Bachelorarbeit, 2014
41 Seiten, Note: 1,3
I. Einleitung
II. Metan
III. Imperium
IV. Ich werde hier sein im Sonnenschein und im Schatten
1. Dystopie – Parallelen zu Metan
2. Utopie – Parallelen zu Imperium
3. Kracht'sche Motivik
V. Fazit
Diese Arbeit untersucht die utopischen und dystopischen Elemente im Roman Ich werde hier sein im Sonnenschein und im Schatten von Christian Kracht, wobei sie diese in einen vergleichenden Kontext zu seinen Werken Metan (als dystopisches Referenzmodell) und Imperium (als utopisches Referenzmodell) stellt. Die Forschungsfrage fokussiert dabei auf die Analyse der Kracht'schen Motivik, seines speziellen Sprachstils sowie der Erzählerinstanzen, um das Werk als komplexe literarische Parabel innerhalb der Gegenwartsliteratur zu verorten.
IV. Ich werde hier sein im Sonnenschein und im Schatten
Auch Ich werde hier sein wurde bei seiner Publikation vielfach in der Presse diskutiert. Mit dem Handlungsraum des Romans, der „in einer Zeit [angelegt ist], die Vergangenheit und Zukunft zugleich ist“, mischt Kracht „die Weltgeschichte auf“ und hat eine Geschichte in der Art der Sience Fiction konstruiert, die beim besten Willen weder ein „deutscher Gegenwartsroman“, noch ein „richtiger Heimatroman [ist], obwohl die Schweiz, Geburtsland des Autors, darin eine prägnante Rolle spielt“. „Der Gattungshintergrund, in dem allein“ ein solch einerseits bizarr-groteskes und andererseits grandios-fiktionales Spiel dieser alternativen Weltgeschichte „möglich ist, heißt Phantastik“, geprägt von zahlreichen utopischen und dystopischen Elementen, wie sich im weiteren Textverlauf zeigen wird. Zunächst ist jedoch eine kurze Zusammenfassung des Inhalts gegeben: Protagonist ist ein afrikanischer, in der Schweiz ausgebildeter Offizier, der sich – zeitgleich als namenloser Ich-Erzähler – in dem bereits fast 100 Jahre andauernden Krieg, zwischen den „europäischen Großmächte[n]“ und den „ins Geschichtemachen nachdrängenden 'Amexikaner[n]'“, nachdem er vom „Revolutionskomitee in Schweizerisch-Salzburg“ den Befehl erhalten hatte, „den hiesigen Sowjet, einen gewissen Oberst Brazhinsky sofort festzunehmen“, auf der Suche nach diesem quer durch die Schweiz, die „der Zürcher Exilant Lenin […] bolschewisiert hat, statt nach Russland zurückzukehren“, befindet. Dabei ist zu beachten, dass das Szenario des „Totalitarismus einer kommunistischen Schweiz“, im Grunde eine Weiterführung der Erzählung des „latent nationalsozialistisch[en]“ Deutschlands, „das der Ich-Erzähler in Faserland durchreist“, ist, was auch ein Beleg für die Klassifizierung seiner ersten drei Romane als Trilogie darstellt; angefangen mit 1979 bewegt sich Krachts Ich-Erzähler quasi von einem (faschistischen) Regime zum nächsten.
I. Einleitung: Diese Einleitung führt in das Untersuchungsthema ein und definiert den methodischen Rahmen der Analyse utopischer und dystopischer Elemente in den Romanen von Christian Kracht.
II. Metan: Dieses Kapitel liefert eine Inhaltsangabe des Romans Metan und eine theoretische Definition des Dystopie-Begriffs, um das Werk als dystopische Fiktion einzuordnen.
III. Imperium: Das Kapitel bietet eine Inhaltsanalyse des Romans Imperium sowie eine Definition utopischer Literatur, um das utopische Potenzial der Engelhardt-Kolonie zu untersuchen.
IV. Ich werde hier sein im Sonnenschein und im Schatten: Hier werden utopische und dystopische Motive sowie die spezifische Kracht'sche Motivik und Erzählweise im Fokusroman detailliert analysiert und mit den anderen beiden Werken verknüpft.
V. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und bewertet das Werk als komplexe Kombination utopischer und dystopischer Erzählmuster, die sich einer eindeutigen Zuordnung entziehen.
Christian Kracht, Ich werde hier sein im Sonnenschein und im Schatten, Metan, Imperium, Dystopie, Utopie, Popliteratur, alternative history, Totalitarismus, Erzählerinstanz, Motivik, Kriegsszenario, Anthropophagie, Kokovorismus, Intertextualität
Die Arbeit analysiert utopische und dystopische Elemente in Christian Krachts Roman Ich werde hier sein im Sonnenschein und im Schatten und stellt diese in einen Kontext zu seinen Werken Metan und Imperium.
Zentral sind die literarische Darstellung von Utopie und Dystopie, das Konzept der "alternative history", der Einfluss politischer Ideologien auf die Erzählung sowie die Kracht'sche Motivik.
Das Ziel ist eine fundierte Analyse der dystopischen und utopischen Motivik im Sonnenschein-Roman unter Berücksichtigung von Krachts individuellem Sprachstil und der gewählten Erzählerinstanzen.
Die Arbeit nutzt einen komparativen literaturwissenschaftlichen Ansatz, bei dem definitorische Merkmale von Utopie und Dystopie auf die Primärtexte angewendet und vergleichend gegenübergestellt werden.
Der Hauptteil gliedert sich in drei Abschnitte, die jeweils Metan, Imperium und den Sonnenschein-Roman analysieren, wobei Parallelen in Motiven, Ideologien und Erzähltechniken herausgearbeitet werden.
Wichtige Begriffe sind u.a. Christian Kracht, Dystopie, Utopie, alternative history, Totalitarismus und das Projekt Menschheit.
Die Autorin ordnet Krachts spätere Werke kritisch ein und betont, dass seine Bücher über eine reine Popliteratur-Zuordnung hinausgehen und sich konventionellen literarischen Diskursen entziehen.
Die Kokosnuss wird als gottgleiches Element und symbolische Basis für den Utopie-Versuch August Engelhardts analysiert, dessen Scheitern in den Kannibalismus führt.
Das Ende wird als ambivalent diskutiert, einerseits als Scheitern der dystopischen Welt, andererseits als Möglichkeit einer neuen, vorzivilisatorischen Ordnung durch die Rückkehr des Ich nach Afrika.
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