Bachelorarbeit, 2012
50 Seiten, Note: 1,7
1. Einleitung
2. Pidgin, Kreol- und Mischsprachen: Der Versuch einer Definition
2.1 Kommunikationssystem Pidgin
2.2 Klassifizierung verschiedener Pidgintypen
2.2.1 Maritime Pidgins
2.2.2 Handelspidgins
2.2.3 Interethnische Kontaktsprachen
2.2.4 Arbeitspidgins
3. Russisch als Staats- und Kolonialsprache
3.1 Klassifikation der Ausbreitungskontexte des Russischen
4. Sprachkontaktforschung russischer Pidgins
5. Russenorsk: Kommunikationssystem im Handel
5.1 Linguistische Strukturen im Russenorsk
5.2 Phonetik des Russenorsk
5.3 Morphologie des Russenorsk
5.3.1 Nomen und Adjektive
5.3.2 Verben
5.4 Syntaktische Strukturen des Russenorsk
5.5 Eine Analyse der präverbialen po Konstruktion im Russenorsk
6. Das sino-russische Handelspidgin von Kjachta
6.1 Linguistische Strukturen des Kjachta Pidgin
6.2 Phonetik des Kjachta Pidgin
6.3 Morphologie des Kjachta Pidgin
6.3.1 Nomen und Adjektive
6.3.2 Pronomen
6.3.3 Verben
6.4 Wortschatz des Kjachta Pidgin
6.5 Syntax des Kjachta Pidgin
7. Tajmyr Pidgin Russian (Govorka)
7.1 Phonetik des Tajmyr Pidgin Russian
7.2 Morphosyntax des Tajmyr Pidgin Russian
7.2.1 Nomen und Adjektive
7.2.2 Pronomen
7.3 Verbsystem
7.4 Syntax
8. Abschließendes Resümee und Ausblick
Die vorliegende Arbeit untersucht das Phänomen russischer Pidginsprachen mit dem Ziel, Ursprung, Entstehung und Sprachtod der drei dokumentierten Varietäten zu bestimmen. Dabei werden die linguistischen Strukturen sowie die historischen Kontexte der Entstehung analysiert.
5.2 Phonetik des Russenorsk
Heutzutage ist es äußerst schwierig, die Aussprache des Russenorsk zu determinieren. Das existierende Material liegt ausschließlich in geschriebener Form vor und orientiert sich an der norwegischen Orthografie, da bedauerlicherweise kaum Material zu russischen Aussprachevarianten vorhanden ist. Die Schreibweise der einzelnen Wörter variiert von Text zu Text und auch die Aussprache ist je nach Sprache und dialektischem Hintergrund der individuellen Sprecher unterschiedlich. Aus einer soziolinguistischen Sichtweise heraus muss man die gesamte Sprache als ein System betrachten und weniger zu erklären versuchen, warum ein Wort im Russenorsk den Auslaut a hat, wo man ein o erwartet (vom Nordrussischen). Erst dann erkennt man eine bestimmte Tendenz zur Systematisierung, z.B. dass Nomen und Adjektive sehr oft eine a Suffigierung aufweisen (Broch, 2008: 393).
In Russenorsk wie auch in Pidgins ganz allgemein verschwinden diejenigen Phoneme, welche nur in einer der beiden Sprachen existieren. Nachstehende Beispiele stammen allesamt aus Broch (2008: 393):
Russisch [x] → Russenorsk [k]: xleb → klæba (Brot)
orex → oreka (Nuss)
Russische Affrikate [tʃ] → Russenorsk [ts]: čaj → tsjaj (Tee)
Im norwegischen Wortschatz existiert keine mn-Kombination am Anfang eines Wortes:
Russisch mnogo li → Russenorsk nogoli, nogli (viel) oder auch mangeli
Die Zusammensetzung von mangeli ist auf das Norwegische mange (viel) und das Russisches li (Interrogativpartikel) zurückzuführen.
1. Einleitung: Die Verfasserin erläutert ihre Motivation und das Ziel, die Ursprünge und den Sprachtod der drei dokumentierten russischen Pidgins zu untersuchen.
2. Pidgin, Kreol- und Mischsprachen: Der Versuch einer Definition: Das Kapitel definiert die theoretischen Grundlagen und grenzt Pidgins von Kreol- und Mischsprachen ab.
3. Russisch als Staats- und Kolonialsprache: Hier wird die koloniale Ausbreitung des Russischen und die damit verbundene Sprachpolitik in verschiedenen Epochen beleuchtet.
4. Sprachkontaktforschung russischer Pidgins: Ein historischer Rückblick auf die Erforschung russischer Pidgins durch westliche Kreolisten.
5. Russenorsk: Kommunikationssystem im Handel: Eine umfassende Analyse der Entstehung, Struktur, Phonetik, Morphologie und Syntax des norwegisch-russischen Pidgins.
6. Das sino-russische Handelspidgin von Kjachta: Untersuchung der Behelfssprache an der russisch-chinesischen Grenze, inklusive linguistischer Analysen von Phonetik und Morphologie.
7. Tajmyr Pidgin Russian (Govorka): Vorstellung der Lingua Franca der indigenen Bevölkerung auf der Tajmyr Halbinsel und deren spezifische morphosyntaktische Besonderheiten.
8. Abschließendes Resümee und Ausblick: Eine abschließende Betrachtung der sozialen Faktoren für das Aussterben von Handelssprachen und ein Ausblick auf zukünftige Forschungsmöglichkeiten.
Russisch, Pidgin, Russenorsk, Kjachta Pidgin, Tajmyr Pidgin Russian, Govorka, Sprachkontakt, Kreolistik, Handelssprache, Sprachkolonialismus, Morphologie, Syntax, Phonetik, Sprachwandel, Soziolinguistik
Die Arbeit befasst sich mit der linguistischen Untersuchung der drei historisch belegten russischen Pidgins: Russenorsk, Kjachta Pidgin und Tajmyr Pidgin Russian.
Die zentralen Felder sind Sprachkontakt, die Entwicklung von Handelssprachen unter spezifischen sozioökonomischen Bedingungen und der Vergleich der linguistischen Strukturen dieser Pidgins.
Das Ziel ist es, anhand vorliegender Forschungsergebnisse den Ursprung, die Entstehung sowie den Sprachtod der drei genannten russischen Pidgins zu determinieren.
Die Arbeit stützt sich auf eine Literaturanalyse bestehender sprachwissenschaftlicher Dokumentationen und Analysen, um die linguistischen Merkmale der Pidgins systematisch darzustellen.
Der Hauptteil widmet sich den detaillierten linguistischen Analysen der drei Pidgins, gegliedert in Phonetik, Morphologie, Syntax und spezifische Merkmale wie die po-Konstruktion im Russenorsk.
Wichtige Begriffe sind Russenorsk, Kjachta Pidgin, Govorka, Sprachkontakt, Kreolistik und Sprachwandel.
Es unterscheidet sich vor allem durch die Beibehaltung bestimmter originaler Verbmorphologien und die Verwendung von Postpositionen wie "место", was es für ein Pidgin untypisch macht.
Das Russenorsk verlor seine Existenzgrundlage durch politische Veränderungen nach Beginn des 20. Jahrhunderts, insbesondere die westliche Orientierung Norwegens und die Gründung der Sowjetunion.
Das "po" entwickelte sich im Russenorsk zu einem präverbialen Partikel mit multifunktionalen Verwendungen, das unter anderem Zeit, Modus und Aspekt ausdrücken konnte.
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