Examensarbeit, 2011
74 Seiten, Note: 2,0
1. Einleitung
2. Die Entwicklung der Novelle nach 1945 bis in die Gegenwart
3. Zur Erzählbarkeit des Holocaust und der Thematisierung der Ereignisse des zweiten Weltkriegs in der deutschen Gesellschaft
4 Hartmut Lange: Das Konzert 1986
4.1 Zum Inhalt
4.2 Darstellungsweise der NS-Thematik
4.2.1 Die Welt der Toten und die Wirkung des Unheimlichen
4.2.2 Schuld und Sühne
4.3 Der Bezug auf die Tradition – gattungsspezifische Merkmale der Novelle
5. Thomas Lehr: Frühling 2001
5.1 Zum Inhalt
5.2 Zur Darstellung der NS-Thematik
5.2.1 Das sprachliche Experiment und seine Bedeutung
5.2.1.1 Die Interpunktion
5.2.1.2 Zur Rolle des Schweigens
5.3 Der Bezug auf die Tradition- gattungsspezifische Merkmale der Novelle
6. Günter Grass: Im Krebsgang 2002
6.1 Zum Inhalt
6.2 Die Darstellung der NS-Thematik
6.2.1 Der Drang des Erzählens
6.3 Der Bezug auf die Tradition –gattungsspezifische Merkmale der Novelle
7. Marlene Streeruwitz: Morire in levitate 2004
7.1 Zum Inhalt
7.2 Die Darstellung der NS-Thematik
7.2.1 Der Ausdruck der Melancholie und der Aspekt der Schuldübernahme
7.3 Der Bezug auf die Tradition – gattungsspezifische Merkmale der Novelle
8. Arno Surminski: Die Vogelwelt von Auschwitz 2008
8.1 Zum Inhalt
8.2 Darstellung des NS-Thematik
8. 2.1 Das Groteske der sprachlichen Gestaltung
8.3 Der Bezug auf die Tradition- gattungsspezifische Merkmale der Novelle
9. Hartmut Lange: Im Museum 2011
9.1 Zum Inhalt und dem Stil von Hartmut Lange
9.2 Darstellungsweise der NS-Thematik
9.2.1 Die Angehörigen Hitlers und der unheimliche Schatten
9.3 Der Bezug auf die Tradition – gattungsspezifische Merkmale der Novelle
10. Schlussbetrachtung
Die vorliegende Arbeit untersucht, inwiefern zeitgenössische Novellen zwischen 2000 und 2011 zur literarischen Aufarbeitung der nationalsozialistischen Vergangenheit beitragen und ob die Novelle als Gattung heute noch ihre Relevanz und Wirksamkeit entfaltet. Dabei wird analysiert, wie Autoren durch spezifische formale und erzählerische Mittel die Erinnerungskultur und das kollektive Gedächtnis thematisieren.
4.2.1 Die Welt der Toten und die Wirkung des Unheimlichen
Die Handlung der Novelle spielt sich nur unter Toten ab, in einer Art Parallelwelt. Trotz der Tatsache, dass die Protagonisten nicht mehr am Leben sind, bewegen sie sich im Nachkriegsberlin und zugleich in jenem Berlin, wie es vor der Zerstörung zur Zeit des zweiten Weltkriegs war. Deutlich wird das an folgendem Zitat:
„Für ihn war die Gegend, die man Unter den Linden nannte, noch in dem Zustand, den er vor Augen gehabt hatte, bevor er gestorben war. Aber er hatte auch, und ist das Geheimnis der Toten, den Blick für das Gegenwärtige, und so sah er gleichzeitig, daß es diese Schloß nicht mehr gab und dass man eben an jenem Platz, auf den er sich zu bewegte, eine Monstrosität aus Glas und Beton errichtet hatte.“
Immer wieder gerät der Leser in Zweifel, was nun an der Beschreibung real ist und was nicht – schließlich wird erst nach einiger Zeit deutlich, dass die Toten zwar die Lebenden wahrnehmen, die Lebenden jedoch nicht die Toten. Die Verwirrung entsteht vor allem durch die nüchterne Beschreibung Langes, wo Tote Zigaretten rauchen, übermüdet sind, im Tiergarten spazieren gehen, ihre Garderobe wechseln und in Villen wohnen, die es nicht mehr gibt.
1. Einleitung: Definition des Untersuchungszeitraums und Einführung in die literarische Bedeutung der Novelle bei der Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus.
2. Die Entwicklung der Novelle nach 1945 bis in die Gegenwart: Darstellung der Entwicklung und Wandlungsfähigkeit der Gattung, die trotz anderslautender Thesen auch in der Gegenwartsliteratur präsent bleibt.
3. Zur Erzählbarkeit des Holocaust und der Thematisierung der Ereignisse des zweiten Weltkriegs in der deutschen Gesellschaft: Analyse der gesellschaftlichen Rolle des Erinnerns und der Schwierigkeit, den Holocaust literarisch zu fassen.
4 Hartmut Lange: Das Konzert 1986: Untersuchung einer Novelle über eine Parallelwelt aus Toten, die sich mit der Schuld der Vergangenheit auseinandersetzen.
5. Thomas Lehr: Frühling 2001: Analyse eines formal experimentellen Werkes, das durch die Zerstörung syntaktischer Regeln den Zustand der Verzweiflung der Nachkriegsgeneration widerspiegelt.
6. Günter Grass: Im Krebsgang 2002: Betrachtung der Aufarbeitung einer historischen Katastrophe, des Untergangs der Wilhelm Gustloff, durch die Enkelgeneration.
7. Marlene Streeruwitz: Morire in levitate 2004: Analyse der emotionalen Last der Enkelgeneration und der psychologischen Auswirkungen nationalsozialistischer Familiengeschichte.
8. Arno Surminski: Die Vogelwelt von Auschwitz 2008: Untersuchung einer grotesken Erzählweise, die durch eine nüchterne Sprache den Horror des Konzentrationslagers kontrastiert.
9. Hartmut Lange: Im Museum 2011: Erörterung der Wirksamkeit der Vergangenheit in öffentlichen Erinnerungsorten und der Symbolik Adolf Hitlers als unheilschwangere Figur.
10. Schlussbetrachtung: Zusammenfassendes Fazit zur Bedeutung der literarischen Aufarbeitung und der anhaltenden Wichtigkeit des Erinnerns.
Novelle, Nationalsozialismus, Holocaust, Erinnerungskultur, Gegenwartsgeschichte, Schuld, Sühne, Kollektives Gedächtnis, Vergangenheitsbewältigung, Erzähltheorie, Generationenwechsel, literarische Tradition, Traumata, Identität.
Die Arbeit untersucht, wie zeitgenössische deutsche Novellen die nationalsozialistische Vergangenheit thematisieren und durch literarische Mittel im kollektiven Gedächtnis präsent halten.
Zentrale Themen sind Schuld und Sühne, der intergenerationelle Umgang mit der Geschichte, die Rolle des Schweigens sowie die ästhetische Darstellung von Traumata.
Ziel ist es zu zeigen, dass die Novelle trotz ihrer Geschichte ein flexibles und modernes Instrument ist, um komplexe gesellschaftliche Fragen der Vergangenheitsaufarbeitung zu reflektieren.
Es handelt sich um eine vergleichende Literaturanalyse, die verschiedene Novellen hinsichtlich ihrer formästhetischen Gestaltung und ihres Bezugs auf traditionelle Gattungsmuster untersucht.
Der Hauptteil analysiert sechs spezifische Novellen von Autoren wie Hartmut Lange, Thomas Lehr, Günter Grass, Marlene Streeruwitz und Arno Surminski und deren individuelle literarische Verarbeitungsstrategien.
Besonders prägend sind Begriffe wie "unerhörte Begebenheit", "Erinnerungskultur", "Intergenerationelle Schuld" und die "Struktur des Scheiterns".
Lange verbindet oft eine nüchterne, sachliche Sprache mit mystischen, unheimlichen Elementen, um die Irritation des menschlichen Bewusstseins angesichts der Vergangenheit hervorzurufen.
Lehr zerstört die gewohnten syntaktischen Regeln der deutschen Sprache, insbesondere die Interpunktion, um den psychischen Ausnahmezustand und die Verzweiflung seines Protagonisten direkt erlebbar zu machen.
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