Bachelorarbeit, 2013
52 Seiten, Note: 1,3
1. Weibliche Emanzipation im Disney-Märchenfilm? – eine Einleitung
2. Helden und Heldinnen in den Grimmschen Märchen
2.1 Von schönen Prinzessinnen – die Darstellung der Protagonistinnen
2.1.1 Aussehen und Rezeption durch andere Figuren
2.1.2 Handeln und behandelt werden
2.1.3 Übereinstimmung mit dem weiblichen Rollenverständnis des 19. Jahrhunderts
2.2 Der Prinz als Weg zum Glück? – die Darstellung der Protagonisten
2.2.1 Das Motiv des Retters und Beschützers
2.2.2 Übereinstimmungen mit dem männlichen Rollenverständnis des 19. Jahrhunderts
3. Die Entwicklung vom konservativen Grimm-Märchen zum emanzipatorisch geprägten Disney-Film
3.1 Ausgangssituation, Handlungsverlauf und Ende der Geschichten im Überblick
3.2 Aussehen der Protagonistinnen und Rezeption durch andere Figuren
3.3 Handlungen und Aussagen der Märchenfiguren
3.4 Lebensziele der Protagonistinnen und Protagonisten
3.5 Vom Protagonisten zur Nebenfigur und vice versa – der verschobene Fokus in ausgewählten Disney-Filmen
4. Veränderte Weltanschauungen und mögliche Gefahren – ein Ausblick
5. Fazit
Die Arbeit untersucht die Wandlung des Helden- und Heldinnenbildes in ausgewählten Disney-Märchenadaptionen im Vergleich zu den Originaltexten der Brüder Grimm. Dabei liegt der Fokus darauf, inwiefern sich traditionelle, konservative Rollenbilder über die Jahrzehnte hinweg durch emanzipatorisches Gedankengut verändert haben.
2.1.2 Handeln und behandelt werden
Schneewittchens positives Erscheinungsbild beruht nicht nur auf ihrer Schönheit, sondern auch auf ihrer Tugendhaftigkeit. So bedient sie sich zwar beispielsweise vor lauter Hunger an der Mahlzeit der sieben Zwerge, bleibt dabei aber immer noch gerecht. Sie isst nicht einen einzelnen Teller leer, sondern achtet darauf, dass sie „von jedem Tellerlein ein wenig Gemüs und Brot“ nimmt und von „jedem Becherlein einen Tropfen Wein“ trinkt.33 Auch ist Schneewittchen ein frommes Mädchen. Nachdem sie ein Bett gefunden hat, das groß genug für sie ist, schläft sie nicht sofort ein, sondern spricht zuerst noch ein Abendgebet, worin sie sich Gott anbefiehlt.34 Nachdem sie am nächsten Morgen merkt, dass die Zwerge ihr wohlgesonnen sind, lässt sie sich auf einen Handel mit ihnen ein, um das eigene Überleben zu sichern. Schneewittchen verspricht, alle Tätigkeiten im Haushalt zu übernehmen. Sie will „kochen, betten, waschen, nähen und stricken“,35 um im Gegenzug freie Kost und Logis zu erhalten. Schneewittchens Tagesablauf sieht so aus, dass sie tagsüber, wenn die Zwerge ihrer Arbeit nachgehen, den Haushalt führt. Die Zwerge erwarten von ihr, dass abends das Essen bereitsteht, wenn sie von der Arbeit nach Hause kommen.36 Man findet im Märchentext keine Information darüber, dass Schneewittchen sich diesen Anforderungen widersetzt oder sich Gedanken darüber macht, wie sie dieser Situation entkommen kann. Sie scheint zufrieden zu sein; der Leser erfährt nicht, ob sie Pläne für die Zukunft hat.
1. Weibliche Emanzipation im Disney-Märchenfilm? – eine Einleitung: Dieses Kapitel führt in das Thema der Transformation von Märchenfiguren in Disney-Filmen ein und stellt die Forschungsfrage bezüglich der Wandlung von Geschlechterrollen.
2. Helden und Heldinnen in den Grimmschen Märchen: Hier wird der theoretische Rahmen durch die Untersuchung der Darstellung und Rezeption von Protagonisten in den originalen Grimmschen Märchen vor dem Hintergrund des 19. Jahrhunderts gelegt.
3. Die Entwicklung vom konservativen Grimm-Märchen zum emanzipatorisch geprägten Disney-Film: Dieser Hauptteil analysiert konkret die filmische Umsetzung der Märchen und zeigt die Verschiebung von Handlungsmustern, Lebenszielen und Geschlechterrollen auf.
4. Veränderte Weltanschauungen und mögliche Gefahren – ein Ausblick: Das Kapitel reflektiert, inwiefern die neuen Rollenbilder als Konstruktionen der jeweiligen Zeit zu verstehen sind und welche Risiken ein oberflächliches Verständnis von Emanzipation in Filmen birgt.
5. Fazit: Das abschließende Kapitel fasst die zentralen Ergebnisse der Analyse zusammen und bestätigt, dass Disney-Filme erst im 21. Jahrhundert deutliche emanzipatorische Einflüsse bei der Charakterzeichnung zeigen.
Disney-Märchen, Brüder Grimm, Rollenbilder, Weibliche Emanzipation, Schneewittchen, Aschenputtel, Rapunzel, Rollenverständnis, Geschlechterrollen, Filmanalyse, Literaturwissenschaft, Selbstverwirklichung, Märchenheldin, Frauenbewegung, Rollenkonstruktion
Die Arbeit analysiert die Veränderung des Rollenverständnisses von männlichen und weiblichen Märchenfiguren in ausgewählten Disney-Adaptionen im Vergleich zu den Originalen der Gebrüder Grimm.
Zentrale Themen sind die Darstellung von Schönheit und Tugend, das Handeln der Figuren, die Rolle des Retters sowie die Verschiebung von Lebenszielen der Protagonisten.
Die Arbeit untersucht, inwieweit den Märchen ein konservatives Rollenbild zugrunde liegt und wie sich dieses im Zuge der weiblichen Emanzipation in Disney-Filmen über die Jahrzehnte hinweg verändert hat.
Es wird eine literatur- und filmwissenschaftliche Analyse durchgeführt, die die Märchentexte der Brüder Grimm den Disney-Verfilmungen gegenüberstellt und in den gesellschaftlichen Kontext des jeweiligen Entstehungszeitraums setzt.
Der Hauptteil befasst sich detailliert mit dem Wandel von Ausgangssituationen, dem Aussehen, Handlungen, Lebenszielen und der Bedeutung von Nebenfiguren in den Filmen von 1937 bis 2010.
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Märchenadaption, Emanzipation, Rollenbilder, Gender Studies und Disney-Filmanalyse charakterisieren.
Im Gegensatz zur passiven Figur im Grimm-Märchen zeigt Rapunzel im Disney-Film aktiven Willen, Selbstvertrauen und übernimmt selbst die Rolle der Retterin ihres Partners Flynn Rider.
Tiana ist ein Beispiel für ein emanzipiertes Frauenbild, da ihr Lebensziel primär die berufliche Selbstverwirklichung (Restaurantgründung) und wirtschaftliche Unabhängigkeit ist, statt nur auf den Prinzen zu warten.
Männliche Protagonisten werden zunehmend weniger als perfekte, starke Retter dargestellt, sondern weisen oft menschliche Schwächen auf oder werden sogar durch die Heldin gerettet.
Die Autorin kritisiert, dass auch die vermeintlich emanzipierten Frauenbilder in modernen Disney-Filmen oft noch stark sexualisiert sind und somit eher männlichen Fantasien entsprechen als einer realen, umfassenden Emanzipation.
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