Diplomarbeit, 2012
81 Seiten, Note: 1,0
1. Einleitung
2. Motive und Tragbarkeit der Staatsverschuldung
2.1 Motive der Staatsverschuldung
2.1.1 Ricardo-Barro-Äquivalenztheorem
2.1.2 Theorie der Steuerglättung
2.1.3 Pay as you use-Prinzip
2.1.4 Keynesianismus
2.1.5 Neue politische Ökonomie
2.2 Theoretische Kriterien der Tragbarkeit von Staatsschulden
2.2.1 Domar-Modell
2.2.2 Tragbarkeitskriterium nach Blanchard
2.3 Korrelation zwischen Verschuldungshöhe und Wachstum
2.4 Konsolidierungsansätze
3. Öffentliche Verschuldung in Deutschland, Italien und Griechenland
3.1 Verschuldungsentwicklung vor und nach der Euroeinführung
3.1.1 Deutschland
3.1.2 Italien
3.1.3 Griechenland
3.2 Aktuelle Schuldenstruktur
3.2.1 Deutschland
3.2.2 Italien
3.2.3 Griechenland
4. Tragbarkeitsprognosen der Staatsverschuldung
4.1 Deutschland
4.2 Italien
4.3 Griechenland
5. Fazit
Die Diplomarbeit analysiert die Tragbarkeit der öffentlichen Staatsverschuldung in den Euro-Staaten Deutschland, Italien und Griechenland, um zu untersuchen, unter welchen Bedingungen Haushalte als nachhaltig gelten und welche Handlungsbedarfe sich aus der aktuellen Schuldenkrise ableiten lassen.
2.1.1 Ricardo-Barro-Äquivalenztheorem
Bevor die Motive der Staatsverschuldung näher untersuchen werden, interessiert zunächst die Frage, weshalb ein wohlfahrtsmaximierender Staat seine steigenden Ausgaben, nicht eher aus den entstehenden Mehreinnahmen einer Steuererhöhung bedient, als durch eine Kreditaufnahme.
Mit dieser Untersuchung der Wirkung einer Steuer- gegenüber einer Schuldenfinanzierung befasste sich Ricardo bereits Anfang des 19. Jahrhunderts und sah die Belastungen von Staatsverschuldung und Besteuerung für den privaten Sektor als äquivalent an. Hintergrund dieser Theorie ist die Annahme, dass Individuen zukunftsorientiert sind und in weiser Voraussicht ihr Verhalten auf staatliche Entscheidungen anpassen. So würden sie bei einer hohen Staatsverschuldung vermehrt Kapital ansparen, damit sie oder ihre Erben in Zukunft in der Lage sind, diese Schuld in Form höherer Steuern zurückzuführen. Eine so angelegte fiskalpolitische Maßnahme kann also keinen positiven Effekt auf die konjunkturelle Situation der Volkswirtschaft ausüben, da der private Sektor das Staatsbudget in vollem Umfang internalisiert. Demzufolge beträgt der Netto wohlfahrtseffekt einer Steuersenkung um einen Euro, bei einer gleichzeitigen Schuldenaufnahme um einen Euro, gleich null, so dass der intergenerative Nutzen der Bürger durch die Art der Finanzierung der Staatsausgaben konstant bleibt.
Dieses sog. „Ricardianische Äquivalenztheorem“ kann allerdings leicht missverständlich ausgelegt werden, da Ricardo selbst nur unter sehr restriktiven Annahmen an die Neutralität der Staatsverschuldung glaubte. So ist das Theorem nur unter Voraussetzung eines repräsentativen Individuums mit unendlichem Planungshorizont zu verifizieren (1.). Weiterhin ist der Kapitalmarkt, auf welchem die Marktteilnehmer und der öffentliche Sektor Kredite aufnehmen und/oder ihre Ersparnisse verleihen, als perfekt anzusehen (2.).
1. Einleitung: Vorstellung der Problematik der europäischen Schuldenkrise und Definition des Untersuchungsrahmens inklusive der länderspezifischen Schwerpunkte.
2. Motive und Tragbarkeit der Staatsverschuldung: Erläuterung der ökonomischen Theorien zur Verschuldung sowie mathematische Herleitung von Stabilitätskriterien für den Staatsaushalt.
3. Öffentliche Verschuldung in Deutschland, Italien und Griechenland: Historische Analyse der Schuldenentwicklung und aktuellen Struktur der drei untersuchten Länder.
4. Tragbarkeitsprognosen der Staatsverschuldung: Simulation der langfristigen Schuldenentwicklung anhand von Szenarioanalysen unter Anwendung der theoretischen Modelle.
5. Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Ergebnisse und Schlussfolgerungen zur Notwendigkeit nachhaltiger Haushaltsstrategien innerhalb der Eurozone.
Staatsverschuldung, Schuldenkrise, Eurozone, Haushaltskonsolidierung, Tragbarkeitsanalyse, Primärsaldo, Maastricht-Kriterien, Domar-Modell, Fiskalpolitik, Wirtschaftswachstum, Schuldenbremse, Defizitquote, Zinslastquote, Refinanzierung, Neue Politische Ökonomie.
Die Arbeit behandelt die ökonomische Tragbarkeit der Staatsverschuldung in Deutschland, Italien und Griechenland vor dem Hintergrund der europäischen Schuldenkrise.
Neben der theoretischen Fundierung der Staatsverschuldung werden methodische Tragbarkeitskriterien, die historische Entwicklung der Schulden in den drei Ländern und zukünftige Szenarien zur Haushaltsstabilität analysiert.
Das Ziel ist es, länderspezifische Entwicklungen der öffentlichen Schulden auf ihren tragfähigen Zustand zu prüfen und die Erfolgsaussichten verschiedener Konsolidierungspfade zu bewerten.
Die Arbeit nutzt mathematische Modellgleichungen (Domar-Modell, Blanchard-Kriterium) sowie eine Szenarioanalyse, um die zukünftige Schuldenentwicklung zu projizieren.
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen, die detaillierte Analyse der Schuldenentwicklung in Deutschland, Italien und Griechenland sowie die konkrete Tragbarkeitsprognose bis zum Jahr 2025.
Wichtige Begriffe sind Staatsverschuldung, Haushaltskonsolidierung, Tragbarkeitsanalyse, Eurozone, Fiskalpolitik und Defizitquote.
Die NPÖ dient als Erklärungsansatz dafür, warum Schuldenstände politisch motiviert ansteigen können, anstatt rein ökonomischen Notwendigkeiten zu folgen.
Während Griechenland stark durch die Folgen der Euro-Einführung und strukturelle Defizite belastet wurde, resultiert der hohe Schuldenstand Italiens vor allem aus der Wirtschaftspolitik der 1970er Jahre.
Im Standardszenario wird die deutsche Verschuldungssituation als nachhaltig eingestuft, wobei eine Rückkehr zur Einhaltung der Maastricht-Kriterien für wahrscheinlich gehalten wird.
Die Arbeit weist darauf hin, dass drastische Sparmaßnahmen in der Rezession die Wirtschaftskraft weiter schwächen können, was den angestrebten Schuldenabbau konterkariert.
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