Magisterarbeit, 2012
105 Seiten, Note: 1,0
1. Einleitung
1.1. Problemstellung und Zielsetzung
1.2. Vorgehensweise
2. Stresstheoretischer Hintergrund
2.1. Definition Gesundheit und Krankheit
2.2. Definition Stress und Stressor
2.3. Die Folgen von Stress
3. Arbeitsstressmodelle
3.1. Zur Bedeutung der Erwerbsarbeit
3.2. Arbeitsvertrag und Psychologischer Vertrag
3.3. Das Anforderungs-Kontroll-Modell
3.4. Das Modell der beruflichen Gratifikationskrise
3.4.1. Modellaussage
3.4.2. Drei Transmittersysteme der Belohnung
3.4.3. Extrinsische und Intrinsische Verausgabung
3.4.4. Empirische Evidenz
4. Das System Bildung
4.1. Definition Bildung
4.2. Bildung in Deutschland
4.3. Bildung und sozialer Status
4.3.1 Zur Problematik der Begriffsabgrenzung
4.3.2 Zusammenhang sozialer Status und Gesundheit
4.3.3 Bildung und Beruf
4.4 Bildung und Gesundheit
4.4.1 Zusammenhang Bildung und Gesundheit
4.4.2 Bildung als Gesundheitsressource
5. Zusammenfassung und Fragestellung
6. Empirie
6.1. Datengrundlage
6.2. Die Stichprobe
6.3. Das Analyseverfahren
6.4. Die Ergebnisse
6.4.1. Demographische Merkmale
6.4.2. Berufliche Situation
6.4.3. Gesundheit
6.5. Die Berechnung des ERI-Quotienten
6.5.1. Die Verausgabungsskala
6.5.2. Die Belohnungsskala
6.5.3. Der Verausgabungs-Belohnungs-Quotient
6.6. Diskussion der Ergebnisse
7. Ausblick und Schluss
Das Hauptziel dieser Arbeit ist es, den Zusammenhang zwischen dem Bildungsniveau und der Belastung durch berufliche Anforderungen unter Verwendung des Modells der beruflichen Gratifikationskrise zu analysieren. Dabei wird der Frage nachgegangen, inwiefern Bildung das Erleben von und den Umgang mit Arbeitsstress beeinflusst und ob ein höherer Bildungsgrad vor beruflichen Krisen schützt.
1.1. Problemstellung und Zielsetzung
Bestätigen sich die Vorhersagen bezüglich der Bevölkerungsentwicklung in den nächsten Jahrzehnten, so werden in Deutschland bis 2060 die 70 bis 75jährigen die am stärksten vertretene Bevölkerungsgruppe sein. Zudem wird der Anteil an Personen in der Erwerbsphase (15-65 Jahre) um 33% im Vergleich zu 2008 abnehmen (vgl. Bildungsberichterstattung 2010: 15ff.). Dies liegt an dem stetigen Sinken der Geburtenrate und an der folglich geringeren Anzahl an Personen, die in das Erwerbsleben eintreten.
Zudem führen die Globalisierung und die zunehmende Bedeutungsverschiebung der einzelnen Wirtschaftssektoren zu grundlegenden Veränderungen der Arbeitsstrukturen. Immer mehr Menschen sind in Dienstleistungsberufen tätig, während der primäre Sektor (Landwirtschaft) und der sekundäre Sektor (produzierendes Gewerbe) zunehmend an Bedeutung verlieren (vgl. Bildungsberichterstattung 2010: 22). Daraus folgen immer neuere Technologien, die zunehmend kognitive Fähigkeiten, wie analytische Denkweise, Kommunikations- oder Problemlösungskompetenzen, erfordern und einen Rückgang der Bedeutung manueller Fertigkeiten mit sich führen. Dabei sind die Mitarbeiter dazu angehalten sich in dieser durch Wettbewerb geprägten Arbeitswelt immer schneller an die veränderten Arbeitsprozesse und Wissensbestände anzupassen.
Mit diesen Entwicklungen sind auch Verschiebungen in den Arbeitsbelastungen verbunden. Dies wird an der Studie „Gesundheit in Deutschland aktuell 2010“ (GEDA) des Robert-Koch Instituts (RKI) deutlich. Hierbei zeigt sich, dass bei den 20.000 befragten Erwerbstätigen die am häufigsten wahrgenommene Arbeitsbelastung das Arbeiten unter Zeit- und Leistungsdruck ist. Ganze 36% der Frauen und 44% der Männer geben an häufig unter Druck arbeiten zu müssen (vgl. Dragano/Kroll/Müters 2011: 2). Dass psychische Belastungserscheinungen ebenfalls zunehmen, wird aus einem Bericht des Spiegels ersichtlich, nach dem die Fehlzeitenquote aufgrund psychischer Erkrankungen von 1998 bis 2009 um 76% zugenommen hat (vgl. Dettmer/Shafy/Tietz 2011: 115f.).
1. Einleitung: Dieses Kapitel führt in die Problematik der demografischen Veränderungen und zunehmenden Arbeitsbelastungen ein und definiert das Ziel der Arbeit, den Zusammenhang von Bildung und beruflichen Gratifikationskrisen zu untersuchen.
2. Stresstheoretischer Hintergrund: Hier werden die zentralen Begriffe Gesundheit, Krankheit, Stress und Stressoren wissenschaftlich definiert und in einen ganzheitlichen Kontext zur Arbeitswelt gesetzt.
3. Arbeitsstressmodelle: Das Kapitel behandelt die Bedeutung der Erwerbsarbeit, den psychologischen Vertrag und stellt zentrale Stressmodelle wie das Anforderungs-Kontroll-Modell und das Modell der beruflichen Gratifikationskrise vor.
4. Das System Bildung: Es erfolgt eine Definition des Bildungsbegriffs, eine Darstellung des Bildungssystems in Deutschland sowie eine detaillierte Analyse des Zusammenhangs zwischen Bildung, sozialem Status und Gesundheit.
5. Zusammenfassung und Fragestellung: Das Kapitel bündelt die theoretischen Erkenntnisse und leitet daraus die spezifische Forschungsfrage zur Schutzfunktion von Bildung vor Gratifikationskrisen ab.
6. Empirie: Hier werden Datengrundlage, Analyseverfahren und die Ergebnisse der Sekundäranalyse präsentiert, um das Risiko beruflicher Gratifikationskrisen für verschiedene Bildungsgruppen zu ermitteln.
7. Ausblick und Schluss: Abschließend werden die Ergebnisse interpretiert und konkrete Präventionsansätze für die betriebliche Praxis zur Reduktion beruflicher Stressbelastungen abgeleitet.
Bildung, Gesundheit, Arbeitsbelastung, Gratifikationskrise, ERI-Modell, Stress, Arbeitsstress, Berufsstatus, Sozialer Status, Bildungsniveau, Prävention, Arbeit, Psychische Gesundheit, Soziale Ungleichheit, Sekundäranalyse.
Die Arbeit untersucht den Zusammenhang zwischen dem Bildungsniveau von Erwerbstätigen und dem Risiko, eine berufliche Gratifikationskrise zu erleiden.
Die zentralen Felder sind die Stressforschung, Arbeitsstressmodelle (insbesondere das ERI-Modell von Siegrist), das Bildungssystem in Deutschland und die Auswirkungen von Bildung auf die Gesundheit.
Das primäre Ziel ist es zu klären, ob ein höherer Bildungsgrad einen schützenden Effekt vor belastenden Arbeitsanforderungen und der daraus resultierenden Gratifikationskrise hat.
Es handelt sich um eine empirische Sekundäranalyse der Daten der BIBB/BAuA-Erwerbstätigenbefragung 2005/2006.
Der Hauptteil gliedert sich in eine fundierte theoretische Aufarbeitung von Stress und Bildung sowie einen empirischen Teil, in dem Bildungsabschlüsse in Korrelation zu beruflichen Belohnungssystemen gesetzt werden.
Die wichtigsten Schlüsselwörter sind Bildung, Gesundheit, ERI-Modell, Gratifikationskrise und Arbeitsbelastungen.
Dieses Modell eignet sich besonders gut, da es nicht nur äußere Anforderungen, sondern auch individuelle psychomentale Faktoren und das Bedürfnis nach Wertschätzung berücksichtigt, was im modernen Arbeitsleben zentral ist.
Die Analyse zeigt, dass die niedrigste Bildungsgruppe signifikant häufiger von körperlichen Beschwerden und Arbeitsbelastungen betroffen ist als höhere Bildungsgruppen.
Die Unterstützung durch Kollegen erweist sich als ein zentraler Belohnungsfaktor; Personen, die nie Unterstützung erhalten, bilden die gefährdetste Risikogruppe im Hinblick auf Gratifikationskrisen.
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