Masterarbeit, 2012
103 Seiten, Note: 1,7
Geschichte Europas - Neuzeit, Absolutismus, Industrialisierung
1. Einleitung und Fragestellung
2. Literatur- und Forschungsüberblick
3. Quellen
4. Marienthal am Vorabend seiner Aufhebung: Ein prosopographischer Überblick
4.1.Die Nonnen und ihre Funktionen
4.2.Altersdurchschnitt und Gesundheitszustand
4.3.Herkunft
4.4.Weitere Klosterbewohner
5. Der Aufhebungsakt und seine Folgen für das klösterliche Leben bis zum endgültigen Austreten der Nonnen (26. April - 30. Juni 1783)
5.1.Administrativer Hintergrund der Klosteraufhebung: der Religionsfonds
5.2.Die Enteignung der Klosterfrauen
5.3.Die Entmündigung der Klosterfrauen
6. Die nachklösterlichen Existenzen der Marienthaler Ex-Religiosen
6.1.Die Wahl ihrer nachklösterlichen Lebensform
6.2.Die Wahl ihres nachklösterlichen Aufenthaltsorts
6.3.Der endgültige Auszug aus dem Kloster
6.4.Ein ärmliches Leben unter staatlicher Obhut
7. Die nachklösterlichen Existenzen der anderen Klosterbewohner
7.1.Die Novizin Magdelaine Keffeler
7.2.Die Pensionärin Thérèse de Keiffen
7.3.Die Vikare Jacques Ketter und Antoine Beck
7.4.Die drei Hausangestellten
8. Das Marienthal nach dem Auszug der Dominikanerinnen
9. Schlussfolgerung
Diese Arbeit ist eine kultur- und sozialgeschichtliche Fallstudie, welche die josephinische Klosterpolitik zwischen 1783 und 1792 im Herzogtum Luxemburg untersucht. Das primäre Ziel besteht darin, die Auswirkungen der Klosteraufhebung auf die Dominikanerinnen von Marienthal sowie deren nachklösterliche Existenz zu beleuchten, um ein umfassendes Bild der Säkularisation und ihrer sozialen Konsequenzen für die betroffenen Klosterfrauen und sonstigen Bewohner zu zeichnen.
4. Marienthal am Vorabend seiner Aufhebung: Ein prosopographischer Überblick
Eine erste, von Joseph II. im April 1782 angeordnete Erfassung des klösterlichen Personalbestandes liefert detaillierte Informationen über die Zusammensetzung des Klosters am Vorabend seiner Aufhebung. Diese listet die 29 zum damaligen Zeitpunkt im Konvent lebenden Religiosen dem Professjahr nach mit Geburtsort, Alter, Datum der Profess, Rente, Ersparnissen, persönlichen Gegenständen und Krankheiten auf, nachdem sie an erster Stelle, der Konventhierarchie folgend, die Priorin und Subpriorin nennt. Außerdem ist die Aufzählung in folgende drei Unterkategorien eingeteilt: religieuses professes, soeurs converses, novice. Dieser Liste zufolge setzte sich die Frauengemeinschaft aus 18 sogenannten Religieuses professes, also Chorfrauen, 10 als Soeurs converses bezeichneten Laienschwestern und einer Novizin zusammen.
Seit der Klostergründung 1234 gewährte das Kloster nur den Angehörigen großer Adelsfamilien das Ablegen der feierlichen Profess, das heißt das Ablegen der Gelübde der Armut, der Ehelosigkeit und des Gehorsams, und somit den Status der Chorfrau. Diesen Schwestern war das tägliche zu den sieben kanonischen Stunden stattfindende Gebet im Chor vorbehalten. Ihr klösterlicher Alltag begann bereits mit der eineinhalb bis zwei Stunden dauernden Mette um Mitternacht. Nach der zweiten Etappe der Nachtruhe versammelten sie sich zu Laudes und Prim erneut im Chor. Der Tagesablauf wurde weitere drei Mal zur Terz, Sext und Non unterbrochen. Vesper und Komplet vollendeten das Stundengebet. Zwischen Prim und Terz kamen die Chorfrauen zum Kapitel mit geistlicher Lesung, Totengebet und öffentlichem Bekenntnis von Verfehlungen mit anschließender Buß-Festsetzung der Priorin im Kapitelsaal zusammen. Ihr Tagesablauf war also durch eine dichte Abfolge geistlicher Verrichtungen geprägt und ließ nur wenig Spielraum für alltägliche Aufgaben.
1. Einleitung und Fragestellung: Diese Einleitung führt in die historische Situation der Klosteraufhebungen unter Joseph II. im Herzogtum Luxemburg ein und stellt die Relevanz der Untersuchung der Marienthaler Dominikanerinnen dar.
2. Literatur- und Forschungsüberblick: Dieser Abschnitt ordnet das Vorhaben in den aktuellen Forschungsstand ein und kritisiert das bisherige Fehlen geschlechtergeschichtlicher Ansätze bei der Analyse josephinischer Klosteraufhebungen.
3. Quellen: Der Teil gibt einen Überblick über die exzellente Quellenlage in den Archives Nationales de Luxembourg, insbesondere zu den Beständen, die den Prozess der Säkularisation dokumentieren.
4. Marienthal am Vorabend seiner Aufhebung: Ein prosopographischer Überblick: Hier wird die Zusammensetzung des Konvents anhand von Personalbestandsaufnahmen detailliert analysiert, um die Lebensverhältnisse und die Hierarchie innerhalb des Klosters zu verstehen.
5. Der Aufhebungsakt und seine Folgen für das klösterliche Leben bis zum endgültigen Austreten der Nonnen (26. April - 30. Juni 1783): In diesem Kapitel wird der administrative Ablauf der Auflösung, inklusive der Enteignung und Entmündigung der Ordensfrauen, minutiös rekonstruiert.
6. Die nachklösterlichen Existenzen der Marienthaler Ex-Religiosen: Die Studie widmet sich hier den verschiedenen Lebensentwürfen und dem Überlebenskampf der ehemaligen Nonnen nach ihrer Vertreibung aus dem klösterlichen Lebensraum.
7. Die nachklösterlichen Existenzen der anderen Klosterbewohner: Dieser Abschnitt beleuchtet das Schicksal von Randgruppen im Kloster wie der Novizin, der Pensionärin, der Vikare und der Hausangestellten, die in den offiziellen Edikten oft nicht beachtet wurden.
8. Das Marienthal nach dem Auszug der Dominikanerinnen: Das letzte inhaltliche Kapitel untersucht die geplante und tatsächliche Nachnutzung der Klostergebäude, etwa als Militärhospiz, und die damit verbundenen lokalen Konflikte.
Josephinismus, Marienthal, Dominikanerinnen, Klosteraufhebungen, Säkularisation, Herzogtum Luxemburg, Frauenkloster, Adelsstifte, Klosterpersonal, Joseph II., nachklösterliche Existenz, Religionsfonds, Sozialgeschichte, Kulturgeschichte, Existenzängste
Die Arbeit untersucht die Auflösung des Dominikanerinnenklosters Marienthal im Herzogtum Luxemburg unter Kaiser Joseph II. am Ende des 18. Jahrhunderts.
Im Zentrum stehen der Prozess der Klosteraufhebung, die administrative Enteignung, die nachklösterliche Lebensgestaltung der Ordensschwestern sowie das Schicksal der weiteren Klosterbewohner.
Das Ziel ist es, ein vollständiges Bild der Auswirkungen der josephinischen Klosterpolitik auf weibliche Konvente zu zeichnen und zu ergründen, wie die betroffenen Frauen ihre Existenz nach der Auflösung des Klosters organisierten.
Die Autorin wählt einen kultur- und sozialgeschichtlichen Ansatz, wobei sie eine prosopographische Analyse des Personals vornimmt und primär auf archivarisches Quellenmaterial aus den Archives nationales du Luxembourg zurückgreift.
Der Hauptteil gliedert sich in die prosopographische Bestandsaufnahme, die administrative Rekonstruktion der Aufhebung, die nachklösterlichen Lebenswege der Nonnen sowie die spezifischen Lösungen für weltliche Klosterbewohner.
Typische Begriffe sind Josephinismus, Säkularisation, Dominikanerinnen, Marienthal, Klosterpolitik und Sozialgeschichte der Klöster.
Die adlige Herkunft der Chorfrauen prägte den Charakter des Klosters als exklusive Einrichtung, bot jedoch keinen Schutz vor der staatlichen Säkularisationspolitik, welche die betroffenen Frauen rechtlich und finanziell in die Abhängigkeit des Staates drängte.
Ja, die Arbeit untersucht explizit das Schicksal von Laienschwestern, Hausangestellten, Vikaren und einer Pensionärin, deren prekäre Situation durch das Fehlen expliziter staatlicher Regelungen für diese Personengruppen noch verschärft wurde.
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