Magisterarbeit, 2007
110 Seiten, Note: 2
1 Einleitung
2 Allgemeine Grundlagen des Pressewesens
2.1 Funktionen der Massenmedien
2.1.1 Politische Aufgaben
2.1.2 Gesellschaftliche Aufgaben
2.2 Voraussetzungen des Pressewesens
2.2.1 Meinungsfreiheit, Informationsfreiheit und Pressefreiheit
2.2.2 Redaktionsgeheimnis
2.2.3 Gegendarstellung
2.2.4 Wirtschaftliche Zwänge
2.3 Textsorten der Zeitung
2.3.1 Hauptformen der Informationswiedergabe aus journalistsicher Sicht
2.3.2 Hauptformen der Informationswiedergabe aus linguistischer Sicht
2.4 Die Frage der Objektivität
3 Grundlagen der Analyse
3.1 Untersuchungsgegenstand
3.2 Thematische Einordnung
3.2.1 Pressekritik als Ausdrucks- und Stilkritik
3.2.2 Pressekritik als Inhalts- und Ideologiekritik
3.2.3 Pressekritik als Textkritik
3.2.4 Pressekritik als Kritik pressespezifischer Darstellungsformen
3.2.5 Pressekritik als kritische Kommunikationsanalyse
3.3 Eigene Vorgehensweise
4 Analyse
4.1 Günter Grass und die Waffen-SS
4.1.1 Frankfurter Allgemeine Zeitung
4.1.2 Frankfurter Rundschau
4.1.3 Süddeutsche Zeitung
4.1.4 Die Welt
4.1.5 Die Tageszeitung
4.1.6 Fazit
4.2 Peter Handke und der Heine-Preis
4.2.1 Frankfurter Allgemeine Zeitung
4.2.2 Frankfurter Rundschau
4.2.3 Süddeutsche Zeitung
4.2.4 Die Welt
4.2.5 Die Tageszeitung
4.2.6 Fazit
5 Fazit
Die Arbeit untersucht, wie verschiedene überregionale Tageszeitungen öffentliche Kontroversen darstellen und welche informativen Sichtweisen sie dabei erzeugen. Das primäre Ziel ist es, am Beispiel der Debatten um Günter Grass' Waffen-SS-Mitgliedschaft und die Vergabe des Heine-Preises an Peter Handke zu zeigen, wie Zeitungen durch unterschiedliche Informationspolitik und Schwerpunktsetzung ein jeweils spezifisches Gesamtbild eines Ereignisses konstruieren.
Die Frage der Objektivität
Dieses Zitat Kaspar Stielers aus dem Jahr 1695 macht deutlich, dass die Diskussion um die Objektivität der Presse schon sehr lange besteht. Allerdings war zur Zeit Stielers die offene Meinungsäußerung in Zeitungen nicht nur verpönt, sondern durch staatliche Zensur verboten. Erst im 18. Jahrhundert kam es, einhergehend mit der Verbreitung der Aufklärung, zu verstärkten Meinungsäußerungen in der Presse. Durch „Überzeugen“, „Abwägen und Argumentieren“ sollte das oberste Ziel der Aufklärung, ein Höchstmaß an Vernunft im Handeln, erreicht werden. Mittlerweile hat sich die Forderung nach einer Trennung von Nachricht und Meinung etabliert. Die sogenannte Trennungsnorm wird vor allem damit begründet, dass nur dadurch das oberste Ziel der Berichterstattung, die selbständige, freie Meinungsbildung der Leser, verwirklicht werden kann.
Die strikte Trennung von Nachricht und Meinung ist aber ebensowenig möglich wie die Abbildung der Realität in einem Beitrag, was u.a. von Günter Bentele gefordert wird. Nelson Goodman weist hier auf die vielfältigen möglichen Darstellungsweisen hin, weshalb „die Unterscheidung zwischen wahr und falsch längst nicht [hinreichend ist], um den generellen Unterschied zwischen richtigen und falschen Versionen zu kennzeichnen.“
Journalistische Medien können nicht völlig neutral über Ereignisse berichten. Sie müssen sich immer für eine Interpretation entscheiden, die durch die Kombination unterschiedlicher Faktoren entsteht. Allein durch den Zwang zur Auswahl, dem Nachrichtenagenturen und Redakteure aufgrund der Fülle der Informationen unterliegen, ist objektive Berichterstattung nicht möglich. Kaupp spricht hier von „Torhütern“ oder „Schleusenwärtern“, die „dem unablässigen dichten Strom der Informationen“ gegenüberstehen und erstens entscheiden, welche Informationen für die Leser interessant sein könnten, und zweitens, mit welcher Ausführlichkeit diese Informationen behandelt werden. Im Einzelfall lässt sich natürlich nicht nachprüfen, ob die Ursache für die Auswahl in erster Linie im begrenzten Raum oder in der Bevorzugung bzw. Ablehnung bestimmter Aussagen zu sehen ist.
1 Einleitung: Die Einleitung definiert das Ziel der Arbeit, anhand zweier Fallstudien die unterschiedliche Berichterstattung von Tageszeitungen zu untersuchen und die dahinterliegenden informationspolitischen Strategien aufzudecken.
2 Allgemeine Grundlagen des Pressewesens: Dieses Kapitel erläutert die Funktionen und Aufgaben der Massenmedien sowie die Bedingungen des Pressewesens, einschließlich der journalistischen Textsorten und der Problematik der Objektivität.
3 Grundlagen der Analyse: Hier wird der Untersuchungsgegenstand eingegrenzt, der methodische Rahmen der kritischen Kommunikationsanalyse nach Bucher dargelegt und die eigene Vorgehensweise bei der Materialauswahl und -auswertung beschrieben.
4 Analyse: Das Kapitel widmet sich der detaillierten Untersuchung der Berichterstattung zu den Fällen Günter Grass und Peter Handke in fünf ausgewählten Tageszeitungen, wobei Gemeinsamkeiten und Unterschiede der jeweiligen Informationspolitik analysiert werden.
5 Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen, bestätigt die Bedeutung der medialen Informationspolitik bei der Konstruktion öffentlicher Sichtweisen und betont die Notwendigkeit einer kritischen Medienkompetenz auf Seiten des Lesers.
Berichterstattung, Tageszeitungen, Massenmedien, Kontroversen, Informationspolitik, Objektivität, Pressekritik, Textsorten, Kommunikationsanalyse, Manipulation, Günter Grass, Peter Handke, Meinungsbildung, Medienkritik, Diskursanalyse
Die Arbeit analysiert, wie fünf überregionale deutsche Tageszeitungen über zwei spezifische Kontroversen (Günter Grass und Peter Handke) berichteten, um Mechanismen der Informationspolitik und Meinungsbildung in der Presse offenzulegen.
Die Themenfelder umfassen die journalistische Informationsvermittlung, das Spannungsfeld zwischen Objektivitätsanspruch und unvermeidbarer Subjektivität sowie die strategische Konstruktion von Wirklichkeit durch sprachliche und redaktionelle Mittel.
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Zeitungen durch spezifische Auswahl- und Darstellungsstrategien unterschiedliche „Realitäten“ oder Sichtweisen zu ein und demselben Ereignis erzeugen können.
Die Autorin stützt sich auf die Methode der kritischen Kommunikationsanalyse nach Hans-Jürgen Bucher, ergänzt durch textlinguistische Ansätze, um die „Formen des Berichtens“ und die informationspolitischen Muster in den Pressetexten zu untersuchen.
Im Hauptteil (Kapitel 4) erfolgt die konkrete Analyse der Berichterstattung über Günter Grass (SS-Mitgliedschaft) und Peter Handke (Heine-Preis) in FAZ, FR, SZ, taz und Die Welt, jeweils aufgeschlüsselt nach Zeitung und Kontroverse.
Zentrale Begriffe sind Informationspolitik, Berichterstattung, Pressekritik, Manipulationsvorwürfe, Meinungsvielfalt und die Rolle des Rezipienten als kritischer Leser.
Die FAZ wird als besonders ausführlich und in ihrer Ausgewogenheit differenzierter beschrieben, da sie durch das exklusive Interview mit Grass einen Vorteil hatte und die Reaktionen im Ausland sehr detailliert abbildete.
Die Süddeutsche Zeitung fällt dadurch auf, dass sie sich explizit gegen die Einmischung des Stadtrats ausspricht und den Schriftsteller Handke gegen die Vorwürfe seiner Kritiker verteidigt, was einen deutlichen Kontrast zur Berichterstattung der FR darstellt.
Sie beschreibt soziale Muster in der Presseberichterstattung, die das Resultat journalistischen Handelns sind, aber nicht notwendigerweise auf einer zentralen, bewussten Planung oder Verschwörung basieren, sondern als logisches Ergebnis von Konkurrenz und organisatorischen Abläufen entstehen.
Sie schlussfolgert, dass objektive Berichterstattung in einem einzelnen Medium nicht möglich ist, da jede Redaktion selektiert und interpretiert. Der Leser ist daher in der Verantwortung, durch den Vergleich mehrerer Quellen ein eigenes, kritisches Bild zu gewinnen.
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