Masterarbeit, 2014
82 Seiten, Note: 1,0
0. EINLEITUNG
1. AUTOBIOGRAPHISCHES ERINNERN
1.1 DER (RE-)KONSTRUKTIVE CHARAKTER VON ERINNERUNGEN
1.2. EPISODISCHE KONSTRUKTION DES PERSÖNLICHEN MYTHOS
2. AUTOBIOGRAPHIE, FAKTIZITÄT UND WAHRHEIT
2.1. OBJEKTIVE AUTOBIOGRAPHISCHE WAHRHEIT
2.2. DIE INNERE WAHRHEIT DES AUTOBIOGRAPHEN
3. DIE AUFLÖSUNG FAKTUALER HISTORIOGRAPHIE: HAYDEN WHITE
4. DIE FIKTIVE AUTOBIOGRAPHIE
4.1. BEGRIFFSBESTIMMUNG
4.2. AUFLÖSUNG VON REFERENZIALITÄT: DER ICH-ERZÄHLER
4.3. PRODUKTIVE AUFNAHME TRADITIONELLER MUSTER: PARODIE
5. JULIAN BARNES’ THE SENSE OF AN ENDING
5.1. DIE REKONSTRUKTION EINER LEBENSEPISODE
5.1.1. ROBSONS UND ADRIANS SUIZID
5.1.2. ERZWUNGENE MODIFIKATION DES LEBENSNARRATIVS
5.2. TEXT ALS SELBSTKOMMENTAR
5.2.1. METADISKURS I: KONSTRUKTION VON LEBENSGESCHICHTE
5.2.2. METADISKURS II: HISTORIOGRAPHIE
6. ZUSAMMENFASSUNG
Die vorliegende Arbeit untersucht die Konstruktion und Unsicherheit von Erinnerungen in Julian Barnes' Roman "The Sense of an Ending". Dabei steht die zentrale Forschungsfrage im Mittelpunkt, wie der Protagonist Tony Webster sein eigenes Lebensnarrativ durch retrospektive Modifikationen und metadiskursive Reflexionen konstruiert, auflöst und neu bewertet.
1.1 DER (RE-)KONSTRUKTIVE CHARAKTER VON ERINNERUNGEN
Unsere Erinnerungen bzw. unsere innere Geschichten sind nur unter Selektion konstruierbar. Dieser Selektionsprozess wird von uns selbst vorgenommen. Wir können uns nicht orientieren, wenn wir alle unsere Erinnerungen zur Hand hätten und nichts vergessen könnten. Einen absoluten, allwissenden Zugriff auf seine Erinnerungen hat niemand. Unser Zugriff auf die Geschichte verläuft in der Regel abrissartig und nie vollständig. Das bedeutet auch, dass Erinnerungen zwangsläufig nicht immer Kohärenz und Vollständigkeit aufweisen. Darüber hinaus werden diese Erinnerungen bearbeitet, in gewissem Sinne deformiert, sodass sie in die Erzählung unserer inneren Geschichte eingepasst werden können. Bartlett stellt fest, dass buchstäbliche Erinnerung in einer Welt mit sich ständig verändernden Umwelteinflüssen nicht wichtig ist. Vielmehr zeigen seine Studien, dass diese Art des Erinnerns der absolute Ausnahmefall ist. In höherem Maße sind Erinnerungen Konstruktionen, die an unseren gegenwärtigen Zustand gebunden sind, denn personale Erinnerung entsteht letztlich im Kontext von Zielen, Wünschen und persönlichen Einstellung des betreffenden Subjekts. Erinnerungen sind also weniger Reproduktionen als Konstruktionen. Menschen konstruieren dabei nur Nahrungsszenarien. Bartlett zeigt außerdem, dass Details, die nicht mehr vorhanden sind oder verschütt gegangen sind, auch erfunden werden können. Erinnern ist für ihn daher „condensation, elaboration and invention.“
0. EINLEITUNG: Die Einleitung führt in die Problematik der Erinnerungskonstruktion ein und definiert den theoretischen Rahmen, in dem das Zusammenspiel von Identität, Narrativ und subjektiver Wahrnehmung untersucht wird.
1. AUTOBIOGRAPHISCHES ERINNERN: Dieses Kapitel erläutert die psychologischen und narrativen Grundlagen, wie Menschen ihre Erfahrungen durch das Erzählen zu einem kohärenten Selbstkonzept verknüpfen.
2. AUTOBIOGRAPHIE, FAKTIZITÄT UND WAHRHEIT: Es wird die Frage diskutiert, inwiefern der Wahrheitsanspruch der Autobiographie angesichts ihrer konstruktiven Natur als literarisches Genre aufrechterhalten werden kann.
3. DIE AUFLÖSUNG FAKTUALER HISTORIOGRAPHIE: HAYDEN WHITE: Dieses Kapitel analysiert Hayden Whites Thesen zur Narrativität historischer Texte und deren Übertragbarkeit auf die autobiographische Fiktion.
4. DIE FIKTIVE AUTOBIOGRAPHIE: Hier wird der Gattungsbegriff der "fiktiven Autobiographie" theoretisch bestimmt und als Mittel zur parodistischen Selbstreflexion identifiziert.
5. JULIAN BARNES’ THE SENSE OF AN ENDING: Das Hauptkapitel untersucht anhand des Romans, wie der Protagonist durch unzuverlässiges Erzählen und Metadiskurse sein Lebensnarrativ umdeutet und dekonstruiert.
6. ZUSAMMENFASSUNG: Das Kapitel bündelt die zentralen Erkenntnisse über die Dekonstruktion faktualer Geschichtsschreibung und die Brüchigkeit persönlicher Erinnerung im Roman.
Autobiographie, Fiktion, Erinnerung, Identität, Konstruktion, Narrativ, Unreliable Narrator, Historiographie, Metafiktion, Lebensgeschichte, Selektion, Wahrheit, Postmoderne, Julian Barnes, The Sense of an Ending
Die Arbeit untersucht die Konstruktion von Identität durch autobiographisches Erinnern am Beispiel von Julian Barnes' Roman "The Sense of an Ending", wobei der Fokus auf der Unzuverlässigkeit und Fiktionalität der erinnerten Lebensgeschichte liegt.
Die zentralen Themen umfassen das autobiographische Erinnern, die Abgrenzung von Faktizität und Fiktion, die Rolle des unzuverlässigen Erzählers sowie die metafiktionale Auseinandersetzung mit Historiographie und Zeit.
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie der Protagonist Tony Webster sein Lebensnarrativ im Sinne einer kontinuierlichen, aber brüchigen Selbstkonstruktion immer wieder umformt und inwiefern dies eine Absage an eine objektiv erfassbare Vergangenheit darstellt.
Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse angewandt, die narrative Theorie, Konzepte der Narratologie (u.a. nach Hayden White, Gérard Genette und Ansgar Nünning) sowie psychologische Ansätze zur Erinnerungskonstruktion miteinander verknüpft.
Im Hauptteil (Kapitel 5) wird der Roman detailliert untersucht, insbesondere wie sich die Sichtweise des Erzählers auf vergangene Suizide von Mitschülern durch neue Informationen verändert und so seine gesamte Identitätskonstruktion ins Wanken bringt.
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Autobiographie, Fiktionalität, Identitätskonstruktion, Narrativ, Metadiskurs und die Unzuverlässigkeit des Erzählers charakterisiert.
Der Protagonist Tony Webster wird als homodiegetischer Erzähler analysiert, dessen Glaubwürdigkeit durch selektive Wahrnehmung, bewusste Auslassungen und eine stark subjektive Färbung seiner Erinnerungen von Beginn an untergraben wird.
Whites Theorie dient dazu, die im Roman stattfindende Dekonstruktion faktualer Geschichtsschreibung zu belegen; der Roman wird als metahistorischer Text verstanden, der zeigt, dass Geschichte und Lebensgeschichte stets konstruierte Narrative sind.
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