Diplomarbeit, 2001
109 Seiten, Note: 1,3
1 Einleitung
1.1 Prolog
1.2 Zum Inhalt
2 Theorieteil
2.1 Bemerkungen
2.2. Das Theoriekonzept Zygmunt Baumans
2.2.1 Die Moderne
2.2.2 Der Nationalstaat als Verkörperung des modernen Denkens
2.2.3 Der Fremde
2.2.4 Die Assimilationsfalle
2.2.5 Exkurs I: der Fremde bei Simmel
2.2.6 Die Postmoderne
2.2.7 Gesellschaftlichkeit
2.2.8 Vorgestellte Gemeinschaften
2.2.9 Vagabunden und Touristen
2.2.10 Exkurs II : Der Begriff der Leitkultur bei Bassam Tibi
2.3 Die Theorie der Wanderungssoziologe bei Esser
2.3.1 Spiegelbild moderner Vorstellungen
2.3.2 Zentrale Begrifflichkeiten
2.3.3 Die Wirkung der Umwelteinflüsse auf das assimilative Handeln
2.3.4 Die Eingliederung als Prozeß
2.3.5 Innerethnische Enklaven
2.3.6 Formen der partiellen Anpassung
2.3.7 Die multiethnische Gesellschaft bei Esser
2.4 Zusammenfassung und Abgleich der theoretischen Ausarbeitung
2.5 Überleitung zum zweiten Komplex
3 Die VertragsarbeitnehmerInnen
3.1 Statistische Angaben
3.2 Zur Situation der vietnamesischen VAN in der DDR
3.2.1 Politisch – rechtliche Rahmenbedingungen
3.2.2 Der Aufenthaltsstatus
3.2.3 Aufenthaltsdauer
3.2.4 Die Sprachkurse
3.2.5 Die Wohnsituation
3.3 Wendezeit
3.3.1 Die politische Entwicklung
3.3.2 Der Einigungsvertrag
3.3.3 Die Wendezeit im Leben der VAN
3.4 Die ehemaligen VertragsarbeitnehmerInnen nach der Wende
3.4.1 Der Aufenthaltsstatus
3.4.2 Der Weg zum Bleiberecht
3.4.3 Die Bleiberechtsregelung
3.4.4 Probleme bei der Umsetzung des Bleiberechts
3.4.5 Schlußpunkt: Das neue Staatsangehörigkeitsgesetz
4 Bewertung der Lebenssituation der vietnamesischen ehemaligen VAN
4.1 Die Lebenssituation vor der Wende
4.2 Die Lebenssituation während und nach der Wende
4.2.1 Die Auswirkungen der aufenthaltsrechtlichen Bestimmungen
4.2.2 Die ethnische Ökonomie
4.2.3 Die Selbstverortung der vietnamesischen VAN
4.2.4 Touristen und Vagabunden II
5 Resümee
Die Arbeit verfolgt das Ziel, die Lebenssituation ehemaliger vietnamesischer VertragsarbeiterInnen der DDR nach der politischen Wende als eine "postmoderne Existenz" zu charakterisieren, indem sie den Wandel von den restriktiven, als "modern" eingestuften Lebensbedingungen in der DDR hin zu einer Situation der Ambivalenz und Unsicherheit nach der Wende analysiert.
Die Postmoderne
Mit der Erkenntnis der Unmöglichkeit der Assimilation erlischt nach Bauman auch der assimilatorische Eifer der Moderne. Die Moderne muß also lernen, mit ihrer eigenen Unmöglichkeit zu leben, muß lernen, sich in Werturteilen zurückzuhalten und Toleranz zu üben (vgl. Bauman 1995b, S. 333). Dies ist der erste Schritt hin zu einer postmodernen Existenz, einer Welt der universalen Partikularität die durch Vielfalt und nicht länger durch Einheitlichkeit gekennzeichnet ist. Wichtig anzumerken ist hierbei auch, daß der Umgang mit Ambivalenz nun nicht mehr eine Sache des Staates oder generell übergeordneter Institutionen ist, sondern auf das einzelne Individuum verlagert wurde (a.a.O., S. 239). Dieser erste Schritt zur Emanzipation ist also die Anerkennung der Tatsache, daß außer der unseren noch andere Lebensarten existieren, die nicht weniger wert sind als unsere eigene Lebensweise.
Die eigene Kontingenz muß also akzeptiert werden (a.a.O., S. 285). Damit erlischt auch die Vorstellung von der einen Wahrheit und – in der Konsequenz – das Gefühl der Sicherheit in jeglicher Hinsicht (a.a.O., S. 288). Die postmoderne Existenz ist also als bar jeglicher Gewißheit zu bezeichnen (a.a.O., S. 288).
Der Nationalstaat sieht somit seine Rolle nicht länger darin, Ordnung und Homogenität in jeder Hinsicht zu schaffen. Die Ambivalenz wurde also von der öffentlichen in die private Sphäre verlagert. Jedes Individuum ist von nun an aufgerufen, selbst mit den Uneindeutigkeiten des Lebens umzugehen. An dieser Stelle bezieht sich Bauman auch ausdrücklich auf das Luhmansche Bild des `sozial ortlosen´ Menschen (vgl. a.a.O., S. 123), der Mitglied in vielen verschiedenen Teilsystemen der Gesellschaft ist, keinem aber vollständig angehört. Der (post)moderne Mensch ist somit überall ein Fremder, muß lernen, mit Unsicherheiten und Uneindeutigkeiten umzugehen, also das beste daraus zu machen.
1 Einleitung: Die Arbeit führt in die Thematik ein und begründet die Anwendung baumanscher und esserscher Theorien zur Analyse der Lebenssituation vietnamesischer ehemaliger VertragsarbeiterInnen.
2 Theorieteil: Dieser Abschnitt erläutert die theoretischen Grundlagen des Konzepts der Postmoderne nach Bauman sowie der Wanderungssoziologie nach Esser, um einen Rahmen für die Untersuchung zu schaffen.
3 Die VertragsarbeitnehmerInnen: Hier werden die politischen Rahmenbedingungen, statistische Daten und die spezifische Situation der VertragsarbeiterInnen in der DDR sowie der Wendezeit detailliert beschrieben.
4 Bewertung der Lebenssituation der vietnamesischen ehemaligen VAN: Das Kapitel verknüpft die theoretischen Modelle mit den realen Erfahrungen der Migrantengruppe und belegt deren postmoderne Existenzweise durch die Analyse von Selbstverortung und Migrationsbiografien.
5 Resümee: Die Arbeit fasst die Ergebnisse zusammen und bestätigt, dass die Lebenssituation der ehemaligen vietnamesischen VertragsarbeiterInnen als postmoderne Existenz begriffen werden kann, die sich durch den Übergang vom Vagabundentum zum Touristen charakterisieren lässt.
Postmoderne, Moderne, VertragsarbeiterInnen, Migration, Assimilation, Integration, Fremdheit, Nationalstaat, Ambivalenz, Lebenssituation, Identität, DDR, Wendezeit, Vagabund, Tourist.
Die Diplomarbeit untersucht die Lebenssituation vietnamesischer ehemaliger VertragsarbeiterInnen in der DDR nach der politischen Wende vor dem Hintergrund soziologischer Konzepte der Moderne und Postmoderne.
Die Arbeit behandelt die Themen Migration, Integration, Assimilation, nationale Identität und die soziologischen Bedingungen, unter denen Migranten in einer sich wandelnden Gesellschaft leben.
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, dass die Lebenssituation der betroffenen Migranten nach der Wende als "postmoderne Existenz" verstanden werden kann, nachdem ihre Situation in der DDR als typisch "modern" zu klassifizieren war.
Die Arbeit verwendet einen theoretisch-analytischen Ansatz. Sie stützt sich auf die soziologischen Modelle von Zygmunt Bauman und Hartmut Esser, um empirische Daten und Aussagen aus anderen Untersuchungen zu interpretieren und einzuordnen.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung, eine historische Beschreibung der Lebensbedingungen der VertragsarbeiterInnen in der DDR sowie eine Bewertung dieser Situation vor, während und nach der Wende.
Zu den wichtigsten Begriffen gehören: Postmoderne, Moderne, Assimilation, Integration, Fremdheit, VertragsarbeiterInnen, Ambivalenz und Identität.
Weil sie sich zwischen der Herkunfts- und Aufnahmegesellschaft befinden, von existenzieller Unsicherheit geprägt sind, eine hohe Flexibilität zeigen müssen und keine eindeutige, dauerhafte Zugehörigkeit mehr erleben, was typisch für postmoderne Lebensentwürfe ist.
Diese dienen als Metaphern für die verschiedenen Stadien der Migrationserfahrung: Die Phase unmittelbar nach der Wende ist durch die unfreiwillige Prekarität des "Vagabunden" gekennzeichnet, während die spätere Stabilisierung eher der Wahlfreiheit des "Touristen" entspricht.
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