Bachelorarbeit, 2010
35 Seiten, Note: 1,6
I. Einleitung
II. Einführung der Figur – Die Blutstropfenszene und die Anklage durch Kingrimursel
2.1 Gauvain und Gawan – zwei Einführungen mit unterschiedlichen Schwerpunkten
2.2 strît und wîsheit: Gawans Selbstaussage
III. Das siebte Buch – Der Kampf um Bearosche
3.1 Gedanken und Entscheidungen: Wie Gawan denkt und Entscheidungen trifft
3.2 Perspektiven und Dialoge: Informationen über Gawan durch Gespräche
3.2.1 Erzählperspektive – Erzählerkommentare zu Gawan
3.2.2 Der Dialog mit dem Knappen – Gespräche als Mittel zur Informationsbeschaffung
3.2.3 Der Dialog der Schwestern – Wie Gawan wirkt
3.2.4 Die Reaktion auf Obies erste Anschuldigung – Gawans Zorn
3.2.5 Scherules erkennt Gawan als Ritter – Äußerlichkeiten als Hinweis auf den Status Gawans
3.3 Kampfmotivation – warum Gawan doch am Kampf teilnimmt
3.3.1 Gawan und Obilot – Der Dienst für die kleine Minnedame als Anlass zum Kampf
3.3.2 Der Rollentausch Obilots und Gawans als Gawans Möglichkeit zum Kampf
3.4 Friedensstiftung: Gespräch statt Kampf
3.5 Gauvain in Tintaguel – Ein Vergleich
IV. Fazit
Die vorliegende Arbeit untersucht die Gestaltung der Figur Gawan im siebten Buch von Wolframs "Parzival", wobei der Fokus auf der Analyse seines Verhaltens, seiner Entscheidungsprozesse und seiner Kommunikation im Vergleich zur literarischen Vorlage von Chretien de Troyes liegt.
2.2 strît und wîsheit: Gawans Selbstaussage
Der strît, der Kampf, spielt im höfischen Kontext eine unabdingbar wichtige Rolle. Durch gewonnene Kämpfe erlangt der Ritter prîs und ere, nicht nur für sich, sondern auch für den Hof seines Herrn. Allerdings versucht Gawan immer dem Kampf, wenn er nur durch Ehrgewinn motiviert ist, aus dem Weg zu gehen bzw. diesen zu vermeiden. Dieses Verhalten eines Ritters – vor allem einen mit dem Ruf Gawans – ist doch eher seltsam. Erstmals zeigt sich dies in der Blutstropfenszene und ist ein immer wiederkehrendes Motiv. So ist es denn von höchstem Interesse gerade in Bezug auf die Gestaltung der Gawan-Figur, auf deren Verhältnis zum strît einzugehen.
Ebenso wichtig ist der Begriff der wîsheit. Klugheit, Verstand, Erfahrung – so können mögliche Übersetzungen lauten. Scheuer meint zu diesem Begriff: „Denn wîsheit […] zielt vor allem auf die Frage nach der intensivierten Wahrnehmungsweise der Sinne und nach dem Umgang mit den so zustande kommenden inneren Bildern [ab].“ Was bedeutet dies nun in Bezug auf Gawan und seine Selbstaussage bzw. sein Handeln? Bis jetzt folgendes: Schaut man sich Gawans Wahrnehmung in der Blutstropfenszene erneut an, so stellt man fest, dass er die Geschehnisse ganz anders wahrnimmt als z.B. Keie oder Segramors. Die beiden sehen den gewappneten unbekannten Ritter, der weder auf ihr Ankommen, noch ihre Ansprache reagiert. Daraufhin greifen sie an. Gawans Interpretation geht allerdings viel weiter. Er sieht den unbekannten Ritter, beobachtet sein Verhalten und folgt seinem Blick. Gawan erkennt die Versunkenheit in das Bild der drei Tropfen und diese Erkenntnis lässt ihn inne halten und nicht zum Kampf ansetzen, was ihm ohne Waffen auch nicht gut bekommen wäre. Der in sich versunkene Parzival erweckt in Gawan die Erinnerung an eine ähnliche Begebenheit, die er selbst erlebte. Diese Verbindung herzustellen zwischen äußerem Eindruck und eigener Erinnerung bezeichnet das, worauf Scheuer hinauswill: durch die intensivierte Wahrnehmungsweise und die so zustande kommenden Bilder entsteht – als Konsequenz – reflektiertes und überlegtes Handeln. Das ist wîsheit.
I. Einleitung: Die Einleitung stellt die Bedeutung Gawans als zweiten Haupthelden in Wolframs "Parzival" heraus und definiert das Ziel der Arbeit, seine Figurengestaltung im siebten Buch zu untersuchen.
II. Einführung der Figur – Die Blutstropfenszene und die Anklage durch Kingrimursel: Dieses Kapitel analysiert Gawans ersten aktiven Auftritt in der Blutstropfenszene und zeigt sein von Klugheit und Zurückhaltung geprägtes Ritterbild im Kontrast zu anderen Artusrittern.
III. Das siebte Buch – Der Kampf um Bearosche: Der Hauptteil untersucht detailliert Gawans Handlungen in Bearosche, wobei Dialoge, Kampfmotivationen und seine Rolle als Friedensstifter im Zentrum stehen.
IV. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass Gawan ein idealisiertes Ritterbild verkörpert, das Kampf durch Diplomatie und reflektiertes Handeln ergänzt, um Harmonie in gesellschaftliche Systeme zu bringen.
Gawan, Parzival, Wolfram von Eschenbach, Rittertum, Bearosche, strît, wîsheit, Obilot, Minne, Friedensstiftung, Figurengestaltung, Artusritter, Erzählperspektive, Chretien de Troyes, literarischer Vergleich.
Die Hausarbeit widmet sich der detaillierten Analyse der Figur Gawan im siebten Buch von Wolframs "Parzival" und untersucht, wie Wolfram sein Bild des Artusritters gegenüber anderen Darstellungen profiliert.
Im Zentrum stehen Gawans Verhalten in Konfliktsituationen, seine spezifische Kampfmotivation, die Bedeutung seiner Kommunikation sowie der Vergleich seiner Darstellung mit der Vorlage von Chretien de Troyes.
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Wolfram Gawan als einen "weisen" Ritter gestaltet, der Probleme primär durch Verstand und diplomatisches Geschick anstatt durch ungefilterte Kampfeslust löst.
Die Arbeit nutzt eine textanalytische Vorgehensweise, bei der Gawan-relevante Szenen und Dialoge im siebten Buch interpretiert und mit Sekundärliteratur sowie der Chretien-Vorlage abgeglichen werden.
Der Hauptteil analysiert Gawans Gedankenwelten, seine Dialoge mit Nebenfiguren wie dem Knappen oder Obilot sowie seine Rolle als Friedensstifter in der Episode um Bearosche.
Besonders prägend sind die Begriffe Gawan, Rittertum, strît (Kampf), wîsheit (Klugheit) und Friedensstiftung.
Gawan kämpft für Obilot, weil er sich den Werten von Minne und dem Schutz von Frauen verpflichtet fühlt und dies als moralisch begründeten Anlass für sein Handeln sieht, um die gesellschaftliche Ordnung wiederherzustellen.
Die Anonymität fungiert für Gawan als Schutzschild, der es ihm ermöglicht, Beobachtungen anzustellen und Konflikte zu steuern, ohne durch seinen eigenen Ruhm oder externe Erwartungen sofort in Kampfhandlungen verwickelt zu werden.
Der GRIN Verlag hat sich seit 1998 auf die Veröffentlichung akademischer eBooks und Bücher spezialisiert. Der GRIN Verlag steht damit als erstes Unternehmen für User Generated Quality Content. Die Verlagsseiten GRIN.com, Hausarbeiten.de und Diplomarbeiten24 bieten für Hochschullehrer, Absolventen und Studenten die ideale Plattform, wissenschaftliche Texte wie Hausarbeiten, Referate, Bachelorarbeiten, Masterarbeiten, Diplomarbeiten, Dissertationen und wissenschaftliche Aufsätze einem breiten Publikum zu präsentieren.
Kostenfreie Veröffentlichung: Hausarbeit, Bachelorarbeit, Diplomarbeit, Dissertation, Masterarbeit, Interpretation oder Referat jetzt veröffentlichen!

