Masterarbeit, 2013
73 Seiten, Note: 1,6
1. Einleitung
2. Macht, Diskurs und Religion
3. Westliche Hegemonie und die Definition von Buddhismus
4. Buddhistische Tradition in Südostasien
5. Die Transformation des Buddhismus in Thailand
5.1 Mongkut und die Thammayutnikai
5.2 Die Reformen unter Chulalongkorn
6. Buddhistische Reform und lokale Praxis in Thailand
6.1 Die Vermittlung buddhistischer Texte: der Dhammapada
6.2 Das Übernatürliche im Thai Buddhismus
7. Fazit
Die Arbeit untersucht, wie westliche hegemoniale Vorstellungen von Buddhismus als Weltreligion im 19. und frühen 20. Jahrhundert mit lokalen thailändischen religiösen Praxen interagierten. Dabei wird analysiert, inwiefern staatliche Reformen in Thailand dazu dienten, den Buddhismus zu modernisieren und als Instrument zur Legitimation monarchischer Herrschaft sowie nationaler Identitätsbildung zu nutzen, während die tatsächliche populäre Glaubenspraxis der Bevölkerung weitgehend von diesen normativen Vorgaben abwich.
3. Westliche Hegemonie und die Definition von Buddhismus
Weltreligionen waren in den Vorstellungen des Westens im 17. Jahrhundert nur das Christentum, das Judentum und der Islam. Weitere beobachtete Glaubensformen wurden allgemein als Paganismus, Heidentum bezeichnet. Durch neue Erfahrungen der westlichen Kolonialisten in Asien und die Sammlung und Inbesitznahme lokaler religiöser Texte, die durch vergleichende Studien in den akademischen Zentren der Kolonialmächte ausgewertet und interpretiert wurden, ermittelten und bestimmten westliche Orientalisten weitere Religionen, die sie als Hinduismus, Konfuzianismus, Daoismus, Shintoismus, Sikhismus und Buddhismus bezeichneten und voneinander abgrenzend definierten.
Die europäische Bestimmung des Buddhismus als Asien übergreifende Tradition begann erst zu Ende des 18. Jahrhunderts. So gab es vor dem 19. Jahrhundert kaum die Vorstellung von einer ausgeprägten buddhistischen Identität mit entsprechender geographischer Ausdehnung, und in der europäischen Wahrnehmung asiatischer Kulturen überwogen die Eindrücke aus verschiedenen Studien zum Konfuzianismus und Hinduismus. Zwar waren buddhistische Phänomene einigen westlichen Missionaren und Handelsreisenden schon seit langem bekannt, doch gaben diese ihre Beobachtungen und Erfahrungen üblicherweise in einer christlichen Terminologie wieder.
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet anhand von Beispielen die Diskrepanz zwischen staatlich propagierter, normativer Buddhismus-Präsentation und der tatsächlichen, vielfältigen religiösen Alltagspraxis der Menschen in Thailand.
2. Macht, Diskurs und Religion: Dieses Kapitel legt den theoretischen Rahmen dar, indem es Religion als ein durch gesellschaftliche Machtverhältnisse und Diskurse konstruiertes Phänomen betrachtet, das zur Legitimation sozialer Ordnung dient.
3. Westliche Hegemonie und die Definition von Buddhismus: Hier wird analysiert, wie westliche Orientalisten im 19. Jahrhundert den Buddhismus als rationale Weltreligion nach dem Vorbild des protestantischen Christentums konstruierten und definierten.
4. Buddhistische Tradition in Südostasien: Das Kapitel beschreibt, dass die Vorstellung einer einheitlichen Weltreligion historisch nicht in asiatischen Sprachen verankert war, sondern vielmehr aus einer Vielfalt lokaler Schulen und Praktiken bestand.
5. Die Transformation des Buddhismus in Thailand: Es wird dargelegt, wie die siamesische Elite im Kontext kolonialen Drucks Reformen initiierte, um den Staat zu zentralisieren und den Buddhismus als nationale Identität zu instrumentalisieren.
6. Buddhistische Reform und lokale Praxis in Thailand: Das Kapitel untersucht die Widersprüche zwischen den staatlich verordneten formalen Reformen und der anhaltenden lokalen Praxis, insbesondere bei der Vermittlung von Texten und dem Umgang mit dem "Übernatürlichen".
7. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass Religion ein durch Diskurse und Machtverhältnisse wandelbarer Begriff ist, dessen staatliche Definition in Thailand oft nur eine dünne Schicht über der vielfältigen und lebendigen populären Glaubenspraxis bildet.
Buddhismus, Thailand, Macht, Diskurs, Hegemonie, Religion, Transformation, Thammayutnikai, Kolonialismus, Moderne, Dhammapada, Lokale Praxis, Identität, Staat, Mongkut
Die Arbeit analysiert, wie der Buddhismus in Thailand durch westliche Einflüsse und staatliche Reformen seit dem 19. Jahrhundert transformiert wurde, um als Instrument nationaler Identität und Herrschaftslegitimation zu dienen.
Die zentralen Themen sind das Machtverhältnis zwischen kolonialem Diskurs und lokaler Praxis, die Entstehung der "Weltreligion" Buddhismus als westliches Konstrukt und die Reformbemühungen der siamesischen Monarchie.
Das Ziel ist es, die Kritik an der westlichen Definition von Buddhismus zu schärfen und aufzuzeigen, dass Buddhismus in Thailand vor allem eine dynamische, lokale soziale Praxis und kein statisches, normatives System ist.
Die Arbeit basiert auf einer diskursanalytischen Methode, gestützt durch die Theorien von Denkern wie Michel Foucault, Pierre Bourdieu und Martin Riesebrodt, um die Konstruktion von Religion zu hinterfragen.
Der Hauptteil behandelt die historische Transformation des thailändischen Buddhismus, die Rolle der Reformbewegung Thammayutnikai, die Rolle von König Mongkut und Chulalongkorn sowie die Widersprüche bei der Vermittlung buddhistischer Texte und Geisterglaube.
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Macht, Diskurs, Hegemonie, Transformation, lokale Praxis und Identitätsbildung charakterisiert.
Die Eliten adaptierten westliche Ideen selektiv, um den thailändischen Staat zu modernisieren und als zivilisiert (siwilai) anerkannt zu werden, während sie gleichzeitig ihre traditionelle Herrschaft und moralische Ordnung bewahrten.
Obwohl die Reformen institutionell erfolgreich waren, blieb die tägliche religiöse Praxis eines Großteils der Bevölkerung von diesen elitären, normativen Veränderungen weitgehend unberührt und folgte weiterhin traditionellen, pragmatischen Bedürfnissen.
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