Magisterarbeit, 2001
88 Seiten, Note: gut
I. Einführung
II. Prolog
III. Vorgänger der Stoa
1. Vorsokratiker
2. Sokrates/ Platon
3. Aristoteles
IV. Ältere Stoa
1. Zenon
2. Kleanthes
3. Chrysippos
4. Übergang
V. Mittlere Stoa
1. Panaitios
2. Poseidonios
Parenthese Cicero
3. Übergang
VI. Späte Stoa
1. Rom
2. Seneca
3. Epiktet
4. Marc Aurel
VII. Epilog
Diese Arbeit zielt darauf ab, die Seelenlehre der Stoa über den gesamten Zeitraum ihres Bestehens zu untersuchen, wobei der Schwerpunkt insbesondere auf der Frage nach der Unsterblichkeit der menschlichen Seele liegt. Es wird analysiert, wie stoische Denker ihre Psychologie aus der panpsychischen Physik und der Affektenlehre ihrer Ethik herleiteten und inwieweit sie dabei platonisch-metaphysische Konzepte rezipierten oder ablehnten.
a) Seele
Die Seele ist bei der Geburt des Menschen ursprünglich eine leere Tafel (49), die dadurch erfüllt wird, daß die Dinge sich in ihr abdrücken. Ein Körper wirkt auf einen anderen Körper, ein physikalischer Akt! Ein solcher Abdruck (50), der die Seele verändert, ist Vorstellung (phantasia). Mit anderen Worten ist die Vorstellung eine Veränderung, hervorgebracht von einem Gegenstand in der Seele. Dann ergreift der führende Teil der Seele den Gegenstand der Vorstellung und gelangt zur Wahrnehmung (katalepsis), indem die Wahrnehmung durch das in den Sinnesorganen zirkulierende Pneuma dem führenden Zentralorgan der Seele, dem hegemonikon, mittels Pneumaströmungen übermittelt wird. Erst durch Wahrnehmung wird ein Inhalt in die Seele eingetragen. Bei Zenon gibt es eine deutliche Unterscheidung zwischen Gegenstand und Bild in der Seele.
Allgemeine Begriffe lassen sich erst durch Abstraktion aus den Wahrnehmungen gewinnen. Die Wahrnehmung ist die einzige ursprüngliche Quelle der Erkenntnis. Aus der Wahrnehmung entsteht die Erinnerung, aus vielen gleichartigen Erinnerungen die Erfahrung. Damit aus Wahrnehmung Wissen wird, muß die Verstandestätigkeit hinzutreten. Diese Verstandes- bzw. Denktätigkeit besteht auch in einer materiellen Veränderung des Seelenkörpers. Wahrheit wird somit zur Beschaffenheit der wissenden Seele. Voraussetzung unserer gesamten geistigen Existenz ist also die Vernunftanlage unserer Seele! Die menschliche Seele ist reine Vernunft!
Im Gegensatz zu Platon und Pythagoras nimmt Zenon ein einheitliches Leben von Seele und Körper an. Die ersten beiden sahen ein Leben der Seele für sich und ein Leben der Seele zusammen mit dem Körper. Nach Ansicht von Zenon ist nun die Seele mit dem Körper in totalem Mischungsverhältnis (krasis), der Seelenkörper ist dem physischen Körper beigemischt und durchdringt ihn; die Vermögen der Seele sind in ihrer Wirkung mit den Organen des Körpers verbunden. Daher kann die Seele auch nicht lokalisiert werden, sie durchdringt den ganzen Körper!
I. Einführung: Darstellung der Zielsetzung, die stoische Seelenlehre in ihrer Gesamtheit und unter Berücksichtigung der Unsterblichkeitsfrage zu erfassen, trotz der Schwierigkeit der fragmentarischen Quellenlage.
II. Prolog: Einleitung in den historischen Kontext des Hellenismus und die Grundzüge des stoischen Systems als organisches, panpsychisches und von Gott durchdrungenes Ganzes.
III. Vorgänger der Stoa: Untersuchung vorsokratischer sowie platonischer und aristotelischer Konzepte zur Seele, die für das stoische Verständnis als Vorstufen oder Reibungspunkte dienten.
IV. Ältere Stoa: Ausführliche Analyse der Seelenlehren von Zenon, Kleanthes und Chrysippos, die den Kern der stoischen Psychologie und die systematische Einordnung des Pneuma-Begriffes bilden.
V. Mittlere Stoa: Betrachtung der Wende durch Panaitios und Poseidonios, die zu einer stärkeren Platonisierung und psychologischen Differenzierung innerhalb der Stoa führten.
VI. Späte Stoa: Erörterung der Ethik-zentrierten Philosophie von Seneca, Epiktet und Marc Aurel, die den Fokus auf das Seelenheil und die Auseinandersetzung mit der Endlichkeit legt.
VII. Epilog: Zusammenfassende Einordnung der Bedeutung des stoischen Körper- und Geistbegriffs sowie der Auffassung von Unvergänglichkeit als substantielle Einheit mit dem göttlichen Ganzen.
Stoa, Seelenlehre, Pneuma, Logos, Unsterblichkeit, Hegemonikon, Panpsychismus, Affekte, Tugend, Materie, Geist, Zenon, Chrysippos, Poseidonios, Tonos.
Die Arbeit beschäftigt sich mit der stoischen Seelenlehre vom 3. Jahrhundert v. Chr. bis zum 3. Jahrhundert n. Chr. und untersucht, wie diese Denker das Wesen der Seele, ihre psychologischen Funktionen und die Möglichkeit eines Fortlebens nach dem Tode interpretierten.
Zentrale Themen sind die materialistische und doch dynamische Auffassung der Seele als Pneuma, die Rolle des hegemonikon (des führenden Seelenteils), die stoische Affektenlehre und der Umgang mit dem platonisch-aristotelischen Dualismus.
Das primäre Ziel ist es, aufzuzeigen, ob und inwiefern in der stoischen Philosophie überhaupt von einer Unsterblichkeit der Seele gesprochen werden kann und wie sich dieses Verständnis innerhalb der verschiedenen Schulen entwickelt hat.
Der Autor wählt einen historischen Ansatz, der die einzelnen Philosophen der verschiedenen Stoa-Perioden (ältere, mittlere, späte Stoa) individuell betrachtet, um die persönliche Vielfalt innerhalb der Schule zu verdeutlichen, anstatt sie nur als monolithischen Block zu präsentieren.
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der Vorgänger (Vorsokratiker, Platon, Aristoteles), die detaillierte Darstellung der älteren Stoa (Zenon, Kleanthes, Chrysippos), der mittleren Stoa (Panaitios, Poseidonios) und der späten Stoa (Seneca, Epiktet, Marc Aurel).
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Pneuma, Logos, Hegemonikon, Panpsychismus und die spezifische stoische Tugendlehre geprägt.
Chrysippos führt eine strengere monistische und intellektualistische Psychologie ein. Während Zenon noch an einer Acht-Teilung der Seele festhielt, interpretiert Chrysippos diese Einteilung als rein funktionale Ausdrücke desselben hegemonikon und betont die Einheit der vernünftigen Seele schärfer.
Poseidonios bricht mit dem strengen Monismus der älteren Stoa. Er führt einen psychologischen Dualismus ein, indem er dem hegemonikon einen unvernünftigen, den Affekten zugänglichen Bereich zuschreibt, was eine deutliche Annäherung an platonische Konzepte darstellt.
Die späte Stoa betont zunehmend die ethische Heilung der Seele und zeigt eine noch stärkere Tendenz zur Trennung von Geist und Materie, wobei Marc Aurel sogar explizit den Geist (nous) gegenüber dem Körper isoliert, um dessen gottähnliche Bestimmung zu betonen.
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