Magisterarbeit, 2012
117 Seiten, Note: 1,7
1. Einleitung
2. Segelanweisungen und „Seebuch“
3. Allgemeine Hilfsmittel zur Navigation
3.1 Das Lot
3.2 Der Kompass
3.3 Die Längen- und Entfernungsmaße
4. Die Navigation in Küstennähe
4.1 Landmarken
4.2 Die nautischen Seezeichen
4.2.1 Feste Seezeichen und Baken
4.2.2 Leuchtfeuer und Leuchttürme
4.2.3 Schwimmende Seezeichen: Bojen und Tonnen
4.3 Die Peilverfahren
4.3.1 Deck- und Seitenpeilung
4.3.2 Die Kompasspeilung
5. Die Navigation auf offener See
5.1 Die Navigation mit Kompass und Lot
5.2 Gissung, Seeorte und die „Kunst im Kopf“
5.3 Astronomische Navigation
6. Vertonungen und Seekarten
6.1 Portulankarten
6.2 Die Seekarten der Nord- und Ostsee
7. Das Lotsenwesen
8. Die Schiffsrouten
8.1 Die Route Spanien-Brügge
8.2 Die Iberische Halbinsel: Die Route Ribadeo-Cartagena
8.3 Von Irlands Westküste zur Südküste Englands: Die Route Cape Clear – Dover
8.4 Die englische Südküste
8.5 Von Skagen durch den Großen Belt zur Warnow
8.6 Von Skagen nach Danzig, Gotland und Livland
9. Fazit
Die Arbeit untersucht die Navigationsmethoden und Hilfsmittel, die von Schiffern im spätmittelalterlichen Nordeuropa genutzt wurden, um ihre Routen sicher zu bewältigen. Die zentrale Forschungsfrage beschäftigt sich damit, wie die mittelalterliche Navigation ohne moderne Instrumente funktionierte, warum moderne Hilfsmittel wie der Kompass oder die Seekarte in Nordeuropa erst spät Fuß fassten und ob die nordeuropäische Nautik tatsächlich als „rückständig“ einzustufen ist.
3.1 Das Lot
Das für die mittelalterliche Schifffahrt Nordeuropas wohl wichtigste und zugleich eines der ältesten navigatorischen Hilfsmittel ist das Lot. Bei dem Lot handelt es sich um ein Gewicht, das an einer dünnen, markierten Leine befestigt wird, um die Tiefe und Beschaffenheit des Meeresbodens zu ermitteln. Das Lot diente dem Schiffer, wie im Folgenden noch dargestellt wird, zum einen dazu, sich geographisch zu orientieren und zum anderen dazu, schlicht festzustellen, welche Seegebiete er aufgrund der geringen Meerestiefe und der damit verbundenen Gefahr auf Grund zu laufen nicht befahren konnte.
Die ursprüngliche Bedeutung von Lot ist „leicht schmelzbares Metall“, was sich noch heute an dem Verb „löten“ erkennen lässt. Seine Wurzel hat das Wort „Lot“ im indogermanischen ploudiā (pleud-/ploud- = fließen), das als loudia ins Altkeltische überging. Hiermit waren zunächst die Metalle Zinn oder Blei gemeint, die sich mit Hilfe von Hitze schnell verflüssigen ließen. Als lōt und lōd ging das Wort schließlich in den mittelniederdeutschen Sprachraum über. Das englische Wort lead bezeichnet noch heute sowohl das Lot als auch das Blei.
Vor allem mit dem Beginn der mittelalterlichen Großschifffahrt wurde das Lot zu einem bedeutenden Hilfsmittel der Navigation. Waren für die kleineren Schiffe, die sich meist in unmittelbarer Nähe zur Küste aufhielten, oftmals die schon für ca. 1500 v. Chr. aus Ägypten überlieferten Peilstangen zur Bestimmung der Wassertiefe ausreichend gewesen, waren diese für die größeren Schiffe, die aufgrund ihres Tiefgangs in tieferen Gewässern segelten, unbrauchbar geworden.
1. Einleitung: Einführung in das Thema der spätmittelalterlichen Navigation in Nordeuropa und Vorstellung der zentralen Quellen wie dem „Seebuch“.
2. Segelanweisungen und „Seebuch“: Vorstellung und Analyse mittelalterlicher Seehandbücher als zentrale Quellen für die Schifffahrt.
3. Allgemeine Hilfsmittel zur Navigation: Detaillierte Betrachtung von Lot, Kompass sowie Längen- und Entfernungsmaßen als grundlegende Navigationswerkzeuge.
4. Die Navigation in Küstennähe: Untersuchung der Orientierung anhand von Landmarken, Seezeichen, Baken, Leuchttürmen und Peilverfahren.
5. Die Navigation auf offener See: Darstellung der Methoden, die Schiffer auf hoher See ohne Sicht zum Land anwandten, inklusive der Bedeutung von Gissung und Astronomie.
6. Vertonungen und Seekarten: Analyse der Entwicklung von Seekarten und der speziellen kartographischen Anforderungen im nordeuropäischen Raum.
7. Das Lotsenwesen: Erörterung der historischen Entwicklung und Bedeutung der Lotsen für die Sicherheit in den schwierigen Gewässern Nordeuropas.
8. Die Schiffsrouten: Konkrete Fallbeispiele für verschiedene Schiffsrouten und die Anwendung der zuvor erläuterten Navigationsmethoden in der Praxis.
9. Fazit: Zusammenfassende Bewertung der mittelalterlichen Navigationsleistungen in Nordeuropa und Widerlegung der These einer allgemeinen Rückständigkeit.
Mittelalterliche Schifffahrt, Navigation, Seebuch, Lot, Kompass, Seekarten, Lotsenwesen, Küstennavigation, Orientierung, Landmarken, Gezeitenrechnung, Nordeuropa, Hanseschifffahrt, Seewege, Nautik
Die Arbeit analysiert die Techniken, Methoden und Hilfsmittel, die Schiffer im Nordeuropa des späten Mittelalters verwendeten, um ihre Reisen sicher und zielgerichtet durchzuführen.
Die Arbeit behandelt Segelanweisungen, grundlegende Navigationsinstrumente wie das Lot und den Kompass, die Orientierung in Küstennähe, das Lotsenwesen sowie die Bedeutung von Seekarten und astronomischen Beobachtungen.
Das Ziel ist es aufzuzeigen, wie Schiffer die Navigation meisterten und ob die nordeuropäische Nautik im Vergleich zum Mittelmeerraum als rückständig zu bezeichnen ist oder ob sie sich vielmehr den spezifischen Bedingungen vor Ort angepasst hatte.
Der Autor nutzt eine quellenkritische Analyse historischer Dokumente, insbesondere Segelanweisungen wie das „Seebuch“ und das „Lansdowne Ms.“, ergänzt durch archäologische Funde und zeitgenössische Urkunden.
Der Hauptteil gliedert sich in die Vorstellung der Quellen, die technischen Hilfsmittel (Lot, Kompass), Navigationsverfahren in Küsten- und offener See, die Kartographie und das Lotsenwesen sowie die Anwendung dieser Erkenntnisse auf spezifische Schiffsrouten.
Schlüsselwörter sind unter anderem Mittelalterliche Schifffahrt, Navigation, Seebuch, Lot, Kompass, Lotsenwesen und Hanseschifffahrt.
Da die Gewässer der atlantischen Randmeere relativ flach waren und oft schlechte Sicht herrschte, war das Lot das verlässlichste Mittel, um Wassertiefen zu messen und sich anhand der Bodenbeschaffenheit auf See zu orientieren.
Die spezifischen Bedingungen, wie starke Gezeitenströme und eine stärkere Missweisung der Kompassnadel, machten mathematische Verfahren aus dem Mittelmeerraum in Nordeuropa schwierig umsetzbar, weshalb Schiffer lange Zeit auf bewährte, erfahrungsbasierte Methoden vertrauten.
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