Diplomarbeit, 2004
87 Seiten, Note: 1
I EINLEITUNG
1 Zielsetzung
2 Theoretische Voraussetzungen
2.1 Dialekt
2.1.1 Definition
2.1.2 Wiener Dialekt
2.2 Wortbildung
2.2.1 Definition
2.2.2 Wortbildungsmorpheme
2.2.3 Wortbildungsarten
2.2.4 Verbale Wortbildungsmuster des Deutschen in historischer Entwicklung
3 Methodische Voraussetzungen
3.1 Korpus
3.2 Abgrenzung
3.2.1. Wortbildungskonstruktion vs. syntaktisches Gefüge
3.2.2 Sind Partikelverben Komposita oder Derivate?
3.3 Funktionen der verbalen Wortbildung
3.3.1 Syntaktische/grammatische Funktionen
3.3.2 Semantische Funktionen
3.3.3 Pragmatische Funktionen
II KORPUSANALYSE
1 Komposition mit Substantiven
2 Komposition mit Adjektiven
3 Komposition mit Verben
4 Komposition mit Partikeln
4.1 Trennbare Partikeln
4.2 Doppelförmige Partikeln
5 Präfigierung
6 Suffigierung
III MÖGLICHKEITEN UND FUNKTIONEN DER VERBALEN WORTBILDUNG IM WIENER DIALEKT
1 Allgemeine Ergebnisse
2 Partikelkomposition
2.1 Einfache trennbare Partikeln
2.2 Doppelförmige Partikeln
2.3 Orts- und Richtungsadverbien
2.3.1 Formale Besonderheiten zusammengesetzter Richtungsadverbien
2.3.2 Zusammengesetzte Richtungsadverbien als Verbpartikeln
3 Präfigierung
4 Suffigierung
5 Komposition mit Substantiven, Adjektiven, Verben
6 Präferierte Basisverben
Diese Arbeit untersucht die Möglichkeiten, Funktionen und Frequenzen der verbalen Wortbildung im Wiener Dialekt. Ziel ist es, das verbale Wortbildungssystem des Dialekts formal zu erfassen, funktional zu interpretieren und die Produktivität der verschiedenen Muster zu analysieren.
2.2.1. Definition
Nach Naumann (2000) definieren wir Wortbildung nach formalen Kriterien als die regelhafte Synthese neuer Wörter aus einfachen Wörtern miteinander oder mit Wortbildungsmorphemen.
Wortbildungsprodukte sind sekundäre/komplexe Wörter, d.h. sie sind im Gegensatz zu primären Wörtern (Simplizia) morphosemantisch motiviert. Primäre Wörter sind morphosemantisch nicht motiviert, sondern arbiträr, d.h. es besteht kein erklärbares Verhältnis zwischen der Lautfolge und dem Bedeutungsinhalt. Der Grad der Motivation bei sekundären Wörtern ist verschieden und auch abhängig von der individuellen Einschätzung des Sprechers. Bei vielen Wortbildungsprodukten der Gegenwartssprache ist die semantische Motivation aus synchroner Sicht nicht mehr gegeben. Sie sind demotiviert/opak/idiomatisiert und werden von heutigen Sprechern als primäre Wörter eingestuft. Gleichzeitig gibt es Wörter, die als teilmotiviert/transparent bezeichnet werden. Als teilmotiviert gelten z.B. die Wortbildungskonstruktionen mit unikalen Morphemen. Als vollmotiviert/self explanatory werden Wortbildungsprodukte wie Schlafzimmer oder Haustür bezeichnet.
Bei den meisten Wortbildungsprodukten sind aber Strukturbedeutung und Gebrauchsbedeutung nicht ganz gleich, d.h. die Bedeutung des Wortbildungsproduktes ist nicht gleich der Summe der Bedeutungen der Konstituenten. Durch den Prozess der Wortbildung tritt semantische Veränderung ein, was bedeutet, dass es vollmotivierte Wortbildung eigentlich nicht gibt.
Die Grenze zwischen primären und sekundären Wörtern ist also fließend.
I EINLEITUNG: Definiert die Grundlagen der Wortbildungslehre, die methodische Vorgehensweise bei der Korpusgewinnung aus dem Werk „Da Jesus & seine Hawara“ sowie die Abgrenzung von Wortbildungskonstruktionen.
II KORPUSANALYSE: Stellt die im Korpus identifizierten verbalen Wortbildungsmuster wie Komposition, Präfigierung und Suffigierung systematisch dar und segmentiert die Belege morphologisch.
III MÖGLICHKEITEN UND FUNKTIONEN DER VERBALEN WORTBILDUNG IM WIENER DIALEKT: Wertet die Ergebnisse qualitativ und quantitativ aus, analysiert die Funktionen der Wortbildung und identifiziert die präferierten Basisverben sowie die Präferenzen des Wiener Dialekts gegenüber der Standardsprache.
Wiener Dialekt, verbale Wortbildung, Wortbildungsmuster, Komposition, Derivation, Präfigierung, Suffigierung, Partikelverben, morphologische Analyse, semantische Funktionen, Sprachsystem, Lexikalisierung, Sprachökonomie, Wiener Mundart, Korpusanalyse
Die Arbeit widmet sich der systematischen Erfassung und Untersuchung der verbalen Wortbildung im Wiener Dialekt, insbesondere im Hinblick auf deren Möglichkeiten und Funktionen.
Die zentralen Felder sind die morphologische Segmentierung von Verben, die Bestimmung der Produktivität verschiedener Wortbildungsmuster sowie die funktionale Klassifikation nach syntaktischen, semantischen und pragmatischen Kriterien.
Das Ziel ist es, auf Basis eines literarischen Korpus zu ermitteln, welche verbalen Wortbildungsmuster im Wiener Dialekt realisiert werden, wie diese funktionieren und ob sie sich von standardsprachlichen Mustern unterscheiden.
Es handelt sich um eine korpusbasierte Analyse, bei der ein literarischer Text in Wiener Mundart morphologisch segmentiert, qualitativ und quantitativ ausgewertet und durch den Vergleich mit historischen und aktuellen Lexika abgesichert wird.
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Korpusanalyse, in der Kompositionsarten, Präfigierung und Suffigierung vorgestellt werden, sowie einen Analyseteil, der allgemeine Ergebnisse zusammenfasst und Funktionen sowie präferierte Basisverben diskutiert.
Wichtige Begriffe sind Wiener Dialekt, Wortbildungsmuster, Partikelverben, Derivation, Komposition sowie die funktionale Differenzierung durch syntaktische oder semantische Modifikation.
Der Autor stellt fest, dass der Dialekt zwar auf grammatischer Ebene als "defizitär" betrachtet werden kann, er aber hinsichtlich semantischer Differenzierung durch Wortbildung oft leistungsfähiger ist als die Standardsprache.
Ein literarischer Text wurde gewählt, da Informationen über die tatsächliche Produktivität von Wortbildungsmustern aus Lexika nur bedingt gewonnen werden können und die semantische Klassifikation von Verben eine Kontextanalyse erfordert.
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