Bachelorarbeit, 2012
41 Seiten, Note: 1,7
Philosophie - Praktische (Ethik, Ästhetik, Kultur, Natur, Recht, ...)
1. Einleitung
1.1. Problemstellung
1.2. Vorgehensweise
2. Begriffsklärung
2.1. Negative und positive Freiheit
2.2. Autonomie und Pluralismus
3. Autonomie und Pluralismus im Ethik-Unterricht
4. Die Paradoxie der liberalen Erziehung
4.1. Liberalismus
4.2. Bürgerlicher Republikanismus
4.3. Kommunitarismus
5. Die philosophischen Ressourcen
5.1. Autonomie-Beförderung und Pluralismus – Unvereinbar?
5.2. Autonomie befördern!
5.2.1. Autonomie und das gute Leben
5.2.2. Autonomie und staatliches Interesse
5.2.3. Autonomie, gutes Leben und staatliches Interesse
5.3. Pluralismus verteidigen!
5.4. Pluralismus und Autonomie als Grundlagen liberaler Erziehung
6. Liberale Erziehung im Spannungsfeld von Autonomie und Pluralismus
7. Autonomie-Beförderung im Ethik-Unterricht
8. Fazit
Die Arbeit untersucht die Frage, ob es im Ethik-Unterricht gerechtfertigt ist, die Autonomie von Schüler_innen zu befördern, ohne dabei in einen unauflösbaren Konflikt mit dem Pluralismus liberaler Gesellschaften zu geraten.
1.1. Problemstellung
In dem US-amerikanischen Gerichtsprozess Mozert vs. Hawkins County Board of Education, der Geschichte gemacht hat, zitierte der Richter Boggs dieses Gedicht. Es ging im Prozess um die Frage, ob der Staat das Recht hat, Kinder und Jugendliche in der Schule mit konkurrierenden Wert-Systemen zu konfrontieren. Die Kläger waren sieben fundamentalistisch-religiös eingestellte Familien. Sie wollten verhindern, dass ihre Kinder an der Schule an einem Lese-Programm teilnehmen müssen, welches gesellschaftliche Vielfalt an Auffassungen über das gute Leben aufzeigte. Sie begründeten ihre Forderung damit, dass es eine Einschränkung ihrer Religionsfreiheit wäre, wenn ihre Kinder in der Schule Werten ausgesetzt wären, die ihren eigenen entgegenstehen. Die Klage wurde abgewiesen (Stolzenberg 1993: 588).
Richter Boggs drückte seine „Traurigkeit“ über den Ausgang des Prozesses mit dem oben zitierten Gedicht aus, wenngleich er dem Ergebnis zustimmte. Seiner Meinung nach ist der Richterspruch der „circle that shut me (die Schüler_innen, F.M.) out“.“ Traurig machte ihn, dass die Schule nicht ein inklusiveres Kurrikulum auflegte, „a circle that drew him in“. Wie Nomi das „Stolzenberg, die sich mit dem Prozess eingehend beschäftigt hat, und die in dieser Arbeit noch eine wichtige Rolle spielen wird, bemerkt, kann das Gedicht aber auch genau entgegengesetzt gelesen werden. Das Lese-Programm, auf das alle Schüler_innen verpflichtet werden, kann auch als „circle that drew him in“, das Fernbleiben der Kinder vom entsprechenden Unterricht als „circle that shut me out“, nämlich von der Teilhabe an der demokratischen Gesellschaft, interpretiert werden (ebd.: 584f.).
1. Einleitung: Einführung in die Problemstellung und die methodische Vorgehensweise anhand der Paradoxie liberaler Erziehung.
2. Begriffsklärung: Definition zentraler Begriffe wie negative und positive Freiheit, Autonomie und Pluralismus im Kontext der philosophischen Debatte.
3. Autonomie und Pluralismus im Ethik-Unterricht: Untersuchung der Eignung des Ethik-Unterrichts zur Darstellung des Spannungsfeldes zwischen Autonomie und Pluralismus.
4. Die Paradoxie der liberalen Erziehung: Diskussion der Ansätze von Liberalismus, Bürgerlichem Republikanismus und Kommunitarismus hinsichtlich ihrer Unfähigkeit, die Paradoxie der liberalen Erziehung aufzulösen.
5. Die philosophischen Ressourcen: Untersuchung verschiedener philosophischer Positionen zur Frage, wie eine Autonomie-Beförderung mit dem Pluralismus-Ideal vereinbar gemacht werden kann.
6. Liberale Erziehung im Spannungsfeld von Autonomie und Pluralismus: Rückbesuch auf die Ausgangsthese, wonach ein Konflikt zwischen den beiden Werten unvermeidbar scheint.
7. Autonomie-Beförderung im Ethik-Unterricht: Entwicklung eines praktischen Vorschlags zur Umsetzung einer begrenzten Autonomie-Beförderung im Unterricht.
8. Fazit: Zusammenfassende Beantwortung der Forschungsfragen und Schlussfolgerungen zur Inklusivität liberaler Erziehung.
Autonomie, Pluralismus, liberale Erziehung, Ethik-Unterricht, Stolzenberg, negative Freiheit, positive Freiheit, gutes Leben, staatliche Neutralität, Indoktrination, deliberative Demokratie, Wertevermittlung, politische Bildung, Toleranz, Menschenwürde
Die Arbeit befasst sich mit der Spannung zwischen dem Ziel der Autonomie-Förderung in der staatlichen Erziehung und dem liberalen Anspruch auf gesellschaftlichen Pluralismus.
Zentrale Themen sind die Philosophie der Freiheit (positive vs. negative Freiheit), Theorien liberaler Erziehung und die Rolle der Schule in einer pluralistischen Gesellschaft.
Das Ziel ist zu klären, ob der Staat bzw. der Ethik-Unterricht die Autonomie von Heranwachsenden befördern kann, ohne dabei die Weltanschauungen von Eltern zu verletzen, die Autonomie als Ziel ablehnen.
Die Arbeit basiert auf einer philosophischen Analyse. Sie greift die "Paradoxie der liberalen Erziehung" nach Nomi Maya Stolzenberg auf und prüft verschiedene theoretische Gegenpositionen auf ihre Konsistenz und Anwendbarkeit.
Der Hauptteil analysiert, warum Ansätze wie Liberalismus, Republikanismus und Kommunitarismus an der Paradoxie scheitern, und diskutiert daraufhin Ansätze von Autoren wie Nussbaum und Galston, um eine Brücke zwischen Autonomie-Beförderung und Pluralismus zu schlagen.
Die zentralen Begriffe sind Autonomie, Pluralismus, liberale Erziehung, Ethik-Unterricht, Freiheit und das "gute Leben".
Sie stützt sich primär auf Isaiah Berlins Unterscheidung von negativer und positiver Freiheit und diskutiert Autonomie im Kontext der Fähigkeit zur Selbstbestimmung bezüglich der eigenen Lebensentwürfe.
Es dient als Metapher für den Ausschluss und die Inklusion. Es verdeutlicht das Dilemma, dass sowohl die Förderung von Autonomie als auch der Verzicht darauf bestimmte Schüler_innen von gesellschaftlicher Teilhabe ausschließen oder in ihren Identitäten gefährden kann.
Der Autor schlägt vor, Autonomie nicht als dogmatisches Ziel, sondern als Angebot zur kritischen Auseinandersetzung mit verschiedenen Lebensentwürfen zu begreifen, das auch respektvoll gegenüber nicht-autonomen Einstellungen bleibt.
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