Diplomarbeit, 2004
116 Seiten, Note: 1,7
Einleitung: Masse, Markt, Alltäglichkeit
A. Kunst- und Kultursoziologie bei Alexis de Tocqueville und Theodor W. Adorno
I. Alexis de Tocqueville
1. Kontextualisierung von Tocquevilles Kultursoziologie in Über die Demokratie in Amerika
2. Die deduzierte Gleichheit: Zur Methodologie Tocquevilles
3. Tocquevilles Kunstsoziologie
1. die Architektur
2. das Handwerk
3. die schönen Künste
4. die Literatur
5. das Theater
II. Theodor W. Adorno
1. Ureigenstes und gesellschaftliches Ganzes: Die Methodologie Adornos
2. Kontextualisierung der Dialektik der Aufklärung
1. Kernaussage
2. Struktur und Aufbau
3. Geschichtlicher Kontext
4. Die Ideologiekritik der Ideologiekritik
5. Die Wirkungsmacht der Dialektik der Aufklärung
3. Die Kontextualisierung der Kulturindustrie innerhalb der Dialektik der Aufklärung
4. Bestimmung des Kulturindustriebegriffs: Definition und Merkmale
5. Kunstbegriff Adornos
1. Ökonomische Vermittlung ästhetischer Phänomene
2. Versöhnung von Mensch und Natur
3. Funktionslosigkeit als Aufgabe der Kunst
4. Beschaffenheit der Kunst
5. Ästhetischer Schein
6. Gesellschaftskritik vs. Vergesellschaftung
7. Zusammenfassung
6. Theorie der Kulturindustrie
1. Charakteristika kulturindustrieller Produkte
2. Ideologien der Kulturindustrie
3. Schließungsmechanismen der Kulturindustrie
4. Innere und äußere Herrschaft der Kulturindustrie
5. Kulturindustrie als Bewusstseinsindustrie
6. Manipulation und rückwirkendes Bedürfnis
7. Folgen
B. Vergleich
I. Übereinstimmungen in der Sache
II. Zwei Perspektiven auf Kultur
1. Tocquevilles Blick auf demokratische Massenkultur
1. Gleichheit als Vorsehung: Tocquevilles geschichtsphilosophische Prämisse
2. Ideologie aristokratischer Kultur und Politik: Tocquevilles persönliche Perspektive
3. Die demokratische höfische Gesellschaft: Demokratie und individuelles Bewusstsein
2. Adornos Blick auf Kulturindustrie
1. Die Masse als Träger sozialen Fortschritts
2. Scheitern der Masse als revolutionären Subjekt
3. Kunst als Widerstand gegen universelle Vermittlung
4. Entsubjektivierung und Manipulation durch Kulturindustrie
5. Die Reaktion auf den Verlust progressiver Dialektik: Negative Geschichtsphilosophie
6. Kritik 1: Zweiseitige Kausalzurechnung
7. Kritik 2: Pessimismus gegenüber den kommunikativen Formen der Rationalität
8. Die ästhetische Betrachtungsweise der Moderne
9. Adorno als Vertreter der bürgerlichen Werkskunst
10. Zusammenfassung
III. Die Integriertheit der demokratisch-„höfischen Gesellschaft“: Adaptive Elemente von Tocquevilles Kunstdiagnose bei Adorno
C. Kritik (Fortsetzung) und Ausblick
I. Affirmative Zeitdiagnose: Die Bestätigung Adornos
II. Kritik 3: Die kulturkonservative Verengung Adornos
III. Kritik 4: Selbstkorrektur Adornos
1. Medienspezifische Vermittlungsformen
2. Betrug und Selbstbetrug: das doppeltes Bewusstsein der Rezipienten
3. Veränderung kulturindustrieller Inhalte
4. Erziehung der Rezipienten
IV. Kritik 5: Die Differenzierung des Rezipientenverhaltens in den Cultural Studies
V. Kritik 6: Kritik an der postmodernen Kritik
1. Täuschung und Wiederkehr des Verdrängten
2. Künstler in den Kontrollturm
Schluss
Die Arbeit untersucht komparatistisch die Gemeinsamkeiten und Unterschiede der Kunstsoziologien von Alexis de Tocqueville und Theodor W. Adorno, um die These einer „integrativen Adaption“ von Tocquevilles empirischen Befunden durch Adorno zu stützen. Im Zentrum steht dabei die Frage, wie die „Tyrannei der Mehrheit“ bei Tocqueville und die „Kulturindustrie“ bei Adorno als Mechanismen der soziokulturellen Vergesellschaftung wirken und das Individuum in seinem Denken hemmen.
3.1 Architektur
Plastischen Eindruck macht Tocquevilles Schilderung der vermeintlichen Marmorpaläste vor New York, die sich bei genauerem Hinsehen als Backsteinhäuser mit Säulen aus bemaltem Holz entpuppen (DA II: 78f). Der äußere Eindruck erzeugt einen vorgestellten Schein, der bei genauerem hinsehen der Wirklichkeit nicht standhält. Die vorgestellte Materialität der Fassade entspricht nicht der realen. Die damit verfolgte Abwehr der Uniformität durch die ahistorische Verfügbarkeit von Stilen widerspricht der Erwartung, dass „eine Gesellschaft, die ein Idolatrie der Gleichheit betreibt, in Uniformität erstarren müsste“ (Dolif 2003: 6). Im Gegenteil: Sie hat einen grenzenlosen Bedarf an Verschiedenheit, …
… „damit die Gleichheit nicht als augenfällige Unterdrückung von Individualität und Freiheit erscheint. Tocqueville war bei seiner Ankunft in New York am East River auf ein drastisches Beispiel demokratischer Hypokrisie gestoßen, der scheinbaren Bevorzugung des Alten und Traditionsverbundenen vor dem Neuen, in Wahrheit aber des Unechten vor dem Echten. Die immer neue Hervorbringung des Neuen ist auf der Basis von herkömmlicher Echtheit, also Materialechtheit gar nicht möglich. Das Neue bedient sich der Täuschung im Material als eines wichtigen Wirkungsmittels“ (Dolif 2003: 6).
Einleitung: Masse, Markt, Alltäglichkeit: Die Einleitung definiert das Interesse an der Popular Art und führt die theoretischen Grundpfeiler (Tocqueville und Adorno) als zentrale Analyseraster für moderne Massenkunst ein.
I. Alexis de Tocqueville: Dieses Kapitel erläutert die Methodik und die kunstsoziologischen Diagnosen von Tocqueville im Kontext seiner Amerikareise und seiner Beobachtungen zur sozialen Gleichheit.
II. Theodor W. Adorno: Hier wird Adornos Methodologie sowie sein Kulturindustriebegriff im Rahmen der Dialektik der Aufklärung systematisch bestimmt und kritisch eingeordnet.
B. Vergleich: Dieser Hauptteil arbeitet die inhaltlichen Übereinstimmungen und grundlegenden theoretischen Unterschiede in den Betrachtungsweisen von Tocqueville und Adorno detailliert heraus.
C. Kritik (Fortsetzung) und Ausblick: Der abschließende Teil reflektiert Adornos Zeitdiagnose kritisch und diskutiert alternative Ansätze wie die Cultural Studies und die Kritik von Norbert Bolz.
Kulturindustrie, Alexis de Tocqueville, Theodor W. Adorno, Dialektik der Aufklärung, Kunstsoziologie, Demokratie, soziale Gleichheit, Massenkultur, Verdinglichung, Tyrannei der Mehrheit, Ideologiekritik, Rezipientenverhalten, Werksästhetik, Kulturkritik, Selbstzensur.
Die Arbeit führt einen theoretischen Vergleich zwischen den Kunstsoziologien von Alexis de Tocqueville und Theodor W. Adorno durch, um die Parallelen in ihren Analysen zur Massenkultur aufzuzeigen.
Zentrale Felder sind die Auswirkungen von sozialer Gleichheit auf die Kunst, der Warencharakter kultureller Güter sowie die Mechanismen der Manipulation und Verdinglichung in demokratischen Gesellschaften.
Das Ziel ist es, nachzuweisen, dass Adorno Tocquevilles empirische Befunde in einer „integrativen Adaption“ genutzt hat, um seine eigene Theorie der Kulturindustrie zu stützen.
Es handelt sich primär um eine komparatistische und ideengeschichtliche Untersuchung, die sowohl auf Primärliteratur als auch auf eine Aufarbeitung relevanter Sekundärquellen zur Kritischen Theorie stützt.
Der Hauptteil analysiert detailliert die Kunstdiagnosen beider Autoren, vergleicht ihre Perspektiven auf die „Masse“ und beleuchtet die methodologischen Unterschiede zwischen Tocquevilles Mikro- und Adornos Makroanalyse.
Neben der Kulturindustrie und der Tyrannei der Mehrheit sind die Begriffe Verdinglichung, Ideologie, Autonomie der Kunst und das doppelte Bewusstsein der Rezipienten von zentraler Bedeutung.
Während Tocqueville die Kunst primär als Funktion der politischen Verfassung sieht, begreift Adorno sie als einen (wenn auch bedrohten) Gegenpol zur Kulturindustrie, der Autonomie bewahren muss.
Das doppelte Bewusstsein beschreibt das unbewusste Wissen der Konsumenten um den betrügerischen Charakter der Kulturindustrie, welches einen Rest an kritischer Differenz zur positivistischen Scheinwelt ermöglicht.
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