Zwischenprüfungsarbeit, 2006
45 Seiten, Note: 1,0
1. Einleitung
2. Zeitgenössisches: Industrielle, politische und soziale Revolution(en)
3. Heines „Englische Fragmente“
3.1 Das London-Fragment: „Dieser bare Ernst aller Dinge“
3.2 England aus der Sicht Heines: Beobachtungen aus der Distanz
4. Weerths „Skizzen aus dem sozialen und politischen Leben der Briten“
4.1 Die London-Skizze: „Jener fürchterliche Ernst des Lebens“
4.2 England aus der Sicht Weerths: Beobachtungen aus nächster Nähe
5. Die Wahrnehmung des Fortschritts in England bei Heine und Weerth im Vergleich
6. Schluss
Diese Arbeit untersucht die Wahrnehmung des industriellen und sozialen Fortschritts im England des frühen und mittleren 19. Jahrhunderts anhand der Werke „Englische Fragmente“ von Heinrich Heine und „Skizzen aus dem sozialen und politischen Leben der Briten“ von Georg Weerth, um zu analysieren, wie diese Beobachter die Auswirkungen des technischen Wandels auf Mensch und Gesellschaft bewerteten.
3.1 Das London-Fragment: „Dieser bare Ernst aller Dinge“
„Schickt einen Philosophen nach London; bei Leibe keinen Poeten!“ ist wohl einer der am häufigsten zitierte Aussprüche Heines, wenn er seine erste Reaktion auf die Großstadt in Worte zu fassen sucht. Mit wahrem Enthusiasmus nach England angereist, erlebt er in London eine Reizüberflutung, die ihn erstarren lässt. Die vielen Eindrücke unterscheiden sich so sehr von allem bisher Gesehenen, dass die erste Erfahrung schockartig anmutet. Heine fühlt sich erdrückt von den Menschenmassen auf den Straßen, von der Hektik, vom unermüdlichen, unmenschlichen, geradezu maschinenhaften Tempo, das die Stadt ausstrahlt. Er spricht von einem „Wald von Häusern“, vom „drängende[n] Strom lebendiger Menschengesichter“, von der „grauenhaften Hast der Liebe, des Hungers und des Hasses“ (EF, S. 507). All dies mutet sehr düster, klaustrophobisch, geradezu pathologisch an. Heine verlangt nach einem Philosophen – und meint damit eigentlich einen Soziologen, der „die verborgensten Geheimnisse der gesellschaftlichen Ordnung“ (ebd.) erklärt, die sich im neuen Machtzentrum der Welt, zwischen der Börse und dem Londoner Regierungssitz, wo sich die Macht des Kapitals und der Politik verbinden, offenbaren. Diese Gesellschaft und ihre Ordnung unterscheiden sich in allen Punkten von den deutschen restaurativen Zuständen. Hier zeigen sich die Folgen der Technisierung, des kapitalistischen Systems und der Klassengesellschaft, die im Begriff ist, die Ständegesellschaft abzulösen.
1. Einleitung: Die Arbeit führt in die Fragestellung ein, wie Fortschritt im 19. Jahrhundert wahrgenommen wurde, und erläutert die methodische Herangehensweise durch die Analyse der Texte von Heine und Weerth.
2. Zeitgenössisches: Industrielle, politische und soziale Revolution(en): Dieses Kapitel beleuchtet den historischen Hintergrund der industriellen Revolution und der daraus resultierenden sozioökonomischen Umwälzungen in England.
3. Heines „Englische Fragmente“: Es wird Heines kritische Auseinandersetzung mit der englischen Gesellschaft analysiert, wobei besonders die Auswirkungen der Großstadt und der Kapitalismuskritik im Vordergrund stehen.
4. Weerths „Skizzen aus dem sozialen und politischen Leben der Briten“: Dieses Kapitel betrachtet Weerths intensivere, aus der Perspektive eines Insiders gewonnene Einsichten in das englische Leben und seine Solidarisierung mit der Arbeiterklasse.
5. Die Wahrnehmung des Fortschritts in England bei Heine und Weerth im Vergleich: Die Arbeit vergleicht die unterschiedlichen Sichtweisen der beiden Autoren und arbeitet die Differenzen in ihrer Beurteilung von technischem und sozialem Fortschritt heraus.
6. Schluss: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und zeigt auf, dass beide Autoren den Fortschritt als ambivalent empfanden, wobei sie unterschiedliche politische Konsequenzen daraus zogen.
Fortschritt, Industrialisierung, England, Heinrich Heine, Georg Weerth, Kapitalismus, soziale Frage, London, Klassengesellschaft, Vormärz, Revolution, Entfremdung, Arbeiterbewegung, Sozialismus, Gesellschaftskritik.
Die Arbeit analysiert die Wahrnehmung des sozialen und industriellen Fortschritts im England des 19. Jahrhunderts aus der Sicht der beiden deutschen Autoren Heinrich Heine und Georg Weerth.
Im Zentrum stehen die Folgen der industriellen Revolution, die entstehende Klassengesellschaft, die Rolle der politischen Institutionen und die kritische Bewertung ökonomischer Entwicklungen.
Das Ziel ist es, herauszuarbeiten, ob Heine und Weerth die beobachtete sozioökonomische Lage Englands als positiv oder negativ einstuften und welche Rolle der Begriff des „Fortschritts“ dabei spielt.
Die Arbeit nutzt eine literaturwissenschaftliche und historische Analyse, um die Texte („Englische Fragmente“ und „Skizzen“) vor dem Hintergrund der zeitgenössischen politischen Situation zu interpretieren.
Der Hauptteil gliedert sich in die getrennte Analyse von Heine und Weerth sowie einen abschließenden Vergleich, der ihre unterschiedlichen Perspektiven und Erkenntnisse gegenüberstellt.
Wichtige Begriffe sind Fortschritt, Industrialisierung, Kapitalismus, soziale Frage, Entfremdung und Klassenkampf.
Heine bleibt ein beobachtender Außenseiter, der England ästhetisch und politisch stark kritisiert, während Weerth als aktiver Teilnehmer vor Ort eine tiefere, sozioökonomische „Innensicht“ gewinnt und sich mit der Arbeiterbewegung identifiziert.
Zwischen den England-Aufenthalten von Heine (1827) und Weerth (1843-1846) liegen 16 Jahre industrieller Entwicklung, was dazu führte, dass Weerth die sozialen Kontraste und die Radikalisierung der Arbeiterklasse deutlicher wahrnehmen konnte.
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