Masterarbeit, 2013
92 Seiten, Note: 1,1
1 Einleitung
2 Geist, Gespenst und Aberglaube
3 Geister und Geistererscheinungen im Barock
4 Der Geisterdiskurs der Aufklärung
4.1 Religion
4.1.1 Balthasar Bekker
4.1.2 Peter Goldschmid
4.2 Fallerzählungen und Philosophie
4.3 Theater und Literatur
4.3.1 Gottsched
4.3.2 Bodmer
4.3.3 Wieland
4.3.4 Lessing
5 Exemplarische Betrachtung
5.1 Musäus „Die Entführung"
5.2 Schiller „Der Geisterseher"
6 Der Schauerroman
7 Schlusswort
8 Anhang
Die Masterarbeit untersucht die Entwicklung des Verständnisses und der Funktion von Geister- und Gespenstermotiven im 18. Jahrhundert unter Berücksichtigung literarischer, religiöser, philosophischer und theaterwissenschaftlicher Perspektiven.
3 Geister und Geistererscheinungen im Barock
Um eine Entwicklung des Verständnisses von Geistern und Gespenstern im 18. Jahrhundert aufzeigen zu können, ist eine fundierte Grundlage als Ausgangspunkt zu nehmen. Diese Basis sollen Geister und Geistererscheinungen im Zeitalter des Barock bilden und zwar in Bezug auf Theater und Literatur. Aus diesem Grund werden im Folgenden die wesentlichen Funktionen, Darstellungsarten und Ziele bei der Verwendung der Jenseitsgestalten in besagten Gebieten erläutert.
Das im Deutschland des 17. Jahrhunderts florierende Theaterwesen weist eine Vielzahl an Aufführungsformen und Aufführungsorten auf. Da eine tiefergehende Betrachtung der barocken Theaterorganisation und Aufführungspraxis für das Thema dieser Arbeit nicht relevant ist, sei an dieser Stelle lediglich festgehalten, dass in beinahe allen Theatergattungen, auf jeden Fall jedoch in allen Stilhöhen, Geister und Gespenster zu finden sind. Die verschiedenen Funktionen und Darstellungsarten der Jenseitsfiguren, die im Folgenden vorgestellt werden, umfassen aus diesem Grund alle Aufführungsformen auf der Bühne des Barocktheaters.
Geistererscheinungen auf der Theaterbühne dienen der Gegenüberstellung der irdischen Ebene mit der Ebene des Jenseits. Überirdische und göttliche Erscheinungen nehmen Einzug in die Menschenwelt und ermöglichen aus diesem Grund eine Gegenkraft, die ein wesentliches Spannungselement des Theaters im Zeitalter des Barock ist. Die Figur des Geistes steht als Mittler zwischen der irdischen Welt der Menschen und dem überirdischen Reich Gottes und bildet damit eine Schnittstelle zwischen dem Leben und Handeln der Figuren und der göttlichen Heilskraft, welcher der Mensch unterworfen ist. Diese Gegenüberstellung ermöglicht als grundlegende Basis ein weites Handlungs- und Wirkungsspektrum. Rein thematisch gestattet die Verwendung von Geistererscheinungen beispielsweise, dass der Entfremdung von Gott in historischen Stoffen entgegengewirkt und ursprünglich nicht christlichen Stücken eine religionsbelehrende Funktionen beigefügt werden kann.
1 Einleitung: Die Einleitung führt in die historische Faszination für Geister ein und skizziert den "Gespensterdiskurs" als zentrales Konfliktfeld der Aufklärung zwischen Geistergläubigen und Skeptikern.
2 Geist, Gespenst und Aberglaube: Dieses Kapitel definiert und grenzt die zentralen Begriffe "Geist", "Gespenst" und "Aberglaube" für den Kontext der Aufklärung voneinander ab.
3 Geister und Geistererscheinungen im Barock: Hier werden die Funktionen von Jenseitsgestalten im barocken Theater und der Literatur analysiert, wobei Geister als dramatische Mittel zur Handlungssteuerung und Stimmungsbildung fungierten.
4 Der Geisterdiskurs der Aufklärung: Dieses Hauptkapitel untersucht die Debatten über Geistererscheinungen in den Bereichen Religion, Philosophie, Theater und Literatur und beleuchtet den Wandel des rationalen Denkens.
5 Exemplarische Betrachtung: Anhand von Musäus' „Die Entführung“ und Schillers „Der Geisterseher“ wird die praktische Umsetzung der zuvor theoretisch beleuchteten Geisterthematik in Werken der Spätaufklärung geprüft.
6 Der Schauerroman: Das Kapitel beschreibt die Entstehung des Schauerromans als neue Kunstform, die Geister und Spuk nicht mehr zur Beweisführung, sondern zur Erzeugung eines "angenehmen Schauers" nutzt.
7 Schlusswort: Das Schlusswort fasst die Ergebnisse zusammen und betont das Nebeneinander verschiedener Diskurse über das gesamte 18. Jahrhundert hinweg.
8 Anhang: Der Anhang enthält das Literaturverzeichnis.
Geister, Gespenster, Aufklärung, Barock, Aberglaube, Vernunft, Theologie, Philosophie, Theater, Schauerroman, Geisterdiskurs, Jenseitsgestalten, Literaturtheorie, Gespenstererscheinungen, Spuk
Die Arbeit untersucht den Wandel der Darstellung und Funktion von Geister- und Gespenstermotiven in der deutschen Literatur und Kultur des 18. Jahrhunderts, ausgehend von barocken Traditionen bis hin zum Schauerroman der Spätaufklärung.
Zentrale Felder sind die Auseinandersetzung zwischen Aberglauben und Vernunft, die Rolle der protestantischen Theologie in der Geisterdebatte, die Theatertheorien der Aufklärung sowie die Transformation der Geisterfigur vom moralischen Akteur zum Unterhaltungs- und Schauermittel.
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie die Funktion von Geistermotiven in der Aufklärung eine fundamentale Wandlung erfuhr und ob sich die theoretischen Diskurse der Philosophie und Theologie in den literarischen Werken der Zeit widerspiegeln.
Die Arbeit verwendet eine diachrone und interdisziplinäre Analyse, die literarische Texte, philosophische Schriften und theologische Traktate vergleichend betrachtet und deren Argumentationsmuster vor dem Hintergrund der Epochenvorgaben einordnet.
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung des Barock, den Diskurs der Aufklärung (unterteilt in Religion, Philosophie und Theater/Literatur) sowie eine exemplarische Analyse spezifischer Texte von Musäus und Schiller.
Zu den zentralen Begriffen gehören Aufklärung, Barock, Geisterdiskurs, Aberglaube, Vernunft, Schauerroman und Geistererscheinungen.
Balthasar Bekker gilt als früher Aufklärer, der Geistererscheinungen auf natürliche Ursachen zurückführt und die Teufelsmacht negiert, während Peter Goldschmid als orthodoxer Lutheraner die reale Existenz von Geistern und Dämonen vehement verteidigt.
Diese Erscheinung dient dazu, den Prinzen psychologisch zu destabilisieren und seine rationale Weltanschauung zu erschüttern, wobei sie sich später als durch den Sizilianer inszenierter Trick entpuppt.
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