Magisterarbeit, 2014
60 Seiten, Note: 2,3
1. Einleitung
2. Kausale Wirksamkeit bewusster Prozesse aus neurowissenschaftlicher Perspektive
2.1 Prädetermination bei Willkürhandlungen
2.2 Determiniertheit willentlicher Entschlüsse
2.3 Willensfreiheit, Handlungsfreiheit und Rationalität
3. Kausale Wirksamkeit bewusster Prozesse aus philosophischer Perspektive
3.1 Reduktionismus und die Erklärungslücke
3.2 Reduzierbarkeit subjektiver Perspektivität
3.3 Epistemischer Libertarismus nach Bettina Walde
5. Schlussbetrachtung
Die Arbeit untersucht die Forschungsfrage, ob bewusste mentale Prozesse gegenüber unbewussten neuronalen Vorgängen kausal wirksam sein können, und analysiert hierzu interdisziplinär die neurophysiologischen und bewusstseinsphilosophischen Voraussetzungen.
3. Kausale Wirksamkeit bewusster Prozesse aus philosophischer Perspektive
In der Antike herrschte die Idee einer Seele, die den menschlichen Geist hervorbringt und den Leib belebt, vor; dasselbe zentrale Problem wird noch heute häufig in der Frage nach dem Verhältnis zwischen Körper und Geist ausgedrückt: Beide Formulierungen verweisen auf die Vorstellung, dass menschliches Bewusstsein objektiv von der Biologie unterscheidbar und als immaterielles Phänomen mit einem anderen ontologischen Status anzusehen ist. Während Descartes über den Sitz der Seele im Körper spekulierte, sind Hypothesen über ein physiologisches Äquivalent für Bewusstsein im Sinne einer zentralen Instanz mittlerweile innerhalb der neurophilosophischen Debatte in den Hintergrund getreten; Neurowissenschaftler untersuchen gegenwärtig vorwiegend Korrelationen zwischen neuronalen Prozessen und höheren kognitiven Funktionen, wobei diesem Vorhaben noch immer nennenswerte Grenzen gesetzt sind, wie Haynes und Rees berichten, die deshalb die Dynamik visueller Wahrnehmung experimentell limitierten (vgl. Haines & Rees, 2006:527-529). Dennoch ermöglichen technischer Fortschritt, die Kombination diagnostischer Instrumente und neue methodische Ansätze wie die von Haynes und Rees immer zuverlässigere Resultate; es gibt inzwischen sogar Indizien dafür, auf welche Weise das Gehirn einzelne Signalaktivitäten in verteilt angeordneten Neuronengruppen zu der Gesamtheit eines Sinneseindrucks zusammenfügt und mit diesem Lösungsansatz für das Bindungsproblem eine empirisch stützbare Gegenthese zur Vorstellung einer übergeordneten Instanz, welche das Bewusstsein steuert (vgl. Metzinger, 1999:92).
Wohlmöglich sind besonders wegen der Implikationen neurowissenschaftlicher Resultate und den mit ihnen verbundenen neurophilosophischen Interpretationen manche Facetten der jüngeren Diskussion von der Kluft zwischen der Subjektivität von Bewusstsein und der Intuition widersprechenden objektiven Beschreibungen gekennzeichnet, so beklagt Damasio:
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Problematik ein, inwieweit bewusste mentale Prozesse kausal relevant für Handlungen sind, und stellt die interdisziplinäre Struktur der Arbeit dar.
2. Kausale Wirksamkeit bewusster Prozesse aus neurowissenschaftlicher Perspektive: Das Kapitel diskutiert experimentelle Ergebnisse zur motorischen Vorbereitung und die neuronale Determiniertheit von Entscheidungen durch limbische Systeme.
3. Kausale Wirksamkeit bewusster Prozesse aus philosophischer Perspektive: Dieser Abschnitt beleuchtet die philosophischen Debatten um Reduktionismus, die Erklärungslücke und die Rolle subjektiver Perspektivität für eine naturalistische Erklärung des Geistes.
5. Schlussbetrachtung: Die Arbeit fasst zusammen, dass bewusste mentale Prozesse ontologisch nicht von neuronalen Vorgängen unterschieden werden müssen und eine kausale Wirksamkeit auf epistemischer Ebene trotz ontologischer Determination denkbar bleibt.
Willensfreiheit, Kausalität, Neurowissenschaft, Philosophie des Geistes, Reduktionismus, Erklärungslücke, Qualia, Selbstmodell, Epistemischer Libertarismus, Determiniertheit, Mentale Prozesse, Handlungsfreiheit, Neurophilosophie, Bewusstsein, Rationalität.
Die Arbeit untersucht die kontroverse Frage, ob bewusste mentale Entscheidungen tatsächlich kausal wirksam sind oder ob sie lediglich von unbewussten neuronalen Prozessen im Gehirn determiniert werden.
Zentrale Felder sind die neurophysiologische Forschung zu Willkürhandlungen (z.B. Libet-Experimente), das Konzept der neuronalen Determiniertheit und die philosophische Debatte über das Leib-Seele-Problem.
Das Ziel ist es, zu prüfen, ob sich eine kausale Relevanz des Bewusstseins innerhalb eines naturwissenschaftlich-monistischen Weltbildes begründen lässt, ohne auf metaphysische Annahmen zurückgreifen zu müssen.
Es handelt sich um eine theoretische Arbeit, die aktuelle neurowissenschaftliche Studien mit bewusstseinsphilosophischen Argumentationslinien (wie Identitätstheorien und Repräsentationalismus) verknüpft und kritisch analysiert.
Der Hauptteil gliedert sich in eine neurowissenschaftliche Analyse der Handlungssteuerung (unter anderem durch Roth, Singer, Libet) und eine philosophische Erörterung der Wissensargumente, der Erklärungslücke und der Selbstmodell-Theorie.
Wichtige Begriffe sind Willensfreiheit, kausale Wirksamkeit, neuronale Determination, phänomenales Wissen, Qualia und epistemischer Libertarismus.
Libet postuliert, dass das Gehirn zwar unbewusst Handlungsimpulse generiert, der Mensch jedoch die bewusste Fähigkeit besitze, das Veto einzulegen und somit die Ausführung der Handlung zu verhindern.
Walde schlägt ein Freiheitsmodell vor, das auf einer epistemisch offenen Zukunft aus der Perspektive des Subjekts basiert, um Freiheit mit einem wissenschaftlichen Determinismus vereinbar zu machen.
Die Erklärungslücke markiert das Problem, dass rein naturwissenschaftliche Beschreibungen neuronaler Vorgänge subjektive Erlebnisqualitäten (das "Wie-es-sich-anfühlt") oft nicht vollständig erfassen können.
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