Seminararbeit, 2013
68 Seiten, Note: 1,3
Philosophie - Praktische (Ethik, Ästhetik, Kultur, Natur, Recht, ...)
1 Der Nutzen des Philosophierens für Kinder
2 Die akademische Philosophie und das PmK
3 Die genetische Pädagogik und das philosophisch Gespräch
4 Sachanalyse: Das Glück
4.1 Klassisch-antikes Glücksverständnis von Aristoteles: Die Nikomachische Ethik
4.2 Hellenistische Schulen und ihr Glücksauffassungen
4.2.1 Epikurs Hedonismus
4.2.2 Stoische Eudaimonielehre
4.3 Die Glückskonzeption nach Kant
4.4 Glück im Utilitarismus
5 Die praktische Umsetzung zweier philosophischer Gespräche
5.1 Philosophisches Gespräch in einer 2. Klasse (J.L.)
5.2 Philosophisches Gespräch in einer 4. Klasse (A.F.)
6 Zusammenfassung und Fazit
Die vorliegende Seminararbeit verfolgt das Ziel, die Eignung und praktische Umsetzung philosophischer Gespräche mit Grundschulkindern am Beispiel des Themas „Glück“ zu untersuchen. Im Zentrum steht dabei die Forschungsfrage, wie Kinder philosophieren, welche methodischen Voraussetzungen sowohl für die Schüler als auch für die Gesprächsleitung notwendig sind und wie sich philosophische Reflexionsprozesse in der Grundschule produktiv gestalten lassen.
Die genetische Pädagogik und das philosophisch Gespräch
Die genetische Pädagogik Wagenscheins ist mit dem PmK eng verbunden. Schließlich beeinflusst die Pädagogik die Entwicklung – das Werden – des Kindes, welches in seinem Lernumfeld die Welt erkunden und verstehen lernt. Somit erweitert es aufgrund des pädagogischen Einflusses des Lehrers sein Wissen und entfaltet mit diesem wiederum seine eigene Persönlichkeit. Im Besonderen trägt die sokratische Methode für „das Erwachen geister Kräfte“ (Wagenschein 2010: 75) des Kindes bei. Da sich das sokratische Verfahren wegen der kindlichen Weltsicht und seinen Vorerfahrungen zwangsweise auf exemplarische Themen beschränken muss, ist das genetisch-sokratisch-exemplarische Gesprächsverfahren beim PmK wirksam, trotz prägnantem Schwierigkeitsfaktor aufgrund der Müßigkeit seitens der Kinder, die sich zu Beginn mit der Kommunikations- und Argumentationsweise oft schwer tun. Dass der genetische Lehrgang nicht planbar ist, erleichtert diese Problematik nicht:
Ein Programm kann sich zwar auf mehrere vorgeplante Wege verzweigen, aber es kann nie die unvorhersehbare und fließende, kontinuierliche Fülle der Möglichkeiten vorsehen, die ein streng sokratisches Gespräch in einer wachen und in sich koordinierten Gruppe zutage bringt. Auch an welchen Weg-Wendungen der Lehrer etwas sagen wird, kann er nicht vorher wissen. Denn Kinder, wenn ihr Denken erwacht ist, denken überraschend und meist auch überraschend gut. (ebd.: 98)
Demnach ist es für die Lehrkraft bzw. dem Gesprächsleiter des genetischen Lehrganges wichtig sich über die Qualitäten des genetischen Lehrens bewusst zu werden: Das Gespräch muss die Alltags- bzw. Vorerfahrungen wie auch die Umwelt der Kinder berücksichtigen. Nur so kann sich das Kind in das Gespräch ‚einwurzeln‘ und so produktiv, kreativ und kritisch denkend die Formatio – allgemeine Bildung des Menschen – erwerben. Folglich ist der Lehrgang so aufgebaut, dass die Kinder zunächst produktiv Denken, um einen problematischen Sachverhalt zu klären und eine Lösung für diesen zu finden, und diese wiederum kritisch zu reflektieren und zuletzt auf deren Umsetzung und Wirksamkeit hin zu überprüfen. Nur so macht das Kind Gebrauch „von der angeborenen Denke- und Lernlust“ (ebd.: 113), was für die Wirkungskraft des genetisch-sokratischen Lehrganges wichtig ist.
1 Der Nutzen des Philosophierens für Kinder: Untersuchung der historischen und pädagogischen Argumente für das Philosophieren mit Kindern, insbesondere zur Förderung von argumentativen und kommunikativen Kompetenzen.
2 Die akademische Philosophie und das PmK: Differenzierung zwischen akademischer und elementarer Philosophie sowie Erläuterung der Bedeutung geisteswissenschaftlicher Instrumente wie Phänomenologie und Hermeneutik im Bildungsprozess.
3 Die genetische Pädagogik und das philosophisch Gespräch: Darstellung der engen Verknüpfung von Wagenscheins Pädagogik und dem PmK, mit Fokus auf die Rolle des Gesprächsleiters als indirekter Impulsgeber.
4 Sachanalyse: Das Glück: Chronologische Aufbereitung philosophischer Glückskonzeptionen von Aristoteles über Epikur und Stoa bis zu Kant und dem Utilitarismus als notwendige inhaltliche Vorbereitung.
5 Die praktische Umsetzung zweier philosophischer Gespräche: Detaillierte Analyse und Reflexion von philosophischen Gesprächsversuchen zum Thema „Glück“ in einer 2. und einer 4. Grundschulklasse.
6 Zusammenfassung und Fazit: Synthese der Ergebnisse hinsichtlich der Anforderungen an Lehrkräfte und Schüler sowie Empfehlungen für eine gelingende Gesprächskultur im Unterricht.
Philosophieren mit Kindern, PmK, Glück, Aristoteles, Epikur, Stoa, Kant, Utilitarismus, genetische Pädagogik, philosophisches Gespräch, Argumentationskompetenz, Gesprächsführung, Urteilsfähigkeit, Grundschule, Ethikunterricht.
Die Arbeit befasst sich mit der theoretischen Einbettung und der praktischen Anwendung der Methode des Philosophierens mit Kindern (PmK) in Grundschulen, konkret am Beispiel des komplexen Begriffs „Glück“.
Neben der allgemeinen Didaktik des Philosophierens bilden die philosophische Ideengeschichte zum Glücksbegriff sowie die Analyse konkreter Unterrichtsprotokolle aus einer 2. und 4. Klasse die Schwerpunkte.
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Kinder philosophische Themen erfassen, welche methodischen Werkzeuge dabei hilfreich sind und wie Lehrkräfte durch geschickte Moderation Lernprozesse unterstützen können, ohne das kindliche Denken zu stark zu beeinflussen.
Die Autoren nutzen eine Kombination aus theoretischer Literaturanalyse (Fachdidaktik und Philosophiegeschichte) und einer empirisch orientierten Gesprächsanalyse der transkribierten Unterrichtsdebatten.
Der Hauptteil gliedert sich in eine fachliche Sachanalyse zum Glücksbegriff (Antike bis Moderne) und eine detaillierte Auswertung von Gesprächsprotokollen, in denen Schüler versuchen, Fragen wie „Können Pflanzen glücklich sein?“ zu beantworten.
Wichtige Begriffe sind Philosophieren mit Kindern, Glücksbegriff, Eudaimonie, Hedonismus, Argumentationskompetenz und didaktische Gesprächsführung.
Sie betonen die Notwendigkeit der Zurückhaltung. Der Lehrer soll „soufflierende“ Funktionen vermeiden und stattdessen durch gezielte, indirekte Fragen das selbstständige Denken und die Argumentationskraft der Kinder fördern.
Das Staunen wird als zentraler Ausgangspunkt für philosophische Fragen identifiziert. Es hält das Denken in Bewegung und verhindert, dass Kinder durch voreilige Antworten der Erwachsenen in ihrer intellektuellen Entwicklung stagnieren.
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