Bachelorarbeit, 2012
34 Seiten, Note: 1,0
1. Einleitung
2. Die Sionpilger
2.1. Konstitution von Fortbewegung und Raum
2.2. Definition geistlicher und körperlicher Pilgerfahrten
2.3. Tag 24 - 61
2.4. Exkurs: das Fliegen
2.5. Tag 63
3. Fazit
Die vorliegende Arbeit untersucht die Konstruktion von Raum und Fortbewegung in Felix Fabris Werk "Die Sionpilger", einer geistlichen Pilgerreisebeschreibung des späten Mittelalters. Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Fabri seinen Text für mental Reisende konzipiert hat und wie sich dieses Subgenre von körperlichen Reiseberichten unterscheidet, insbesondere im Hinblick auf die Imitatio Christi und die Rolle der Vorstellungskraft.
2.1. Konstitution von Fortbewegung und Raum
Laut Habel und von Stutterheim bilden hauptsächlich „Prozesse der visuellen Verarbeitung […] die repräsentationelle Grundlage, auf die bei einer entsprechenden Verbalisierungsintention zugegriffen wird.“ Um also einen Ort oder eine ganze Reise beschreiben zu können, muss die Grundlage dafür erst wahrgenommen werden. Doch diese Wahrnehmung ist gerade bei den mentalen Pilgern eingeschränkt, so ist ihnen die visuelle Erfassung nicht möglich. Hallet und Neumann stellen fest, dass „
Und wie Böhme spezifiziert, entsteht Raum erst durch Eigen- oder Fremdbewegung. Die Erfahrung oder Erfühlung des Raumes ist es, die ihn konstituiert. Doch auch der „körperliche[…] Kontakt“, den der Pilger mit den Reliquien herstellen muss, um den Ablass zu erhalten, ist den Sionpilgern nicht möglich. Trotz dessen gesteht Fabri ihnen dieses Privileg zu, wozu sie aber in besonderem Maße Mühen auf sich nehmen müssen, um das Fehlen der Körperlichkeit auszugleichen.
1. Einleitung: Dieses Kapitel führt in die historische Relevanz von Pilgerreisen im Mittelalter ein und stellt das Genre der geistlichen Pilgerfahrten als Ersatzhandlung für Menschen vor, die nicht real pilgern konnten.
2. Die Sionpilger: Dieser Hauptteil analysiert, wie Fabri durch eine spezifische Konstitution von Raum und Fortbewegung, die bewusste Einbeziehung von Pilgerregeln und das Fehlen physischer Orientierungspunkte eine "mentale Reise" für den Leser schafft.
2.1. Konstitution von Fortbewegung und Raum: Hier wird dargelegt, dass Raum durch Bewegung konstituiert wird und die Sionpilger die mangelnde Körperlichkeit durch besondere Mühen ausgleichen müssen.
2.2. Definition geistlicher und körperlicher Pilgerfahrten: Dieses Kapitel grenzt das mentale Pilgern von physischen Berichten ab und arbeitet die Rolle der Imitatio Christi heraus.
2.3. Tag 24 - 61: Untersuchung der Reiseetappen von Venedig nach Jerusalem unter besonderer Berücksichtigung der Schiffsreise und der Fortbewegungsverben.
2.4. Exkurs: das Fliegen: Ein spezieller Blick auf das phantastische Element des Fliegens als singuläre Besonderheit in Fabris Text zur Beschleunigung der Reise.
2.5. Tag 63: Analyse der Wahrnehmung am Beispiel der Grabeskirche, wobei der Fokus auf dem "Fühlen" und der sakralen Umgebung liegt.
3. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass Fabri ein legitimes Konzept für eine meditative und demütige Wallfahrt im Geiste geschaffen hat, das sich bewusst von rein geografischen Reiseberichten abhebt.
Felix Fabri, Die Sionpilger, Mentales Pilgern, geistliche Pilgerfahrt, Raumkonstitution, Fortbewegung, Imitatio Christi, Mittelalter, Pilgerbericht, Wallfahrt, Ablass, Grabeskirche, Raumwahrnehmung, Reisebeschreibung, Imagination
Die Arbeit untersucht die Strukturierung des mentalen Pilgerns in Felix Fabris Werk "Die Sionpilger" und analysiert, wie der Autor durch literarische Mittel eine Reise im Geiste ermöglicht.
Zentrale Themen sind die theoretische Konstitution von Raum und Fortbewegung, der Vergleich zwischen realen und mentalen Pilgerfahrten sowie die Rolle religiöser Demut im Kontext der Ablassgewinnung.
Ziel ist es, nachzuweisen, dass Fabri eine eigene Welt für mental Pilgernde konstruiert, die sich deutlich von physischen Reiseberichten unterscheidet und als "spirituelle Übung" fungiert.
Die Arbeit nutzt einen literaturwissenschaftlichen Ansatz, kombiniert mit narratologischen Analysen von Raumkonzepten und vergleichenden Analysen mit zeitgenössischen Pilgerberichten wie dem von Breydenbach.
Der Hauptteil analysiert spezifische Reiseetappen, die Funktion des Fliegens als phantastisches Element sowie die spezifische Wahrnehmung von sakralen Räumen wie der Grabeskirche.
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Mentales Pilgern, Raumkonstitution, Imitatio Christi, Felix Fabri und Pilgerreisebeschreibung charakterisieren.
Die Schiffsreise dient als Bewährungsprobe und Übergangsraum, der für Fabri notwendig ist, um den Pilgern die mit einer Wallfahrt verbundenen Gefahren und Entbehrungen nachempfinden zu lassen.
Während das "Pilgerbuch" persönliche Erlebnisse und konkrete Entfernungsangaben enthält, ist "Die Sionpilger" als Anleitung für eine rein mentale, auf Meditation ausgerichtete Reise konzipiert, die auf geografische Detailtreue verzichtet.
Das Fliegen dient als phantastisches erzählerisches Mittel, um eine drastische Beschleunigung der Reise darzustellen, wird jedoch nur als Wunschvorstellung der Pilger und nicht als realer Vorgang geschildert.
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