Bachelorarbeit, 2012
55 Seiten, Note: 1,5
Ziel und Rahmen dieser Arbeit
1 Allgemeines
2 Historische Erklärungsmodelle für die Entstehung der Genera
2.1 Sexus-Unterschied als primäre Ursache der Genusdifferenzierung
2.2 Sexus als sekundärer Genusaspekt
2.3 Zusammenfassung
3 Funktionen des Genus in der deutschen Gegenwartsprache
4 Faktoren der Genuszuweisung im Deutschen
4.1 Morphologische Faktoren für die Genuszuweisung
4.2 Semantische Faktoren für die Genuszuweisung
4.3 Lautliche Faktoren für die Genuszuweisung
4.4 Genusschwankungen
5 Genus-Sexus-Beziehung aus feministischer Sprachperspektive
5.1 Das generische Maskulinum
5.2 Auseinandersetzung um den generischen Sprachgebrauch
5.3 Vorschläge für die sprachliche Gleichbehandlung von Männern und Frauen
5.4 Sprachwandel unter dem Einfluss der feministischen Linguistik
6 Genus-Sexus-Beziehung aus fremdsprachendidaktischer Perspektive
6.1 Ursachen für die Lehr- und Lernschwierigkeit der Kategorie „Genus“
6.2 Didaktische Vorschläge für die Erleichterung des Genuserwerbs
6.2.1 Mnemotechniken
6.2.2 Didaktische Adaptation von Genuszuweisungsprinzipien
6.2.3 Arbeit am Text und grammatische Übungen
6.3 Zusammenfassung
Fazit
Ziel dieser Bachelorarbeit ist es, den wissenschaftlichen Forschungsstand zu den Beziehungen zwischen Genus und Sexus aus linguistischer sowie fremdsprachendidaktischer Perspektive systematisch zu analysieren. Dabei wird ein objektives Forschungsbild angestrebt, das insbesondere kontroverse Theorien zur Entstehung und Funktion des Genus beleuchtet und die Relevanz dieser Kategorie für den DaF-Unterricht (Deutsch als Fremdsprache) unterstreicht.
2.1 Sexus-Unterschied als primäre Ursache der Genusdifferenzierung
Einerseits wurde behauptet, dass der Sexusunterschied die primäre Ursache der Genus-Differenzierung sei, also dass das Genus-System dank der schon vorhandenen Sexus-Unterscheidung entstand. Durch Personifizierung waren alle Nomen weiblich oder männlich, das Genus-System entstand erst später, auf das Sexus-System bezogen. Als Urvater dieser Theorie gilt Protagoras; er soll wohl als erster die Kategorien maskulin, feminin und unbelebt als „Kennzeichnungen für Substantive verwendet und Genus mit Sexus gleichgesetzt haben“. Dabei hat er sich nicht gescheut, das seinen philosophischen Vorstellungen nicht entsprechende Genus einfach zu korrigieren. So mussten z. B. die einst femininen Wörter „Helm“ und „Zorn“ seiner Ansicht nach ein passenderes maskulines Genus bekommen.
Zu Beginn der 1770er-Jahre gewinnt die durch die in der Philosophie, Literatur und Sprachwissenschaft herrschenden romantischen Stimmungen ideologisch beeinflusste Genustheorie im deutschen Raum immer mehr an der Popularität. Die dogmatische Denkweise verliert zu Gunsten einer historisch-kritischen an Bedeutung. Es wird überall nach einem rationalen Kern gesucht. Der Mensch selbst, nicht der allmächtige Gott, und die Gesetze der Natur, nicht Wunder oder Magie, stehen jetzt im Zentrum von allen Wissenschaften. So sucht auch der Philosoph, Theologe und Schriftsteller J. G. Herder eine natürliche Erklärung für die Entstehung der Sprache.
1 Allgemeines: Einführung in die Grundlagen des Verhältnisses von Genus und Sexus unter Berücksichtigung saussurescher Terminologie.
2 Historische Erklärungsmodelle für die Entstehung der Genera: Analyse der Debatten zwischen Vertretern einer sexusbasierten Genustheorie (Grimm) und Vertretern formaler Ansätze (Brugmann).
3 Funktionen des Genus in der deutschen Gegenwartsprache: Erörterung der syntaktischen und organisierenden Funktionen des Genus, die über die bloße Sexusanzeige hinausgehen.
4 Faktoren der Genuszuweisung im Deutschen: Zusammenfassung von morphologischen, semantischen und lautlichen Regeln sowie Schwankungsphänomenen bei der Genusvergabe.
5 Genus-Sexus-Beziehung aus feministischer Sprachperspektive: Kritische Auseinandersetzung mit dem generischen Maskulinum und Vorschläge zur sprachlichen Gleichbehandlung.
6 Genus-Sexus-Beziehung aus fremdsprachendidaktischen Perspektive: Untersuchung der Lernschwierigkeiten im DaF-Unterricht und Darstellung didaktischer Methoden zur Genusvermittlung.
Genus, Sexus, Linguistik, DaF-Unterricht, Genuszuweisung, Sprachwandel, Feministische Linguistik, Generisches Maskulinum, Morphologie, Semantik, Sprachdidaktik, Mnemotechniken, Grammatik, Sprachvergleich, Arbitrarität.
Die Arbeit untersucht das Verhältnis von Genus (grammatisches Geschlecht) und Sexus (natürliches Geschlecht) in der deutschen Sprache aus wissenschaftlicher und didaktischer Sicht.
Zu den Schwerpunkten zählen historische Genustheorien, die Funktionen des Genus, Regeln der Genuszuweisung, die feministische Kritik am Sprachgebrauch sowie Methoden zur Vermittlung des Genus im Fremdsprachenunterricht.
Ziel ist es, den Forschungsstand objektiv zu analysieren und aufzuzeigen, wie Genus und Sexus interagieren und welche Konsequenzen dies für die Sprachpraxis und den DaF-Unterricht hat.
Es handelt sich um eine Literaturanalyse, die verschiedene theoretische Positionen der Germanistik und DaF-Didaktik gegenüberstellt und kritisch diskutiert.
Der Hauptteil befasst sich mit der Genusentstehung, den Funktionen des Genus, verschiedenen Faktoren der Genuszuweisung, der feministischen Sprachkritik und didaktischen Ansätzen zum Genuserwerb.
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Genus, Sexus, Sprachwandel, feministische Linguistik, Genuszuweisung und DaF-Didaktik charakterisieren.
Die Theorien von Jacob Grimm stehen für eine sexualistische Auffassung, die das Genus als Folge der menschlichen Einbildungskraft und Personifizierung versteht, was in der Arbeit als historisch grundlegend, aber wissenschaftlich umstritten dargestellt wird.
Laut der Autorin liegt die Schwierigkeit in der Arbitrarität der Genus-Substantiv-Beziehung, mangelnden didaktischen Regeln in Lehrwerken und der Interferenz durch die Muttersprache der Lernenden.
Sie kritisiert das generische Maskulinum als diskriminierend und fordert eine Veränderung des Sprachsystems, um Frauen durch Beidbenennung oder Neutralisierung sichtbarer zu machen.
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