Masterarbeit, 2013
64 Seiten, Note: 2,3
1 Einleitung
2 Rennefanz und Hensel im Diskurs der Autobiografie
2.1 Von der historischen Quelle zur literarischen Gattung
2.2 Der autobiografische Pakt und andere Kriterien
2.3 Zwei Werke, eine Gattung?
3 Die Erzählstrategien
3.1 Die Erzählerinnen
3.1.1 Zur Identität von Erzählerin, Autorin und Hauptfigur
3.1.2 Erzählperspektive: Individuum und ‚Wir‘-Gefühl
3.1.3 Zur Bedeutung der Tagebucheinträge
3.1.4 Autor-Leser-Verhältnis
3.2 Intention und Motivation
3.2.1 Der DDR ein Museum
3.2.2 Zwischen Rechtfertigung und Identitätsfindung
4 Über die Darstellung und Bedeutung von Erinnerung
4.1 ‚Die Katze Erinnerung‘
4.2 Erinnerung bei Hensel und Rennefanz
4.2.1 Inszenierung von Authentizität und Glaubwürdigkeit
4.2.2 „Ich weiß nicht mehr…“ - Reflexion über das Erinnern
4.2.3 Bedeutung der Gegenwart
4.3 Themen des Erinnerns
4.3.1 Die Darstellung der Kindheit
4.3.2 Die Entmachtung der Eltern
4.3.3 Raider vs. Twix, Ost vs. West
4.3.4 Radikalität: Religion und Nationalsozialismus
4.4 Die Stadt als Erinnerungsort
5 Fazit
Die Arbeit untersucht die literarische Gestaltung von Erinnerung in Sabine Rennefanz’ Eisenkinder und Jana Hensels Zonenkinder. Das primäre Ziel ist es zu klären, warum sich die Darstellung der gemeinsamen DDR-Kindheit und der Nachwendezeit bei zwei Autorinnen derselben Generation so signifikant unterscheidet, wobei insbesondere die unterschiedliche Schreibmotivation und Erzählstrategie analysiert wird.
3.1.2 Erzählperspektive: Individuum und ‚Wir‘-Gefühl
Wie es für eine Autobiografie üblich ist, schreiben beide Autorinnen überwiegend aus der Ich-Perspektive, was eine zweifache Funktion hat:
Das Wort ‚ich‘ in der Autobiographie steht in einer doppelten sprachlogischen Funktion; es ist prädikativ, d.h. es macht eine Aussage und markiert damit die Instanz, die spricht bzw. schreibt, und es bezeichnet gleichzeitig eine zeitlich und räumlich von dieser sprechenden Instanz unterschiedene Position, das beschriebene Ich.
Die Verfasserinnen positionieren sich damit in der Schreibgegenwart des Textes, da - wie Wagner-Egelhaaf betont - das Ich mit jeder Aussage stets Bezug auf diese nimmt. Dies ist in besonderer Weise sowohl bei Zonenkinder als auch bei Eisenkinder zu beobachten, da beide Autorinnen diese Perspektive mehrfach verlassen.
So wechselt Zonenkinder häufig in die erste Person Plural und erzählt aus der „Perspektive eines kollektiven ‚Wir‘“. Dies sei, so Prof. Dr. Ilse Nagelschmidt, ein notwendiges Stilmittel, um das Lebens- und Gruppengefühl ihrer Generation rekapitulieren zu können. Dadurch gibt sich die Erzählerin einerseits als Teil dieses die Generation vereinheitlichenden ‚Wir‘ aus und macht andererseits ihre persönliche Erinnerung zu einer kollektiven. Weiterhin drückt sich darin die durch den Staat erzeugte emotionale Bindung innerhalb der Gemeinschaft aus. Die Ich-Erzählerin, die mit der Autorin weitgehend identisch ist, reflektiert meist über das eigene Erinnern oder bestimmte Handlungen (beispielsweise das Laufen neben der Mutter) und das Unvermögen, medial erfasste Bilder mit der eigenen Vergangenheit zu verknüpfen. Ein Wechsel in die Wir-Perspektive ist besonders bei Themen wie Kindheit, Herkunft beziehungsweise Heimat oder dem Staat zu beobachten und erfolgt zum Teil sogar innerhalb eines Satzes.
1 Einleitung: Die Arbeit führt in die Relevanz der Erinnerungsliteratur nach 1989 ein und stellt die beiden zu untersuchenden Werke sowie die leitende Forschungsfrage zur unterschiedlichen Gestaltung von Erinnerung bei Rennefanz und Hensel vor.
2 Rennefanz und Hensel im Diskurs der Autobiografie: Dieses Kapitel verortet beide Texte gattungstheoretisch, beleuchtet die Entwicklung der Autobiografie als literarische Gattung und diskutiert den autobiografischen Pakt sowie moderne Kriterien wie die Autofiktion.
3 Die Erzählstrategien: Hier werden die Erzählerinnen und ihre Motivationen analysiert, wobei Hensels Identitätsangebot durch das „Wir-Gefühl“ der Rennefanzschen Identitätssuche gegenübergestellt wird.
4 Über die Darstellung und Bedeutung von Erinnerung: Der Hauptteil untersucht die formale wie inhaltliche Gestaltung von Erinnerung, thematisiert das Verhältnis von Authentizität und Fiktion und vergleicht die Behandlung von Kindheit, Elternschaft, Ost-West-Stereotypen und Radikalität.
5 Fazit: Die Arbeit resümiert, dass trotz unterschiedlicher Intentionen – Archivierung bei Hensel und Identitätssuche bei Rennefanz – beide Werke als authentische Erinnerungsliteratur zur Bewältigung der Wendezeit dienen.
Autobiografie, Erinnerungsliteratur, DDR, Wendezeit, Identitätsbildung, Zonenkinder, Eisenkinder, Autofiktion, Generation, Erinnerungskultur, Schreibmotivation, kollektives Gedächtnis, Ost-West-Vergleich, Radikalität, Kindheit
Die Arbeit analysiert und vergleicht die literarische Gestaltung von Erinnerung in den Debütwerken Zonenkinder von Jana Hensel und Eisenkinder von Sabine Rennefanz.
Zentrale Themen sind die Aufarbeitung der DDR-Kindheit, die Auswirkungen der Wende auf die Elterngeneration, das kollektive Identitätsgefühl ("Wir-Gefühl") sowie der Einfluss der persönlichen Geschichte auf die Gegenwart.
Ziel ist es zu ergründen, warum zwei Autorinnen der gleichen Generation, die ein ähnliches Leben führten, in ihren Werken so unterschiedliche Bilder der Vergangenheit zeichnen.
Die Autorin wendet literaturwissenschaftliche Methoden an, indem sie die Werke in den Diskurs der Gattungstheorie (Autobiografie/Autofiktion) einordnet und eine komparative Analyse der Erzählstrategien und Erinnerungsdarstellungen durchführt.
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der Erzählerinstanzen, der unterschiedlichen Intentionen sowie eine detaillierte Analyse der Erinnerungsgestaltung, einschließlich der Rolle von Städten als Erinnerungsorten und des Umgangs mit medialen Quellen.
Schlüsselbegriffe sind unter anderem "autobiografischer Pakt", "Gattungstheorie", "Erinnerungsdiskurs", "Identitätsfindung" und "Autofiktion".
Während Hensel ein "Identifikationsangebot" für ihre gesamte Generation schaffen will und ein "Museum" der DDR errichtet, zielt Rennefanz primär auf eine individuelle Identitätssuche ab, um ihre eigene Geschichte und Wut zu bewältigen.
Die "stille Wut" ist ein zentrales Motiv, mit dem Rennefanz die Orientierungslosigkeit und den Identitätsverlust ihrer Generation beschreibt und sie in den Kontext der Radikalisierung (wie beim NSU) stellt.
Hensel archiviert DDR-spezifische Begriffe, Markennamen und Alltagserinnerungen, um das Wissen über eine vergangene Lebenswelt zu bewahren, wobei sie dies durch eine bewusste Inszenierung von Authentizität (z.B. durch Fotos) stützt.
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