Masterarbeit, 2013
73 Seiten, Note: 1,8
1. Einleitung
2. Zum Großstadt- und Weiblichkeitsdiskurs in der Weimarer Republik
2.1 Die Metropole Berlin – ein Ort der Gegensätze
2.2 Die Neue Frau in der Großstadt
2.3 Die Prostituierte als Topos der Großstadtliteratur
3. Die Großstadt als Frau
3.1 Zur Weiblichkeit imaginärer Städte bei Sigrid Weigel
3.2 Die Stadt als Hure – Mythos Hure Babylon
3.3 Bedeutung der Hure Babylon in Döblins Berlin Alexanderplatz
3.3.1 Franz Biberkopf und seine Frauen
3.3.2 Großstadt und Prostitution bei Döblin
4. Die Frau in der Großstadt
4.1 Doris als Neue Frau in Keuns Das kunstseidene Mädchen
4.2 Inszenierungen von Weiblichkeit
4.2.1 Die Geliebte
4.2.2 Die Prostituierte
4.2.3 Die Ehefrau
5. Schlussbetrachtung
5.1 Männliche vs. weibliche Großstadtperspektive
5.2 Ausblick: Weiblichkeit und Großstadt in der Gegenwartsliteratur
Die vorliegende Masterarbeit untersucht das komplexe Verhältnis von Großstadt und Weiblichkeit in der Literatur der Weimarer Republik, exemplarisch anhand von Alfred Döblins Berlin Alexanderplatz und Irmgard Keuns Das kunstseidene Mädchen. Dabei wird der Frage nachgegangen, wie sich die im Großstadtkontext entstandenen Weiblichkeitsbilder zu den realen Frauenfiguren verhalten und inwieweit Emanzipation möglich ist, während männlich tradierte, stereotype Weiblichkeitsvorstellungen – insbesondere in der Allegorisierung der Stadt als Frau – vorherrschen.
3.3 Bedeutung der Hure Babylon in Döblins Berlin Alexanderplatz
Da sitzt am Wasser die große Babylon, die Mutter der Hurerei und aller Greuel auf Erden. Wie sie sitzt auf einem scharlachroten Tier und sieben Häupter hat und zehn Hörner, das ist zu sehen, das mußt du sehen. Jeder Schritt von dir freut sie. Trunken ist sie vom Blut der Heiligen, die sie zerfleischt. Das sind die Hörner, mit denen sie stößt, sie kommt aus dem Abgrund und führt in die Verdammnis, da sieh sie an, die Perlen, den Scharlach, den Purpur, die Zähne, wie sie sie fletscht, die dicken prallen Lippen, über die ist das Blut geflossen, damit hat sie getrunken. Hure Babylon! Goldgelbe giftige Augen, wampiger Hals! Wie sie dich anlacht.
An dieser Stelle des Romans findet die Hure Babylon zum dritten Mal Erwähnung. Es ist jedoch das erste Mal, dass die Beschreibung der Figur über das indirekte Zitat des biblischen Prätextes hinausgeht und eine dem Roman eigene, furchterregende Note erhält.
Bei ihrer ersten Erwähnung im sechsten Buch des Romans wird von einer prophetischen Stimme, ähnlich wie in der Johannes-Offenbarung, aus der Ferne auf die Hure verwiesen. Wie im Prätext sitzt sie in ihrer pompösen Ausstattung am Wasser, trunken vom Blut der Heiligen (vgl. BA: 237) und signalisiert damit die Ahnung eines drohenden Unheils. Bei ihrem zweiten Auftauchen, ebenfalls in der Form eines indirekten Bibelzitats, scheint sich die Gefahr, die von ihr ausgeht, verschärft zu haben, denn es wird gleich einer Warnung ganze drei Mal hintereinander wiederholt, dass die Hure sich vom Blut der Heiligen ernährt: „Sie hat das Blut der Heiligen getrunken, vom Blut der Heiligen ist sie trunken. Die Hure Babylon sitzt da, das Blut der Heiligen hat sie getrunken.“ (BA: 253). Beim dritten Erscheinen in der oben zitierten Passage weicht der Text schließlich deutlich vom Prätext ab und die Hure Babylon erhält eine eigene lebendige Gestalt.
1. Einleitung: Einführung in die Forschungsfrage zum Verhältnis von Großstadt und Weiblichkeit sowie die Vorstellung der ausgewählten Romane.
2. Zum Großstadt- und Weiblichkeitsdiskurs in der Weimarer Republik: Untersuchung der historischen und sozialen Rahmenbedingungen der 1920er Jahre in Berlin.
3. Die Großstadt als Frau: Analyse des literarischen Topos der Stadt als Frau, insbesondere durch die theoretische Linse von Sigrid Weigel und den Mythos der Hure Babylon.
4. Die Frau in der Großstadt: Auseinandersetzung mit der Figur der "Neuen Frau" und den Inszenierungen von Weiblichkeit bei Irmgard Keun.
5. Schlussbetrachtung: Synthese der Ergebnisse durch den Vergleich männlicher und weiblicher Perspektiven sowie ein Ausblick auf die Gegenwartsliteratur.
Weimarer Republik, Berlin Alexanderplatz, Das kunstseidene Mädchen, Weiblichkeit, Großstadtliteratur, Neue Frau, Hure Babylon, Geschlechterdiskurse, Identität, Allegorie, Prostitution, Männlichkeit, Moderne, Literaturwissenschaft, Körperlichkeit.
Die Masterarbeit untersucht das Verhältnis zwischen dem literarischen Bild der "weiblichen Stadt" und den konkreten Erfahrungen von Frauenfiguren in der modernen Großstadtliteratur der Weimarer Republik.
Die Schwerpunkte liegen auf den Diskursen um die "Neue Frau", die Prostitution als literarischen Topos, die mythologische Aufladung der Stadt als Frau (Hure Babylon) und die Auswirkungen von Geschlechterrollen auf die Identitätsbildung.
Ziel ist es, die oft unreflektierte Allegorisierung der Großstadt als Frau kritisch zu hinterfragen und zu analysieren, wie männlich geprägte Weiblichkeitsbilder die Darstellung von Frauen in Romanen beeinflussen.
Die Arbeit nutzt eine literaturwissenschaftliche Textanalyse auf Basis feministischer Literaturtheorie, insbesondere unter Einbeziehung von Thesen Sigrid Weigels und sozialgeschichtlicher Diskurse zur Moderne.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung des Stadt- und Weiblichkeitsdiskurses sowie eine vertiefende Textanalyse der Romane von Döblin und Keun hinsichtlich ihrer jeweiligen Großstadtkonzepte.
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Weimarer Republik, Großstadtliteratur, Weiblichkeitsbilder, Identitätskonstruktion, Prostitution und Geschlechterverhältnisse beschreiben.
Die Figur fungiert als komplexes Leitmotiv, das weniger die Stadt selbst als vielmehr die inneren Ängste und das destruktive Lustprinzip des Protagonisten Franz Biberkopf verkörpert.
Während Döblin die Stadt mittels Montage als komplexes, oft destruktives soziales Gefüge darstellt, nutzt Keun das Tagebuch ihrer Protagonistin, um die Diskrepanz zwischen dem medialen Wunschbild der "Neuen Frau" und der sozialen Realität Berlins satirisch zu entlarven.
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