Magisterarbeit, 2013
95 Seiten, Note: 2.0
1. Einleitung
2. Where is my mind?
2.1. Otto Ranks Doppelgänger
2.2. Sigmund Freud und das Unheimliche
2.3. Das Spiegelstadium bei Jacques Lacan
3. Mindgame movies
4. Fight Club
4.1. Der Mann in der Krise
4.2. Auf der Suche nach Kompensation
4.3. Tyler Durden als Ideal-Ich
4.4. Marla: Parasit oder Segen?
4.5. Der brodelnde Keller
4.6. Project Chaos: Rettung durch Selbstzerstörung
5. Shutter Island
5.1. Die unheimliche Psychiatrie
5.2. Die Grenzen zwischen Schein und Sein
5.3. Die Krise – Realität oder Fiktion?
5.4. Patient 67
5.5. Gefangen auf Shutter Island
6. Fazit
Die vorliegende Arbeit untersucht die Konstruktion und Destruktion männlicher Identität in den Filmen "Fight Club" und "Shutter Island" unter tiefenpsychologischen Gesichtspunkten. Ziel ist es zu analysieren, wie traumatische Lebensumstände und ein daraus resultierender Mangel zur Abspaltung der Persönlichkeit in Form von Doppelgängern führen und welche Rolle das Medium Film als Spiegel dieser gesellschaftlichen und psychologischen Krisen spielt.
2.1. Otto Ranks Doppelgänger
Der Psychoanalytiker Otto Rank, ein Schüler Sigmund Freuds, maß dem Zusammenhang zwischen dem Medium Film und der Psychoanalyse bereits sehr früh Aufmerksamkeit bei. Sein Mentor hatte dem Film bisher recht kritisch gegenübergestanden und schien nicht in der Lage zu sein das Potenzial für psychoanalytische Studien zu erkennen. Im Jahr 1914 machte Rank die Studie des Doppelgängers zum Mittelpunkt seiner psychoanalytischen Untersuchungen. Anstoß seines Interesses war die Verfilmung Der Student von Prag (Deutschland 1913). Der Psychoanalytiker interessierte sich hier vor allem für das Motiv des Spiegelbildes im Film, stellte es doch auf eigentümliche Weise einen Doppelgänger des Protagonisten Balduin dar.
Rank war fasziniert von Darstellungen aus der Romantik, welche Spiegelbilder und Schatten als losgelöste Doppelgänger zeigen. Diese werden zu einem eigenständigen Teil, spalten sich vom Ich ab, lehnen sich gegen dieses auf und bekämpfen es sogar teilweise. Laut Rank bedeutet dies, dass sich der abgespaltene Doppelgänger zu einem bestimmten Zeitpunkt, durch einen bestimmten Auslöser, dem Vorbild widersetzt. Als Grund dafür führt er an, dass jeder Mensch mit seiner Vergangenheit unausweichlich verbunden ist. Sollte das Individuum versuchen sich von ihr zu lösen, hat das, so Rank, fatale Folgen. Der Auslöser wird häufig mit der emotionalen Bindung zum weiblichen Geschlecht gleichgesetzt, woraufhin der Protagonist meist in Paranoia oder Verfolgungswahn verfällt. Laut Rank kann der vermeintliche Doppelgänger nur aufgehalten werden, indem er sich auf brutale Art und Weise selbst vernichtet.
1. Einleitung: Die Einleitung definiert das Forschungsinteresse an der Identitätskrise männlicher Protagonisten in Filmen unter Einbeziehung psychoanalytischer Konzepte.
2. Where is my mind?: In diesem Kapitel werden theoretische Grundlagen zu Doppelgängern, dem Unheimlichen und dem Spiegelstadium nach Rank, Freud und Lacan dargelegt.
3. Mindgame movies: Der Begriff der "Mindgame movies" wird definiert und als strukturelles Merkmal für die Analyse der Filme eingeführt.
4. Fight Club: Dieses Kapitel analysiert die Identitätskrise des namenlosen Protagonisten und die Funktion von Tyler Durden als abgespaltenes Ideal-Ich.
5. Shutter Island: Die Identitätsspaltung und der Einsatz von Paranoia sowie Traumata als Schutzmechanismen bei Andrew Laeddis werden detailliert untersucht.
6. Fazit: Das Fazit vergleicht die Ergebnisse beider Filmstudien und fasst die Bedeutung der psychoanalytischen Abspaltung für die männliche Identitätsfindung zusammen.
Männliche Identität, Psychoanalyse, Doppelgänger, Fight Club, Shutter Island, Identitätskrise, Mindgame movies, Trauma, Spiegelstadium, Narzissmus, Schizophrenie, Paranoia, Subjektivität, Projektion, Filmtheorie
Die Arbeit untersucht, wie in den Filmen "Fight Club" und "Shutter Island" männliche Identitätskrisen dargestellt werden und wie sich Protagonisten durch die Erschaffung eines Doppelgängers versuchen, einem tiefgreifenden psychischen Mangel zu entziehen.
Zentrale Themen sind die psychoanalytische Identitätskonstitution, die filmtheoretische Einordnung als "Mindgame movies", die Verarbeitung von Kindheits- und Kriegstraumata sowie das gesellschaftliche Konstrukt der Männlichkeit.
Die Arbeit fragt nach der Art und Weise, wie Identität in diesen Filmen konstruiert und destruiert wird, insbesondere unter Berücksichtigung der Frage: "Bin Ich ein Anderer?"
Die Autorin nutzt eine tiefenpsychologische und filmtheoretische Analyse, wobei sie auf Theorien von Otto Rank, Sigmund Freud und Jacques Lacan zurückgreift, um die psychischen Zustände der Protagonisten zu deuten.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung sowie eine detaillierte Analyse der beiden Filme, unterteilt in Kapitel wie "Der Mann in der Krise", "Tyler Durden als Ideal-Ich" und die Untersuchung der "Paranoia" bei Shutter Island.
Die Arbeit wird durch Begriffe wie "Identitätskrise", "Doppelgänger", "Spiegelstadium", "Trauma", "Schizophrenie" und "Projektion" maßgeblich bestimmt.
Marla wird als Störfaktor und weibliches Pendant analysiert, das den Protagonisten mit seiner eigenen Lüge und Identitätslosigkeit konfrontiert und somit eine Schlüsselfunktion in der Spiegelbeziehung übernimmt.
Während "Fight Club" eine eher positive Transformation durch die Konfrontation mit dem Alter Ego nahelegt, bleibt die Entwicklung in "Shutter Island" düsterer, da der Protagonist an der Erkenntnis der Realität zu zerbrechen droht und die Auflösung der Spiegelbeziehung offen bleibt.
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