Diplomarbeit, 2003
67 Seiten, Note: sehr gut (1,3)
1 Zielsetzung und Vorgehensweise der Arbeit
2 Geschäftsbeziehungen als Analyseobjekt
2.1 Bestimmung und Abgrenzung des Begriffs Geschäftsbeziehung
2.1.1 Vergleich ausgewählter Definitionen
2.1.2 Unterscheidung zwischen Wiederkaufverhalten und Geschäftsbeziehungen
2.1.3 Zum Verständnis von Geschäftsbeziehungen im Rahmen dieser Arbeit
2.2 Transaktionskostentheoretische Überlegungen zu Geschäftsbeziehungen
2.2.1 Kerngedanken der Transaktionskostentheorie
2.2.2 Spezifische Investitionen und opportunistische Ausbeutung
2.2.3 Maßnahmen zum Schutz vor Opportunismus
3 Ansätze zur Erklärung des Entscheidungsverhaltens
3.1 Die Erwartungsnutzentheorie als Grundlage rationaler Entscheidungen
3.1.1 Auswahlentscheidung innerhalb der Erwartungsnutzentheorie
3.1.2 Axiomatische Fundierung der Erwartungsnutzentheorie
3.1.3 Notwendigkeit der Erweiterung der Erwartungsnutzentheorie
3.2 Die Prospect Theory als Ansatz zur Erklärung realen Entscheidungsverhaltens
3.2.1 Die Phase der Entscheidungsaufbereitung
3.2.2 Die Bewertung der Handlungsalternativen
3.2.3 Der Verlauf der Wertfunktion
3.2.4 Die Wahrscheinlichkeitsgewichtungsfunktion
3.2.5 Veränderungen des Referenzniveaus
3.2.6 Die Risikoeinstellung in der Prospect Theory
4 Implikationen der Prospect Theory für das Absicherungsverhalten
4.1 Ausgangssituation der Analyse
4.1.1 Beschreibung der Ausgangssituation
4.1.2 Referenzpunkt der Ausgangssituation
4.1.3 Framing der Ausgangssituation durch den Zulieferer
4.2 Einfluss der Verlustaversion auf das Absicherungsverhalten
4.2.1 Asymmetrische Bewertung von Gewinnen und Verlusten
4.2.2 Notwendige Absicherung der Quasi-Rente
4.2.3 Überabsicherung als Folge der Verlustaversion
4.3 Absicherungsverhalten nach vorausgegangenen Verlusten und Gewinnen
4.3.1 Erweiterung des Beispiels
4.3.2 Verschiebung des Referenzpunktes
4.3.3 Risikofreudiges Verhalten als Ergebnis eines wahrgenommenen Verlustes
4.3.4 Konsequenzen der Risikofreude für das Absicherungsverhalten
4.3.5 Risikoaversion in Gewinnsituationen
4.3.6 Absicherungsverhalten bei Risikoaversion
4.4 Zusammenfassung der Ergebnisse
5 Kritische Würdigung und Ausblick
Die vorliegende Arbeit analysiert das Absicherungsverhalten von Zulieferern in Geschäftsbeziehungen unter Einbeziehung der Prospect Theory. Das Ziel besteht darin, die Unzulänglichkeiten klassischer rationaler Entscheidungsmodelle bei der Erklärung von Verhaltensweisen wie Verlustaversion und deren Einfluss auf das Bedürfnis nach vertraglicher Absicherung aufzuzeigen und durch verhaltenswissenschaftliche Ansätze zu ergänzen.
4.2.3 Überabsicherung als Folge der Verlustaversion
Da die Größe des Ausbeutungspotentials durch die Höhe der Quasi-Rente bestimmt wird, sollte sich das Absicherungsverhalten des Zulieferers quantitativ daran orientieren. Hier beträgt der ausbeutbare Teil der Quasi-Rente zweihundertvierzigtausend Geldeinheiten. Der Zulieferer müsste demnach diesen Betrag durch geeignete Maßnahmen gegen mögliche Ausbeutungsversuche des Herstellers absichern. Das Beispiel sieht zum Schutz des Zulieferers zunächst eine rechtliche Absicherung vor. Fraglich ist, ob dieser Schutz aus Sicht des Zulieferers ausreichend ist.
Ein rational handelnder Akteur wird sich nur dann opportunistisch verhalten, wenn der zu erwartete Nutzen aus opportunistischer Ausbeutung größer ist, als der Erwartungsnutzen bei kooperativen Verhalten. Detaillierte Verträge können somit ein geeignetes Instrument zum Schutz vor opportunistischen Verhaltensweisen darstellen, wenn derjenige Partner der sich opportunistisch verhält, mit finanziellen Nachteilen rechnen muss. In einem solchen Fall wäre der zu erwartende Nutzen bei kooperativen Verhalten größer, als der Erwartungswert aus opportunistischem Verhalten.
Im Beispiel kann Hersteller A versuchen, sich den ausbeutbaren Teil der Quasi-Rente in Höhe von zweihundertvierzigtausend Geldeinheiten anzueignen. Bei einer offenkundigen Vertragsverletzung riskiert er aber gleichzeitig einen finanziellen Schaden durch die vereinbarte Vertragsstrafe. Diese beträgt hier zweihundertfünfzigtausend Geldeinheiten. Die Höhe der Vertragsstrafe übersteigt den zu erwartenden Nutzen aus der Aneignung der Quasi-Rente. Der Hersteller kann durch opportunistisches Verhalten keine Vorteile erzielen. Folglich besteht für ihn auch kein Anreiz, sich opportunistisch zu verhalten. Unter rationalen Gesichtspunkten stellt der Vertrag aufgrund der vereinbarten Vertragsstrafe eine ausreichende Absicherung der Investitionen dar. Bei der Beantwortung der Frage, ob auch der Zulieferer diese Absicherung als ausreichend empfindet, muss aber dessen Verlustaversion berücksichtigt werden.
1 Zielsetzung und Vorgehensweise der Arbeit: Einleitung in die Problematik opportunistischer Ausbeutung in Geschäftsbeziehungen und Darstellung der Zielsetzung, diese aus Sicht der Prospect Theory zu analysieren.
2 Geschäftsbeziehungen als Analyseobjekt: Definition von Geschäftsbeziehungen und theoretische Fundierung der Problematik durch die Transaktionskostentheorie, insbesondere im Kontext spezifischer Investitionen.
3 Ansätze zur Erklärung des Entscheidungsverhaltens: Gegenüberstellung der rationalen Erwartungsnutzentheorie mit der Prospect Theory als Modell für reales Entscheidungsverhalten unter Risiko.
4 Implikationen der Prospect Theory für das Absicherungsverhalten: Anwendung der Erkenntnisse aus Kapitel 3 auf ein konkretes Zulieferer-Beispiel, um die Auswirkungen von Verlustaversion und Risikoeinstellung auf das Absicherungsbedürfnis zu verdeutlichen.
5 Kritische Würdigung und Ausblick: Zusammenfassende kritische Einordnung der Ergebnisse sowie Ausblick auf die Notwendigkeit empirischer Überprüfungen in weiterführenden Studien.
Geschäftsbeziehungen, Prospect Theory, Transaktionskostentheorie, Verlustaversion, Absicherungsverhalten, Opportunismus, Quasi-Rente, Erwartungsnutzentheorie, Risikoeinstellung, Framing, Referenzpunkt, spezifische Investitionen, Entscheidungsanomalien, Risikoaversion, Risikofreude.
Die Arbeit untersucht das Absicherungsverhalten von Unternehmen in Geschäftsbeziehungen unter Anwendung der verhaltensökonomischen Prospect Theory, um zu verstehen, warum Akteure Entscheidungen treffen, die von klassischen rationalen Erwartungen abweichen.
Die Arbeit verknüpft betriebswirtschaftliche Themen wie Beziehungsmanagement und Transaktionskostentheorie mit psychologisch fundierten Entscheidungstheorien, um Opportunismusrisiken und Schutzmaßnahmen zu bewerten.
Das Ziel ist es, den Einfluss psychologischer Faktoren wie Verlustaversion und verschiedener Risikoeinstellungen auf das Bedürfnis nach vertraglicher Absicherung in Zuliefererbeziehungen zu analysieren.
Die Arbeit nutzt einen analytischen Ansatz, der auf einem fiktiven Praxisbeispiel aus der Automobilindustrie basiert, um die theoretischen Konzepte der Prospect Theory exemplarisch auf konkrete wirtschaftliche Szenarien anzuwenden.
Der Hauptteil analysiert, wie sich das Absicherungsverhalten des Zulieferers bei drohenden Verlusten oder in Gewinnsituationen verändert, und leitet daraus Effekte wie die "Überabsicherung" ab.
Wichtige Begriffe sind insbesondere Verlustaversion, Risikoeinstellung, Quasi-Rente, Opportunismus, Prospect Theory und Framing.
Aufgrund der Verlustaversion bewerten Zulieferer potenzielle Verluste durch opportunistisches Verhalten etwa doppelt so hoch wie gleich hohe Gewinne, was zu einer Überbewertung des Risikos und damit zu einer Überabsicherung der Investitionen führt.
Der Referenzpunkt bestimmt, ob ein Ergebnis als Gewinn oder Verlust wahrgenommen wird. Die Arbeit zeigt, dass dieser Punkt keine feste Größe ist, sondern durch Erwartungen und Erfahrungen verschoben werden kann, was wiederum das Absicherungsbedürfnis maßgeblich verändert.
Da Risikofreude nach der Prospect Theory mit einer Untergewichtung der Eintrittswahrscheinlichkeiten für Verluste einhergeht, unterschätzt der Zulieferer die Gefahr künftiger opportunistischer Ausbeutung, wodurch er fälschlicherweise eine geringere Notwendigkeit für Absicherungsmaßnahmen sieht.
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