, dass sie bereits ab dem 12. Lebensjahr heimlich Östrogene einnahm (vgl. Garfinkel 1984: 287).
1 Einleitung: Die Einleitung führt in die Forschungsfrage ein, die soziale Konstruktion von Geschlecht gegenüber der biologischen Binarität zu hinterfragen und die Rolle von Inter- und Transsexualität dabei zu beleuchten.
2 Geschlecht als soziales Konstrukt der Gesellschaft: Dieses Kapitel erläutert die Alltagstheorie der Zweigeschlechtlichkeit sowie konstruktivistische Ansätze und das Konzept „Doing Gender“, um die soziale Herstellung von Geschlecht zu theoretisieren.
3 Gender-Wechsel: Dieses Kapitel analysiert anhand von Hermaphroditismus und der Fallstudie von Agnes, wie Geschlecht interaktiv hergestellt wird und wie ein Geschlechtswechsel als Prozess der Aneignung verläuft.
6 Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass Geschlecht ein kontinuierlicher sozialer Herstellungsprozess ist, der unabhängig von biologischen Voraussetzungen durch geschlechtsadäquates Verhalten in der Interaktion validiert wird.
Soziale Konstruktion, Geschlecht, Zweigeschlechtlichkeit, Doing Gender, Intersexualität, Transsexualität, Harold Garfinkel, Agnes, Geschlechtsidentität, Sozialer Lernprozess, Passing, Biologie und Kultur, Geschlechterdifferenzierung, Soziologie, Alltagstheorie.
Die Arbeit befasst sich mit der soziologischen Perspektive, dass Geschlecht keine rein biologische Tatsache ist, sondern in westlichen Gesellschaften als soziales Konstrukt erzeugt wird.
Zentrale Themen sind die Alltagstheorie der Zweigeschlechtlichkeit, der Konstruktivismus, das Konzept des „Doing Gender“ sowie die Analyse von Geschlechtswechseln.
Ziel ist es aufzuzeigen, dass die Geschlechtszugehörigkeit kein biologischer Ausgangspunkt, sondern das Ergebnis sozialer Konstruktionsprozesse und praktischer Handlungen im Alltag ist.
Die Arbeit nutzt eine theoretische Literaturanalyse sowie die qualitative Fallstudienanalyse, insbesondere die mikrosoziologische Studie von Harold Garfinkel.
Der Hauptteil behandelt die Theorie der sozialen Konstruktion, das Konzept des „Doing Gender“, die biologische Variabilität bei Hermaphroditen sowie den Prozess des Geschlechtswechsels bei Transsexuellen.
Wichtige Begriffe sind: Soziale Konstruktion, Doing Gender, Intersexualität, Transsexualität, Geschlechtsidentität und Alltagstheorie.
Die Fallstudie zeigt in „Zeitlupe“, wie eine Transsexuelle durch bewusste Aneignung weiblicher Verhaltensmuster ihr soziales Geschlecht konstruiert und interaktiv validieren lässt.
„Doing Gender“ bedeutet, dass man ein Geschlecht nicht einfach besitzt, sondern es durch kontinuierliches, geschlechtsadäquates Verhalten in sozialen Interaktionen ständig neu erzeugen und beweisen muss.
Anhand von Phänomenen wie Intersexualität zeigt die Arbeit, dass die Natur keine scharfen, dichotomen Grenzen kennt, sondern der Mensch diese künstlich in Kategorien ordnet, um gesellschaftliche Ordnung zu wahren.
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