Masterarbeit, 2014
94 Seiten, Note: sehr gut
1. Einleitung
1.1. Theoretischer Ansatz: Widersprüchlichkeit der Fremddarstellung
1.1.1. Das konstruierte Andere
1.1.2. Der Fremde und das Eigene
1.1.3. Kulturelle Identität
1.1.4. Das orientalisierte Andere
1.1.5. Rassismus ohne Rassen
1.2. Arbeitsmethode: Historische Diskursanalyse
1.3. Forschungsstand
1.4. Aufbau der Arbeit
2. Hauptteil
2.1. Vom Antijudaismus ohne Juden zum wirkmächtigen Überfremdungskonzept
2.1.1. Judenfeindliche Traditionen in der Schweiz
2.1.2. Christentum als Äquivalent nationaler Einheit
2.1.3. Ostjüdische Migration und Antisemitismus
2.1.4. Der Überfremdungsbegriff – eine Deutschschweizer Erfindung
2.2. ‹Jahre der Enge› und die ‹Geistige Landesverteidigung›
2.2.1. ‹Geistige Landesverteidigung› als mystisch aufgeladene Abwehrhaltung
2.2.2. Die antisemitische ‹Judenfrage› als antisemitische ‹Überfremdungsfrage›
2.2.3. «Das Boot ist voll»
2.2.4. Wachstum und Arbeitskräftemangel nach dem Zweiten Weltkrieg
2.3. Die Überfremdungsinitiativen der 60er und 70er Jahre
2.3.1. I. Überfremdungsinitiative
2.3.2. II. Überfremdungsinitiative
2.3.3. III. Überfremdungsinitiative
2.3.4. IV. und V. Überfremdungsinitiative
2.3.5. Der Überfremdungsdiskurs als Konstante – Zwischenfazit
2.4. Etablierung rechter Positionen in der gesellschaftlichen Mitte
2.4.1. Politisierung des Asylthemas
2.4.2. Gesamtgesellschaftliche Akzeptanz rechter Argumentationsmuster
2.4.3. Der Aufstieg der SVP
2.4.4. Die Politik der SVP – diskursive Felder und inhaltliche Schwerpunkte
2.5. Veränderungen in der Zusammensetzung der ausländischen Bevölkerung
2.5.1. Zuzug nicht-christlich geprägter Migrantinnen und Migranten
2.5.2. Strukturwandel der Immigration
2.5.3. Islamdiaspora in der Schweiz
2.6. ‹Islamisierung› öffentlicher Debatten
2.7. Die Minarettverbotsinitiative – islamkritische und feministische Stimmen
2.7.1. ‹Christliches Erbe› – Wiederkehr einer verschüttet geglaubten Vokabel
2.7.2. Christliches Erbe auf Schweizer Boden
2.7.3. Kolonisierungsphantasien
2.7.4. Unterdrückte Muslima und feministischer Emanzipationsauftrag
3. Schlussteil
3.1. Schlussbetrachtungen und Ausblick
Die vorliegende Arbeit untersucht die historische Entwicklung und Systematik der Problematisierung von Fremdheit in der Schweiz, beginnend bei der Schächtverbotsinitiative von 1893 bis hin zur Minarettverbotsinitiative von 2009. Dabei steht die Frage im Zentrum, welchen Kontinuitäten die Konstruktion des Fremden folgt und wie sich fremdenfeindliche Diskurse – insbesondere im Kontext von Überfremdungsinitiativen und asylpolitischen Debatten – in das gesellschaftliche und politische Selbstverständnis der Schweiz eingeschrieben haben.
1.1.1. Das konstruierte Andere
Die Trennung des Eigenen vom Fremden wird vorrangig Teil sozialer Bedeutungskategorien, weswegen die Aufrechterhaltung von Differenz vielerorts den Status des ‹Selbstverständlichen› besitzt. Solche Prozesse der Zuschreibung, Markierung und Kategorisierung sind zum Grossteil durch Sozialisation und Typisierung zu einer ‹objektiven Tatsache› geronnen und gesellschaftlich habitualisiert oder institutionalisiert. Die auf das soziale Handeln einwirkenden Sozialisationsprozesse – Individuen orientieren sich in ihrem Handeln wesentlich am Handeln Anderer – haben zur Folge, dass die Trennung des Eigenen vom Fremden im Handeln und im Wissen der Menschen reproduziert und demnach fortgeschrieben wird. Berger und Luckmann haben diesbezüglich schlüssig dargelegt, dass ‹Wirklichkeit› gesellschaftlich konstruiert ist und ‹Wissen› «das Allgemeingut an gültigen Wahrheiten über die Wirklichkeit darstellt.» Dadurch werde eine bestimmte gesellschaftliche Welt erschaffen, die zur Welt schlechthin werde.
Es ist das Wissen, das im Verlauf der Sozialisation erworben wird und dem Bewusstsein des Einzelnen die Internalisierung der vergegenständlichten Strukturen der sozialen Welt vermittelt. Wissen in diesem Sinne steht im Mittelpunkt der fundamentalen Dialektik der Gesellschaft. Es ‹programmiert› die Bahnen, in denen Externalisierung eine objektive Welt produziert. Es objektiviert diese Welt durch Sprache und den ganzen Erkenntnisapparat, der auf der Sprache beruht. […] Dasselbe Wissen wird als objektiv gültige Wahrheit wiederum während der Sozialisation internalisiert. Wissen über die Gesellschaft ist demnach Verwirklichung im doppelten Sinne des Wortes: Erfassen der objektivierten gesellschaftlichen Wirklichkeit und das ständige Produzieren eben dieser Wirklichkeit in einem.
Daraus folgt, dass Konstruktionen des Fremden in Gestalt erinnerbarer Erfahrungen oder in Form eines schnell abrufbaren Allgemeinwissens zu ‹objektiv gültigen Wahrheiten› erstarren und sie als Ergebnis kommunikativ geäusserter Wissensbestände für das «soziale Wirklichwerden der Wirklichkeit» gewissermassen konstitutiv sind.
1. Einleitung: Einführung in die Problematik der Fremdheitskonstruktion in der Schweizer Geschichte, Vorstellung des theoretischen Rahmens und der historischen Diskursanalyse als Methode.
2. Hauptteil: Detaillierte Analyse verschiedener fremdenfeindlicher Diskurse, von der Schächtverbotsinitiative über die ‹Geistige Landesverteidigung› und die Überfremdungsinitiativen bis hin zur Minarettverbotsinitiative.
3. Schlussteil: Synthese der Ergebnisse zur Persistenz fremdenfeindlicher Deutungsmuster und Ausblick auf die fortlaufende Konstruktion von Fremdheit in der aktuellen Migrationspolitik.
Überfremdung, Fremdenfeindlichkeit, Diskursanalyse, Schweizer Identität, Antisemitismus, Islamophobie, Asylpolitik, Nationale Aktion, SVP, Konstruktion des Anderen, Minarettverbotsinitiative, Rassismus, Einbürgerung, Christliches Erbe, Migrationsdiskurs.
Die Arbeit analysiert die historische Entwicklung der Problematisierung von Fremdheit in der Schweiz. Sie untersucht, wie das ‹Fremde› über mehr als ein Jahrhundert hinweg konstruiert, politisiert und instrumentalisiert wurde, um nationale Identität abzugrenzen.
Zentrale Themen sind der Antijudaismus, das Konzept der ‹Geistigen Landesverteidigung›, die Überfremdungsinitiativen der 60er und 70er Jahre, der Aufstieg rechter Parteien wie der SVP sowie die aktuelle Islamdebatte und die Minarettverbotsinitiative.
Das Ziel ist aufzuzeigen, ob und welche Kontinuitäten in der Darstellung des Fremden erkennbar sind. Die Forschungsfrage hinterfragt, ob die Problematisierung des Fremden in der Schweiz einer gewissen Systematik folgt und welche Brüche oder Konstanten sich historisch nachweisen lassen.
Der Autor verwendet die historische Diskursanalyse. Diese Methode befasst sich mit der Sprache als integralem Bestandteil von Diskursen, die Wirklichkeit erzeugen, und untersucht, wie historische Ereignisse und gesellschaftliche Diskurse sinnhaft verknüpft sind.
Der Hauptteil gliedert sich in chronologische Phasen: Von der Schächtverbotsinitiative (1893) und der ostjüdischen Migration über die Flüchtlingspolitik im Zweiten Weltkrieg und die fünf Überfremdungsinitiativen bis zur Etablierung rechtspopulistischer Positionen und der Minarett- sowie Burka-Debatte.
Die Arbeit wird durch Begriffe wie ‹Überfremdung›, ‹Konstruktion des Anderen›, ‹kulturalistischer Rassismus›, ‹nationale Identität› und ‹Diskursivierung von Fremdheit› charakterisiert.
Der Autor argumentiert, dass ‹Überfremdung› über die Zeit zu einem Signum kulturell-nationaler Identität wurde. Wenn das System dieses Begriffs internalisiert wird, prägt es die Denk- und Handlungswelten und dient als Zeichen der Vertrautheit gegen eine als bedrohlich empfundene Aussenwelt.
Der Autor zeigt auf, dass Argumentationsmuster, die einst gegen Juden verwendet wurden – wie etwa die angebliche ‹Assimilationsunfähigkeit› oder die Gefahr einer ‹Überfremdung› – heute mit dem ‹christlichen Erbe› als Gegenargument gegen muslimische Minderheiten strukturell identisch wiederholt werden.
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