Bachelorarbeit, 2013
70 Seiten, Note: 1,3
1 Einleitung
2 Theoretische Grundlagen
2.1 Die Diagnose einer "psychischen Erkrankung" unter dem Gesichtspunkt des Labeling Approach
2.2 Die Diagnose einer "psychischen Erkrankung" aus sozial-konstruktivistischer Sicht
2.3 Die Folgen von Stigmatisierung und Selbststigmatisierung aufgrund der Diagnose einer "psychischen Erkrankung"
2.4 Die Diagnose einer "psychischen Erkrankung" aus personenbezogener Sicht
2.5 Die Diagnose einer "psychischen Erkrankung" aus systemischer Sicht
2.6 Zusammenfassung und Ableitung der Hypothesen
3 Praxisteil: Welche Auswirkungen hat die Diagnose "bipolar" auf die von ihr Betroffenen?
3.1 Methodendarstellung und Interviewpartner
3.2 Ergebnisdarstellung
3.2.1 Umgang mit der Theorie der "genetischen Vorbelastung"
3.2.2 Persönliche Bedeutung der Diagnose und Selbstbild
3.2.3 Konsequenzen der Diagnose auf die berufliche Situation
3.2.4 Reaktionen anderer
3.2.5 Eigene Erklärungen der Probleme und ihrer Lösungsmöglichkeiten
3.3 Interpretation der Ergebnisse
3.3.1 Hypothese 1
3.3.2 Hypothese 2
4 Zusammenfassung und Schlussfolgerungen
5 Ausblick
Die vorliegende Bachelorarbeit untersucht die Macht psychiatrischer Diagnosen und geht der zentralen Forschungsfrage nach, ob die Zuweisung einer Diagnose wie "bipolar" den betroffenen Menschen erst krank macht oder dessen psychischen Zustand negativ beeinflusst. Mittels einer qualitativen Analyse von zwei Experteninterviews wird erforscht, inwieweit die Etikettierung zu Selbststigmatisierung, eingeschränkter Selbstwirksamkeit und einer Fixierung auf einen chronischen Krankheitsverlauf führt.
3.2.2 Persönliche Bedeutung der Diagnose und Selbstbild
M. hatte bereits vor der Diagnose den Verdacht "bipolar" zu sein, da sie nach ihrer Aussage seitdem sie 12 Jahre alt war jedes Jahr zwei "Krankheitsphasen" hatte. In ihrer Ausbildung zur Fachkrankenschwester für Psychiatrie und Neurologie lernte sie das "Krankheitsbild" kennen und erkannte sich selbst darin wieder (Appendix, Interview mit M., 14). Für sie war die Diagnose das "Beste was ihr passieren konnte," weil sie dadurch den Beweis hatte, dass sie "kein Versager" - nicht "einfach nur faul" - sei, sondern eine "richtige Krankheit" hatte (44 - 47). Ebenso fand sie es positiv, dass sie durch die Diagnose merkte, mit ihren Problemen nicht allein zu sein, weil es noch andere gibt, denen es genauso geht wie ihr. Mit anderen Betroffenen konnte sie erstmals über ihre Probleme sprechen, fand auch eine Selbsthilfegruppe, die ihr einen Austausch über gemeinsame Probleme ermöglichte (47 - 52). Sie erhoffte sich durch die Diagnose Verständnis und sah diese als Möglichkeit, endlich durch Medikamente Hilfe zu bekommen (53 - 57). Eine andere Option, außer einer medikamentösen Behandlung, hat ihr die Diagnose aber damals (Jahr 1990) nicht eröffnet - in ihrer Ausbildung hat sie gelernt, dass diese Krankheit nur mit Medikamenten behandelt wird und Psychotherapie sogar als kontraproduktiv angesehen wird (62 - 65). Dass es noch andere Möglichkeiten gibt, hatte sie erst später erfahren.
Mit der Diagnose konnte sie sich vollends identifizieren - alles, was sie über die "bipolare Erkrankung" gelesen hat, hat auf sie zugetroffen, es gibt nichts, worin sie sich nicht wiedererkannt hat; was sie "einfach nur toll" gefunden hat (193 - 198). Die Diagnose stellte für sie eine volle Bestätigung und auch Entlastung - in dem Sinne, dass sie "krank" ist und nicht einfach nur "schlechte Eigenschaften" hat - dar.
1 Einleitung: Die Arbeit thematisiert die Macht von psychiatrischen Diagnosen und stellt die Ausgangsfrage, ob diese den Menschen erst krank machen.
2 Theoretische Grundlagen: Es werden soziologische, sozial-konstruktivistische und systemische Ansätze sowie die Folgen von Stigmatisierung und der Einfluss von medizinischen Modellen theoretisch beleuchtet.
3 Praxisteil: Welche Auswirkungen hat die Diagnose "bipolar" auf die von ihr Betroffenen?: Mittels qualitativer Interviews wird untersucht, wie Betroffene mit ihrer Diagnose umgehen und welche individuellen Auswirkungen diese auf ihr Selbstbild und ihre Lebenswelt hat.
4 Zusammenfassung und Schlussfolgerungen: Die zentralen Erkenntnisse aus Theorie und Praxis werden zusammengeführt, um die Ausgangsfrage zu beantworten und die ambivalente Wirkung von Diagnosen kritisch zu hinterfragen.
5 Ausblick: Es wird diskutiert, wie ein reflektierterer Umgang mit Diagnosen aussehen kann, um die Gefahr der Festschreibung auf ein "Krankheitsbild" zu minimieren.
Psychische Erkrankung, Diagnose, Bipolar, Labeling Approach, Stigmatisierung, Selbststigmatisierung, Konstruktivismus, Systemische Sichtweise, Identität, Selbstbild, Genetische Vorbelastung, Qualitative Forschung, Psychotherapie, Krankheitsverständnis, Krankheitsverlauf.
Die Arbeit untersucht die Macht und die Auswirkungen der Zuweisung einer psychiatrischen Diagnose auf die betroffene Person.
Zentrale Themen sind Etikettierungsprozesse, Stigmatisierung, die Rolle von medizinischen Diagnosen im Alltag sowie die Bedeutung von Kontext und Identität.
Das Ziel ist herauszufinden, ob Diagnosen zur Selbststigmatisierung beitragen und ob sie – im Sinne einer selbsterfüllenden Prophezeiung – einen chronischen Krankheitsverlauf begünstigen.
Es wurde ein qualitatives Forschungsdesign gewählt, das zwei offene Interviews mit Betroffenen einer "bipolar"-Diagnose umfasst.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische fundierte Auseinandersetzung und einen Praxisteil, in dem Interviewergebnisse zu Themen wie "genetische Vorbelastung", Selbstbild und berufliche Konsequenzen interpretiert werden.
Wichtige Begriffe sind unter anderem Labeling Approach, Selbstwirksamkeit, chronischer Verlauf und systemische Sichtweise.
Die Arbeit zeigt, dass die subjektive Bedeutung und die Bewertung der Diagnose entscheidend sind; während M. die Diagnose als Entlastung empfand, führte sie bei B. zu einer schweren Identitätskrise und Selbststigmatisierung.
Die Autorin kritisiert die zu schnelle Vergabe von Diagnosen (z.B. mittels Fragebögen) sowie die oft einseitige Fixierung auf biologische Ursachen („genetische Vorbelastung“), die individuelle Lebenskontexte vernachlässigt.
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