Forschungsarbeit, 2012
37 Seiten, Note: 1,0
1. Einleitung
2. Andreas Reckwitz und die Theorie der Subjektkulturen der Moderne
2.1. Das moralisch-souveräne Allgemeinsubjekt
2.1.1 Praktiken bürgerlicher Selbstregierung
2.1.2 Die bürgerliche Intimsphäre
2.2 Das expressive Individualsubjekt
2.2.1 Die romantische Intimsphäre
2.3 Das kulturelle Andere: Das artifizielle, exzessive und parasitäre Adelssubjekt
3. Jane Eyre als individuelles Subjekt im Spannungsfeld zwischen bürgerlicher und romantischer Subjektkultur
3.1 Janes romantische Dispositionsstruktur und die Konfrontation mit der bürgerlichen Umwelt
3.2 Janes Weg zur souveränen Selbstregierung durch die Auseinandersetzung mit zwei Rollenmodellen
3.2.1 Helen Burns: das disziplinhungrige, masochistische „Demutssubjekt“ auf der Suche nach Erfüllung im Jenseits
3.2.2 Ms. Temple: das bürgerliche „Idealsubjekt“, das sich durch eine systematische Kontrolle von Körper und Geist auszeichnet
3.2.3 Janes Anpassung an bürgerliche, disziplinorientierte Verhaltensweisen zum Wohlgefallen Anderer
3.3 Janes Beziehung zu dem Adligen Edward Rochester unter bürgerlichen und romantischen Aspekten
3.3.1 Zur Dispositionsstruktur von Edward Rochester
3.3.2 Das „beruhigend-interessant Ähnliche“: der bürgerliche Code der Freundschaft zwischen Jane und Rochester
3.3.3 Das „faszinierend Andere“: der romantische Liebescode zwischen Jane und Rochester
3.3.4 Die Gefahren für die bürgerlich-romantische Liebesinteraktion zwischen Jane und Rochester unter den Bedingungen von Thornfield Hall
3.3.5 Janes Rückkehr und die Hybridisierung beider Liebeskonzeptionen unter radikal veränderten Bedingungen in Ferndean
4. Schlussbetrachtung
Die vorliegende Arbeit untersucht Charlotte Brontës Roman Jane Eyre als Spiegelbild der bürgerlichen und romantischen Subjektkultur nach der Theorie von Andreas Reckwitz. Dabei wird analysiert, wie die Protagonistin Jane Eyre durch die Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Rollenmodellen und ihre Liebesinteraktion mit Edward Rochester einen individuellen Weg zwischen diesen beiden Kulturmustern findet.
3.3.2 Das „beruhigend-interessant Ähnliche“: der bürgerliche Code der Freundschaft zwischen Jane und Rochester
Nach einigen Monaten auf Thornfield Hall beginnt Jane unter der Eintönigkeit des dortigen Lebens zu leiden (vgl. JE 129). Dies ändert sich jedoch schlagartig, als sie eines Nachmittags bei einem Spaziergang einem gestürzten Reiter zu Hilfe kommt (vgl. JE 133) und noch am gleichen Abend feststellt, dass dieser Reiter ihr Arbeitgeber Edward Rochester ist, der von seiner langen Reise zurückkehrte. Jane wird nun jeden Abend zu ihm gerufen, um ihm am Kamin Gesellschaft zu leisten. Während sie ihn zunächst noch als „changeful and abrupt“ (JE 149) sieht, ist sie bald von seiner Ausdruckskraft und seiner offenen Art fasziniert (vgl. JE 158). Auch Rochester ist überrascht von Janes Schlagfertigkeit (vgl. JE 154) und es erstaunt ihn, wie direkt und ehrlich sie auf seine Fragen reagiert („Do you think me handsome? – No, sir“, JE 154). Obwohl er wesentlich älter als Jane ist, einen Erfahrungsvorsprung besitzt und dem Adel angehört, insistiert Jane auf seine Ebenbürtigkeit, womit sie in Rochester eine gewisse Neugierde und Bewunderung weckt (vgl. JE 157).
Janes rücksichtsvolle Aufmerksamkeit, ihre Verschwiegenheit und ihr „peace of mind“ (JE 158) veranlassen Rochester dazu, sich ihr gegenüber mehr und mehr zu öffnen. Schon kurz darauf entwickelt sich daraus gegen alle konventionellen Üblichkeiten ein intimes, freundschaftliches Vertrauensverhältnis. Die Gespräche sind für beide von großem Nutzen: Rochester berichtet Jane über sein Leben wie auch seine vergangenen Liebschaften und teilt ihr seine innersten Empfindungen und Gedanken mit (vgl. JE 165ff). Er findet in ihr „eine gute Zuhörerin, die konstruktive und ehrlich gemeinte Ratschläge gibt“ (Katz 205). Und auch Jane dienen die Gespräche einer Erweiterung ihres Wissens und der Abwechslung, nach der sie sich bislang immer so gesehnt hatte (vgl. JE 171).
1. Einleitung: Die Einleitung skizziert den gesellschaftlichen Wandel des 19. Jahrhunderts und stellt die theoretische Basis (Andreas Reckwitz) sowie die Forschungsfrage der Arbeit vor.
2. Andreas Reckwitz und die Theorie der Subjektkulturen der Moderne: Dieses Kapitel erläutert die Grundzüge der bürgerlichen sowie der romantischen Subjektkultur und stellt die Merkmale der aristokratischen Kultur als Gegenpol dar.
3. Jane Eyre als individuelles Subjekt im Spannungsfeld zwischen bürgerlicher und romantischer Subjektkultur: Der Hauptteil analysiert Janes Entwicklung, ihre Auseinandersetzung mit Rollenmodellen sowie ihre komplexe Beziehung zu Rochester vor dem Hintergrund der definierten Subjektkulturen.
4. Schlussbetrachtung: Die Schlussbetrachtung resümiert, dass Jane Eyre erfolgreich als hybride Konstruktion bürgerlicher und romantischer Subjekthaftigkeit gelesen werden kann.
Jane Eyre, Andreas Reckwitz, bürgerliche Subjektkultur, romantische Subjektkultur, Subjektivierung, Intimsphäre, Identität, Liebeskonzeption, Hybridisierung, Individualität, bürgerliche Moderne, Romantik, Edward Rochester, Geschlechterrollen, Selbstregierung.
Die Arbeit untersucht den Roman Jane Eyre von Charlotte Brontë unter Verwendung der kulturwissenschaftlichen Theorie von Andreas Reckwitz, um zu zeigen, wie die Protagonistin zwischen bürgerlichen und romantischen Idealen navigiert.
Die zentralen Felder sind die Definition und Abgrenzung bürgerlicher und romantischer Subjektkulturen, die Bedeutung der Intimsphäre sowie die Frage nach weiblicher Emanzipation und Identitätsbildung im 19. Jahrhundert.
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, dass Jane Eyre als Spiegelbild bürgerlicher und romantischer Subjektkultur gesehen werden kann und die Protagonistin einen individuellen Weg zwischen diesen Kulturen beschreitet.
Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Analyse, die den Primärtext Jane Eyre mit dem theoretischen Rahmen des Werks "Das hybride Subjekt" von Andreas Reckwitz verknüpft.
Der Hauptteil analysiert Janes Entwicklung in Lowood, ihre Konfrontation mit Rollenmodellen wie Helen Burns und Ms. Temple sowie die komplexe Liebesinteraktion mit Edward Rochester.
Wichtige Begriffe sind insbesondere Hybridisierung, bürgerliche Moderne, romantische Subjektkultur, Selbstregierung, Leidenschaft, Identität und Liebescode.
Helen Burns dient als Beispiel für eine religiös-masochistische Demutshaltung, während Ms. Temple als "Idealsubjekt" der bürgerlichen Selbstkontrolle Jane zeigt, wie sie durch diszipliniertes Verhalten mehr Gestaltungsspielraum im viktorianischen Patriarchat gewinnen kann.
Die Beziehung vereint Elemente der bürgerlichen Freundschaftsliebe (Seelenverwandtschaft, Kommunikation) mit Merkmalen der romantischen Liebe (Leidenschaft, exklusive Bindung), was eine individuelle Zwischenform darstellt.
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