Diplomarbeit, 2013
119 Seiten, Note: 1,0
Einleitung
1 Ausgangslage und Begriffsbestimmungen
1.1 Kooperation sozialer Dienste
1.2 Kooperation, Koordination und Vernetzung
1.3 Interinstitutionelle Kooperation
2 Interinstitutionelle Kooperation in der Forschung
2.1 Theorien und Ansätze aus der sozialpsychologischen Kooperationsforschung
2.1.1 Theorie über Kooperation und Wettbewerb (Morton Deutsch)
2.1.2 Wirkung aufgaben- und ichbezogener Ziele in Kooperationssituationen (Helen Lewis)
2.1.3 Thesen zur Dynamik der Intergruppenforschung (Dieter Beck)
2.2 Das Konfigurationsmodell nach van Santen und Seckinger
3 Kooperation zwischen Kindertagesstätten und Erziehungsberatungsstellen
3.1 Die Erziehungsberatung als Kooperationspartner
3.1.1 Grundlagen
3.1.2 Aktuelle Entwicklungen im Kontext der Kooperation
3.1.3 Eignung der Erziehungsberatung als Kooperationspartner
3.2 Die Kindertagesstätte als Kooperationspartner
3.2.1 Gesetzliche Grundlagen
3.2.2 Kooperation in den Bildungs- und Erziehungsempfehlungen
3.2.3 Aktuelle Entwicklungen im Kontext der Kooperation
3.2.4 Eignung der Kita als Kooperationspartner
3.3 Ziele und Chancen der Kooperation
3.4 Wege der Zusammenarbeit
3.4.1 Beratungsangebote
3.4.2 Präventive Angebote
3.4.3 Sonstige Angebote
3.5 Ausgewählte Modellprojekte zur Kooperationspraxis
3.5.1 Praxisprojekt: Kindergarten und soziale Dienste
3.5.2 ERIK (Erziehungshilfe, Rat und Information im Kindergarten)
3.5.3 Modellprojekt „Zugehende Beratung in Kindertageseinrichtungen“
4 Qualitative Untersuchung zur Kooperationspraxis von Kitas und Erziehungsberatungsstellen
4.1 Zielsetzung und Fragestellungen
4.2 Untersuchungsdesign
4.3 Datenerhebung mittels leitfadengestützter Experteninterviews
4.3.1 Entwicklung der Interviewleitfäden
4.3.2 Auswahl der Experten
4.3.3 Durchführung der Experteninterviews
4.4 Datenaufbereitung und -auswertung
4.4.1 Transkription
4.4.2 Qualitative Inhaltsanalyse
4.5 Gütekriterien qualitativer Forschung
5 Darstellung und Interpretation der Ergebnisse
5.1 Kooperationsangebote
5.2 Entstehung der Kooperation
5.3 Ist-Zustand der Kooperation
5.4 Veränderungen durch die Kooperation
5.5 Bewertung der Kooperation
5.6 Voraussetzungen gelingender Kooperation
5.7 Wünsche
6 Diskussion
6.1 Diskussion zentraler Ergebnisse
6.2 Ausblick
Die Diplomarbeit untersucht die praktische Umsetzung, Entstehung und Bewertung der Kooperation zwischen Kindertagesstätten (Kitas) und Erziehungsberatungsstellen, um aufzuzeigen, wie diese Zusammenarbeit gestaltet werden kann, um Familien frühzeitig zu unterstützen.
3.1.2 Aktuelle Entwicklungen im Kontext der Kooperation
Die Inanspruchnahme von Erziehungsberatung steigt kontinuierlich an (vgl. Menne 2006, 193). Wurden im Jahr 1993 „nur“ ca. 198.000 Beratungen beendet, waren es 2003 schon 301.650 Beratungen nach §28 SGB VIII, was einer Steigerung von 52 % entspricht (vgl. ebd.). Nach den aktuellsten Erhebungen liegt die Zahl der beendeten Beratungen bei 311.584 (Statistisches Bundesamt 2012). Die Versorgungssituation hat sich, trotz der kontinuierlichen Steigerung der Inanspruchnahme, jedoch kaum geändert und ist seit Anfang der 80er Jahre praktisch gleichgeblieben (bke 2012, 50). Angesichts dieser Entwicklungen kommt es in den bestehenden Strukturen zu einer Unterversorgung, was schon an den langen Wartelisten der Erziehungsberatungsstellen zu erkennen ist (vgl. Sell 2010, 22).
Diese Situation der Unterversorgung beschränkt „die Ansätze einer Diffusion der Beratungsleistungen in die Sozialräume und den Ausbau der präventiven Angebote in den Settings außerhalb der Beratungsstellen (Kitas, Schulen usw.)“ (ebd.). Denn auf der einen Seite fehlen Ressourcen und Kapazitäten von Seiten der Beratungsstellen, auf der anderen Seite wird die Notwendigkeit von Sozialraumorientierung in Anbetracht der steigenden Inanspruchnahme von den Mitarbeitern der Beratungsstellen subjektiv gar nicht wahrgenommen (vgl. ebd.).
Das Prinzip traditioneller Erziehungsberatung beinhaltet eine Komm-Struktur. Das bedeutet die Ratsuchenden kommen in die Beratungsstelle, um sich Hilfe und Unterstützung bei den Fachkräften vor Ort zu holen. Den Beratungsstellen wird unter anderem wegen dieser „zugangsverengenden Komm-Strukturen“ (Sell 2008, 52) seit Jahren eine Mittelschichtlastigkeit (vgl. ebd.) bei der Inanspruchnahme vorgeworfen. Um dem entgegenzuwirken lautet die Forderung, sich von der traditionellen Komm-Struktur abzuwenden und sich mehr an einer Geh-Struktur zu orientieren. Demnach soll die Erziehungsberatung selbst ins Feld gehen, um „die Beratung an den Ort des offensichtlichen Bedarfs zu bringen“ (ebd., 53).
1 Ausgangslage und Begriffsbestimmungen: Dieses Kapitel erläutert die Notwendigkeit der Kooperation sozialer Dienste aufgrund gesellschaftlicher Modernisierungsprozesse und definiert die zentralen Begriffe der Arbeit.
2 Interinstitutionelle Kooperation in der Forschung: Hier werden theoretische Ansätze aus der sozialpsychologischen Kooperationsforschung sowie das Konfigurationsmodell von van Santen und Seckinger vorgestellt, um die Dynamik interinstitutioneller Zusammenarbeit zu verstehen.
3 Kooperation zwischen Kindertagesstätten und Erziehungsberatungsstellen: Das Kapitel beschreibt die beiden Institutionen, ihre Eignung als Partner, Chancen und Wege der Zusammenarbeit sowie beispielhafte Modellprojekte der Kooperationspraxis.
4 Qualitative Untersuchung zur Kooperationspraxis von Kitas und Erziehungsberatungsstellen: Dieser Teil legt das qualitative Forschungsdesign, die Datenerhebung durch Experteninterviews und die Methode der Inhaltsanalyse dar.
5 Darstellung und Interpretation der Ergebnisse: Die Untersuchungsergebnisse werden entlang der Hauptkategorien wie Angebote, Entstehung, Ist-Zustand, Veränderungen, Bewertung, Voraussetzungen und Wünsche detailliert ausgewertet.
6 Diskussion: Im abschließenden Kapitel werden die zentralen Ergebnisse diskutiert und ein Ausblick auf die zukünftige Gestaltung und Forschung der Kooperation gegeben.
Kooperation, Kindertagesstätte, Erziehungsberatung, Interinstitutionelle Kooperation, Sozialraumorientierung, Geh-Struktur, Experteninterviews, Qualitative Inhaltsanalyse, Früherkennung, Prävention, Netzwerkarbeit, Erzieherinnen, Beratungspraxis, Modellprojekte, Kooperationsmanagement
Die Arbeit befasst sich mit der Kooperation zwischen Kindertagesstätten (Kitas) und Erziehungsberatungsstellen. Ziel ist es zu untersuchen, wie diese Zusammenarbeit in der Praxis gestaltet werden kann, um Familien frühzeitig bei Erziehungsschwierigkeiten zu unterstützen.
Zentrale Themen sind die theoretischen Grundlagen interinstitutioneller Kooperation, die Rolle der beiden Institutionen, verschiedene Wege der Zusammenarbeit (wie offene Sprechstunden) sowie die Identifikation von Gelingensbedingungen für diese Praxis.
Die leitende Forschungsfrage lautet: „Wie wird die Kooperation von Kindertagesstätten und Erziehungsberatungsstellen in der Praxis umgesetzt?“ Ziel ist eine detaillierte Beschreibung und Analyse dieser Kooperationspraxis.
Die Autorin wählt ein qualitatives Untersuchungsdesign. Sie führt leitfadengestützte Experteninterviews mit Erzieherinnen und Beratern durch und wertet diese mithilfe einer inhaltlich strukturierenden qualitativen Inhaltsanalyse aus.
Der Hauptteil deckt sowohl die theoretische Fundierung (inkl. sozialpsychologischer Ansätze) als auch die empirische Untersuchung ab, in der u.a. Angebote, die Entstehung der Kooperation, deren Ist-Zustand und die daraus resultierenden Veränderungen für die beteiligten Akteure analysiert werden.
Wichtige Begriffe sind Kooperation, Kindertagesstätte, Erziehungsberatung, Geh-Struktur, Prävention, Früherkennung sowie die Kooperationspraxis im regionalen Kontext.
Die traditionelle „Komm-Struktur“ (Ratsuchende kommen zur Beratungsstelle) führt oft zu einer Mittelschichtlastigkeit. Die „Geh-Struktur“ hingegen zielt darauf ab, dass die Beratung aktiv in die Kindertageseinrichtungen geht, um Familien zu erreichen, die aus Eigeninitiative keine Beratungsstelle aufsuchen würden.
Projekte wie ERIK oder „Zugehende Beratung in Kindertageseinrichtungen“ dienen als Beispiele, um aufzuzeigen, wie systematisierte Kooperation erfolgreich erprobt wurde und welche Faktoren (z.B. feste Ansprechpartner) dabei für den Erfolg ausschlaggebend sind.
Die Experten berichten übereinstimmend, dass die Kooperation meist als „Mehr an Arbeit in der gleichen Zeit“ wahrgenommen wird, da keine zusätzlichen personellen oder zeitlichen Ressourcen von den Trägern bereitgestellt werden. Es besteht daher ein großer Wunsch nach besseren Rahmenbedingungen.
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