Bachelorarbeit, 2013
78 Seiten, Note: 1,3
Einleitung
I. Das Umfeld der Debatte: Rassismus, Kolonialismus, Nationalismus und Geschlecht
1.1 Rassismus und Wissenschaft im Europa des 18. Und 19. Jh.
1.1.1 Die „Verwissenschaftlichung“ des Rassenbegriffs
1.1.2 Das Bild des Schwarzafrikaners in der europäischen Öffentlichkeit des 18. Jh.
1.2 Die europäische Kolonialpolitik bis zum Vorabend des Ersten Weltkrieges
1.2.1 Die „Zivilisierungsmission“
1.2.2 Die Politik der Dissimilation
1.3 Eugenik
1.3.1 Biologismus und bürgerliche Gesellschaft
1.3.2 Kolonialismus und Eugenik
1.3.3 Militarismus und Eugenik
1.4 Nationalismus und Militarismus
1.4.1 Die „Geburtenfrage“
1.4.2 Nationalismus und Militarismus im Deutschen Reich
1.4.3 Nationalismus und Militarismus im Frankreich der III. Republik
1.5 Die französischen kolonialen Truppen zwischen 1914 und 1918
1.5.1 Zahlen und Zusammensetzung
1.5.2 Rekrutierung
II. Der „Aufruf der 93“ und die „Schwarze Schande“: die deutsche Vision vom „Ende des Abendlandes“
2.1 Völkerrecht und Kolonialtruppendiskussion
2.1.1 Kurze geschichtliche Skizze des Völkerrechts
2.1.2 Stellung und Bewertung der Kolonialtruppen durch das Völkerrecht
2.1.3 Deutsche Intervention in der Frage der Kolonialtruppen
2.2 Der „Aufruf der 93“: ein Appell an die Kulturwelt!
2.2.1 Das politische Manifest
2.2.2 Das „Manifest der 93“: Autorenschaft, Ziele und Inhalt
2.2.3 Die Reaktion des Auslands
2.3 Die „Schwarze Schande“: Propaganda gegen die Besatzung des Rheinlandes
2.3.1 Die Rheinlandbesatzung durch Frankreich – Ursache, Verlauf, Auswirkungen
2.3.2 Die Akteure der „Schwarze Schande“
2.3.3. Die „Schwarze Schande“
III. „Grande nation“ und „Force noire“: Frankreichs „zivilisatorische Mission“
3.1 „La culture coloniale“ – Selbstverständnis einer kolonialen Macht
3.1.1 Das zivilisatorische Sendungsbewusstsein der „grande nation“ in seine Kolonien
3.1.2 Kolonialer Alltag in Frankreich – zur kolonialen Durchdringung der französischen Gesellschaft
3.2 Die „Force noire“ des Generals Mangin
3.2.1 Von der Person des Generals Mangin
3.2.2 Konzept der Force noire
3.2.3 Kritik des Einsatzes kolonialer Soldaten in Frankreich am Beispiel der Force noire
3.3 Französische Antworten auf die „Schwarze Schmach“
3.3.1 Die „Weiße Schande“
3.3.2 Die militärische und kulturelle Aufwertung der „Tirailleurs sénégalais“
3.3.3 Die Wahrnehmung der Kolonialsoldaten als einzelne Individuen
Zusammenfassung und Ausblick
Die Arbeit analysiert vergleichend die deutsche und französische Debatte über den Einsatz afrikanischer Soldaten im Ersten Weltkrieg und während der Rheinlandbesetzung. Das zentrale Ziel ist es, die moralische, rechtliche und rassistische Dimension dieser Debatte innerhalb des Spannungsfeldes zwischen militärischer Notwendigkeit und propagandistischer Stigmatisierung darzustellen.
Die „Verwissenschaftlichung“ des Rassenbegriffs
Laut Wolkenhorst war „der Rekurs auf Rassentheorien ein transnationales Phänomen, das im späten 19. Jahrhundert in allen industrialisierten Gesellschaften an Einfluß gewann“, wobei sich in ihm „keine Rückkehr zu einem vormodernen, archaischen Weltbild manifestierte, sondern die Suche nach einem neuen, wissenschaftlich abgesicherten Wissen von Politik und Gesellschaft“. Im Rassenbegriff verbanden sich freilich zwei verschiedene semantische Traditionen: eine kulturphilosophisch-anthropologische und eine naturwissenschaftlich-biologistische. Für die erste deutlich ältere Leseart war der kulturelle und nicht der biologische Aspekt entscheidend für die „rassische“ Eigenart einer Gruppierung. Die zweite Leseart war hingegen eng mit der Vorstellung von der „Reinheit des Blutes“ verbunden und wurde durch den französischen Diplomat Arthur Comte de Gobineau in seinem „Essai sur l’Inégalité des Races“ zu einer universalhistorischen Theorie zusammengefasst.
Die zwei unterschiedlichen Deutungen von „Rasse“ lassen sich wiederum auf den Gegensatz zwischen dem Monogenismus und dem Polygenismus zurückführen. Die Anthropologie der Aufklärung stellte alle Anthropologen vor die schwierige Frage, wie sich die aus dem Naturrecht abgeleitete prinzipielle Einheit und Gleichheit der Menschheit mit dem, inzwischen empirisch beobachteten, physischen Unterschieden zwischen den Menschen erklären ließ. Anhänger des Monogenismus glaubten an eine gemeinsame Abstammung aller Menschen. Die kulturelle Pluralität wurde vorzugsweise durch die verschiedenen natürlichen Umweltbedingungen, denen die Menschen ausgesetzt waren, erklärt, und nicht aus unveränderlichen, vererbbaren biologischen Merkmalen.
Einleitung: Die Einleitung führt in das Thema ein, indem sie die rassistische und nationale Dimension der Diskussion um koloniale Besatzungstruppen im Rheinland beleuchtet und das Ziel der Arbeit als vergleichende Analyse dieser Debatte definiert.
I. Das Umfeld der Debatte: Rassismus, Kolonialismus, Nationalismus und Geschlecht: Dieses Kapitel skizziert die wissenschaftlichen und ideologischen Rahmenbedingungen wie Eugenik und Nationalismus, die das Bild des Schwarzafrikaners in Europa maßgeblich prägten.
II. Der „Aufruf der 93“ und die „Schwarze Schande“: die deutsche Vision vom „Ende des Abendlandes“: Hier wird die deutsche Perspektive analysiert, wobei der Fokus auf völkerrechtlichen Argumenten und der propagandistischen Kampagne gegen die Rheinlandbesatzung liegt.
III. „Grande nation“ und „Force noire“: Frankreichs „zivilisatorische Mission“: Das Kapitel untersucht die französische Sichtweise, das Konzept der „Force noire“ von General Mangin sowie die Bemühungen, das Bild der afrikanischen Soldaten militärisch und kulturell aufzuwerten.
Zusammenfassung und Ausblick: Die Arbeit schließt mit einer Synthese der Ergebnisse, die unterstreicht, wie der Einsatz kolonialer Soldaten die Identität und das Selbstverständnis der europäischen Kolonialmächte beeinflusste und wie die Debatte als Instrument nationaler Politik fungierte.
Schwarze Schmach, Force noire, Kolonialtruppen, Rassismus, Eugenik, Erster Weltkrieg, Rheinlandbesetzung, Propaganda, Französische Kolonialpolitik, Nationalismus, Völkerrecht, Zivilisierungsmission, Militarismus, General Mangin, Tirailleurs sénégalais.
Die Arbeit untersucht die deutsch-französische Kontroverse um den Einsatz afrikanischer Soldaten auf dem europäischen Kriegsschauplatz zwischen 1910 und 1925, insbesondere im Kontext der Rheinlandbesetzung.
Zentrale Themen sind Rassismus, Kolonialismus, Militarismus und Nationalismus. Zudem werden die Rolle der Propaganda sowie die ideologische Konstruktion von Fremd- und Feindbildern detailliert behandelt.
Ziel ist es, die Argumentationsmuster beider Seiten im Spannungsfeld zwischen Propaganda und Fakten aufzuzeigen und zu analysieren, wie der Einsatz kolonialer Soldaten für nationale Interessen instrumentalisiert wurde.
Die Arbeit verfolgt einen vergleichend-analytischen Ansatz. Dabei werden unterschiedliche Quellengattungen wie Manifeste, offizielle Regierungsdokumente, zeitgenössische Sachbücher sowie kulturelle Zeugnisse (Karikaturen, Medaillen) herangezogen.
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung des ideologischen Umfelds, die detaillierte Analyse der deutschen Kampagne „Schwarze Schmach“ sowie die Auseinandersetzung mit der französischen „zivilisatorischen Mission“ und dem Konzept der „Force noire“.
Die Arbeit wird durch Begriffe wie „Schwarze Schmach“, „Force noire“, rassistische Stereotypisierung, koloniale Akkulturation und die mediale Inszenierung von Feindbildern geprägt.
Als wesentlicher Vordenker und Publizist entwarf Mangin das Konzept der afrikanischen Armee. Er sah in den Kolonialsoldaten ein unendliches Reservoir an Menschenmaterial, das notwendig sei, um den demographischen Schwächen Frankreichs entgegenzuwirken.
Frankreich setzte auf eine „Gegenpropaganda“, die die angeborene „Zahmheit“ und „Erziehbarkeit“ der Soldaten betonte, sie militärisch und kulturell aufwertete und versuchte, die Schuld für sexuelle Übergriffe auf die „Moral“ der deutschen Frauen umzulenken.
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