Hausarbeit, 2013
13 Seiten, Note: 3,0
1. Einleitung
2. Lenkung
2.1 Griechische Kollegen hält er für unnütz
2.2 Technik als Lenkung
2.3 Lenkung durch Beispiele
2.3.1 Beispiele als Überzeugungskraft
3. Didaktik
3.1 Verlangen nach Unterrichten
3.2 Didaktische Schreiben
3.3 Didaktische Struktur des Autors in Buch IV
4. Fazit
Diese Arbeit untersucht die didaktischen Methoden und die Techniken zur Leserlenkung im antiken Kompendium Rhetorica ad Herennium, um aufzuzeigen, wie der unbekannte Autor sein rhetorisches Wissen strukturiert und den Lernprozess des Rezipienten aktiv steuert.
Technik als Lenkung
Zu beobachten ist im Kompendium, dass sich der Autor bemüht, die gesamte Theorie der Beredsamkeit zu behandeln. Das Werk besteht aus vier Büchern und bezieht sich hauptsächlich auf die Aufgaben des Redners (officia oratoris). Die Regeln zur Auffindung des Stoffes (inventio) stellt er in den ersten zwei Büchern auf, im dritten Buch behandelt er gemeinsam mit der Stoffgliederung (dispositio) die Richtlinien des Vortrags (pronuntiatio) und das Auswendiglernen der Rede (memoria). Das vierte Buch widmet er ganz der Stillehre (elocutio). Wie wir sehen, ist es ihm im Großen und Ganzen nicht wichtig, die zeitliche Reihenfolge der Prozesse zu befolgen, was ein Merkmal dafür ist, um aufzufallen und somit durch das Abweichen von der Norm den Leser zu lenken.
Was den Leser aber am meisten anlockt und eine bestimmte Lenkung bewirkt, ist die klare, Spannung hervorrufende Struktur im Werk: Als Erstes macht der Autor im Voraus darauf aufmerksam, was er im Folgenden sagen wird: Nunc quas res oratorem habere oporteat, docebimus, deinde quo modo has causas tractari conveniat, ostendemus (2, 2). In diesem Augenblick wird dem Leser als Allererstes bekannt, dass ein guter Redner gewisse Aufgaben, res, zu erfüllen hat und dass der Autor im weiteren einige Vorgehensweisen vorstellen wird, wie einige der genannten Fälle behandelt werden können. Nun spielt der Leser sofort mit dem Gedanken, was dies wohl für Aufgaben sind und welche Vorschläge der Autor im Sinn hat. Seine Neugier wächst. Spannung entsteht. Dadurch sieht sich der Leser gezwungen, weiterzulesen. Er wird gelenkt. Und im nächsten Augenblick wird seine Neugier befriedigt, denn der Autor spannt den Leser nicht länger auf die Folter und zählt sofort die sechs Aufgaben des Redners auf: Oportet igitur esse in oratore inventionem, dispositionem, elocutionem, memoriam, pronuntiationem (1, 1).
Einleitung: Die Einleitung erläutert die Forschungsrelevanz von Didaktik und Lenkung im Werk und skizziert die methodische Vorgehensweise bei der Untersuchung.
Lenkung: Dieses Kapitel analysiert, wie der Autor durch die bewusste Abgrenzung von griechischen Vorbildern und gezielte Vereinfachungen den Leser auf sein Werk ausrichtet.
Griechische Kollegen hält er für unnütz: Hier wird untersucht, wie der Autor durch Kritik an griechischen Theoretikern sein eigenes, präziseres Verständnis der Rhetorik hervorhebt.
Technik als Lenkung: Dieses Kapitel zeigt auf, wie die Strukturierung der rhetorischen Aufgaben (officia oratoris) als Mittel dient, um die Aufmerksamkeit des Lesers zu steuern.
Lenkung durch Beispiele: Es wird dargelegt, wie die Verwendung von Beispielen dazu dient, Definitionen zu illustrieren und den Leser inhaltlich zu leiten.
Beispiele als Überzeugungskraft: Dieses Unterkapitel erörtert die rationale Funktion von Fallbeispielen bei der Vermittlung rhetorischer Theorien.
Didaktik: Der Fokus liegt hier auf dem pädagogischen Interesse des Autors und seiner Absicht, Rhetorik als lehrbares System zu etablieren.
Verlangen nach Unterrichten: Die Untersuchung der pädagogischen Intention des Autors, die als Grundvoraussetzung für seinen didaktischen Erfolg identifiziert wird.
Didaktische Schreiben: Dieses Kapitel beleuchtet das Werk als Handbuch und reflektiert die Rolle des Schreibens als methodisches Werkzeug des Lernens.
Didaktische Struktur des Autors in Buch IV: Eine detaillierte Analyse der Stillehre und ihrer systematischen Gliederung, die als exemplarisches didaktisches Modell dient.
Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass die akkurate Struktur und die bewusste Leserlenkung das Werk zu einem beispielhaften Kompendium der antiken Rhetorik machen.
Rhetorica ad Herennium, Didaktik, Leserlenkung, Antike Rhetorik, Officia oratoris, Rhetorische Theorie, Stillehre, Pädagogik, Überzeugungskraft, Sprachdidaktik, Antike Lehren, Rhetorische Ausbildung, Systematisierung, Textanalyse, Kompendium.
Die Arbeit analysiert die spezifischen didaktischen Methoden und die Techniken zur Lenkung der Aufmerksamkeit des Lesers im Werk Rhetorica ad Herennium.
Die Schwerpunkte liegen auf der pädagogischen Absicht des Autors, dem Einsatz rhetorischer Beispiele zur Überzeugung sowie der systematischen Strukturierung rhetorischer Prozesse.
Ziel ist es aufzuzeigen, wie der Autor durch eine gezielte didaktische Strategie und bewusste Strukturierung sein rhetorisches Handbuch für den Leser verständlich und effektiv gestaltet.
Es wird eine textnahe Analyse durchgeführt, die Zitate aus dem Werk ins Verhältnis zu didaktischen Strukturen und antiken Diskursen setzt.
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der Leserlenkung durch Abgrenzung und Beispiele sowie die Analyse der didaktischen Strukturierung und des pädagogischen Selbstverständnisses des Autors.
Die zentralen Begriffe umfassen Rhetorica ad Herennium, Leserlenkung, Didaktik, Stillehre und die officia oratoris.
Die Arbeit stellt fest, dass diese Kritik primär didaktischer Natur ist, um das eigene, auf Praxis ausgerichtete System der Rhetorik als überlegen darzustellen.
Das vierte Buch dient als Paradebeispiel für eine strukturierte Stoffvermittlung, indem es Definitionen, Beispiele und Zusammenfassungen kombiniert, um Lernprozesse zu festigen.
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