Doktorarbeit / Dissertation, 2010
338 Seiten, Note: 1,0
Psychologie - Klinische Psychologie, Psychopathologie, Prävention
1. Alkoholmissbrauch und -abhängigkeit
1.1 Definition der Begrifflichkeiten Alkoholmissbrauch und -abhängigkeit
1.2 Prävalenzen zur Alkoholproblematik in Deutschland
1.3 Folgeschäden von Alkoholabhängigkeit
2. Alkoholabhängigkeit und Familie
2.1 Kinder aus alkoholbelasteten Familien
2.2 Familiäres Transmissionsrisiko von Alkoholabhängigkeit
2.3 Verhaltensauffälligkeiten bei Kindern und Jugendlichen aus alkoholbelasteten Familien
2.3.1 Externalisierende Auffälligkeiten
2.3.1.1 Hyperkinetische Störungen
2.3.1.2 Störungen des Sozialverhaltens
2.3.1.3 Weitere externalisierende Auffälligkeiten
2.3.2 Internalisierende Auffälligkeiten
2.3.2.1 Depressionen
2.3.2.2 Angststörungen
2.3.2.3 Somatische und somatoforme Störungen
2.4 Zusammenfassung und Fazit
3. Risiko- und Schutzfaktoren in der Entwicklung von Verhaltensauffälligkeiten
3.1 Risikofaktoren
3.1.1 Umgebungsbezogene Risikofaktoren
3.1.2 Personenbezogene Risikofaktoren
3.1.3 Übersicht
3.2 Schutzfaktoren
3.2.1 Umgebungsbezogene Schutzfaktoren
3.2.2 Personenbezogene Schutzfaktoren
3.2.3 Übersicht
3.3 Zusammenfassung und Fazit
4. Fragestellungen und Hypothesen der Untersuchung
4.1 Primäre Fragestellungen und Hypothesen
4.1.1 Verhaltensauffälligkeiten
4.1.2 Kognitive Faktoren
4.2 Sekundäre Fragestellungen und Hypothesen
5. Methode
5.1 Stichprobenbeschreibung
5.1.1 Jugendliche
5.1.1.1 Untersuchungsgruppe
5.1.1.2 Kontrollgruppe
5.1.1.3 Vergleichbarkeit der UG mit der KG
5.1.2 Fallbeispiele
5.2 Inzentive
5.3 Untersuchungsinstrumente
5.3.1 Jugendliche
5.3.1.1 Soziodemographische Merkmale
5.3.1.2 Children of Alcoholics Screening Test (CAST)
5.3.1.3 Weitere Angaben zur elterlichen Suchtproblematik
5.3.1.4 Alkoholkonsum
5.3.1.5 Fragebogen zu Stärken und Schwächen (SDQ)
5.3.1.6 KIDCOPE
5.3.1.7 Allgemeine Selbstwirksamkeitserwartungen (SWE)
5.3.1.8 Schema Questionnaire for Children (SQC)
5.3.1.9 Fragebogen für negative und positive automatische Gedanken (FAG)
5.3.1.10 Family Assessment Measurement-III (FAM-III)
5.3.1.11 Familien-Beziehungs-Skalen (FBS)
5.3.1.12 Übersicht
5.3.2 Eltern
5.3.2.1 Soziodemographische Merkmale
5.3.2.2 Angaben zur elterlichen Suchtproblematik
5.3.2.3 Alcohol Use Disorder Identification Test (AUDIT)
5.3.2.4 Skala „Medikamenteneinnahme“ aus dem Fragebogen zur Erfassung des Gesundheitsverhaltens (FEG)
5.3.2.5 General Health Questionnaire (GHQ-12)
5.3.2.6 Fragebogen zu Stärken und Schwächen (SDQ) - Elternversion
5.3.2.7 Family Assessment Measurement-III (FAM-III)
5.3.2.8 Familien-Beziehungs-Skalen (FBS)
5.3.2.9 Übersicht
5.4 Untersuchungsablauf
5.4.1 Ablauf der Untersuchung für die Untersuchungsgruppe
5.4.2 Ablauf der Untersuchung für die Kontrollgruppe
5.5 Datenanalyse
6. Ergebnisse
6.1 Verhaltensauffälligkeiten
6.1.1 Psychische Symptombelastung
6.1.2 Alkoholkonsum
6.2 Kognitive Variablen
6.2.1 Vergleiche zwischen der UG und der KG
6.2.1.1 Bewältigungsverhalten
6.2.1.2 Selbstwirksamkeitserwartungen
6.2.1.3 Dysfunktionale Schemata
6.2.1.4 Automatische Gedanken
6.2.2 Geschlechts- und altersspezifische Auswertungen in Hinblick auf kognitive Variablen innerhalb der UG
6.2.3 Analyse der Bedeutung kognitiver Variablen für die psychische Symptombelastung
6.2.3.1 Bewältigungsverhalten
6.2.3.2 Selbstwirksamkeitserwartungen
6.2.3.3 Dysfunktionale Schemata
6.2.3.4 Automatische Gedanken
6.2.3.5 Ergebnisse univariater Varianzanalysen in Hinblick auf kognitive Variablen
6.2.3.6 Ergebnisse linearer Regressionsanalysen in Hinblick auf kognitive Variablen
6.3 Variablen der Eltern-Kind-Beziehung
6.3.1 Vergleiche zwischen der UG und der KG
6.3.2 Geschlechts- und altersspezifische Auswertungen in Hinblick auf Variablen der Eltern- Kind-Beziehung innerhalb der UG
6.3.3 Analyse der Bedeutung von Variablen der Eltern-Kind-Beziehung für die psychische Symptombelastung
6.3.4 Ergebnisse univariater Varianzanalysen in Hinblick auf Variablen der Eltern-Kind Beziehung
6.3.5 Ergebnisse linearer Regressionsanalysen in Hinblick auf Variablen der Eltern Kind-Beziehung
6.4 Ergebnisse linearer Regressionsanalysen in Hinblick auf kognitive Variablen und Variablen der Eltern-Kind-Beziehung
6.5 Resilienzen
6.6 Explorative Fallbeispiele
6.6.1 Fallbeispiel 1: Familie B. aus A.
6.6.2 Fallbeispiel 2: Familie W. aus N.
6.6.3 Zusammenfassung und Fazit
7. Diskussion
7.1 Verhaltensauffälligkeiten
7.2 Kognitive Faktoren
7.3 Variablen der Eltern-Kind-Beziehung
7.4 Limitationen der vorliegenden Untersuchung
7.5 Fazit für die Praxis und weitere Forschungsvorhaben
Die vorliegende Forschungsarbeit untersucht die Auswirkungen elterlichen Alkoholmissbrauchs auf die psychische Gesundheit sowie auf kognitive Muster und die Eltern-Kind-Beziehung von Kindern und Jugendlichen aus betroffenen Familien im Vergleich zu unbelasteten Gleichaltrigen.
3. Risiko- und Schutzfaktoren in der Entwicklung von Verhaltensauffälligkeiten
Wie bereits angedeutet, dürfen Studien, die das höhere Entwicklungsrisiko von Kindern und Jugendlichen aus alkoholbelasteten Familien belegen, nicht den falschen Eindruck erwecken, dass die elterliche Alkoholproblematik als einzige oder direkte Ursache für Entwicklungsprobleme bei betroffenen Kindern zu bezeichnen ist (Uhl, Springer, Kobrna & Matt, 2008). Klein et al. (2003) machen deutlich, dass die mit einer elterlichen Alkoholabhängigkeit verbundenen Entwicklungsrisiken vielmehr einem komplexen Gefüge miteinander agierender Risiko- und Schutzfaktoren entspringen, welche sowohl in der Umwelt als auch in der Person des Kindes aufzufinden sind (Zobel, 2000). Außerdem entwickeln nicht alle Kinder aus suchtbelasteten Familien zwangsläufig eine psychische Störung (Klein, 2007; Uhl et al., 2008).
Studien haben gezeigt, dass nur ca. ein Drittel der betroffenen Kinder gravierende Störungen im Kindes-, Jugend- und Erwachsenenalter zeigt, die zur Chronifizierung neigen (Werner, 1992, 1993; Werner & Smith, 1982). Etwa ein weiteres Drittel entwickelt leichte bis mittelschwere Probleme, die die Funktionsfähigkeit nur leicht bis mittelschwer beeinträchtigen und oft nur vorübergehender Natur sind. Etwa ein Drittel entwickelt keine relevanten Probleme oder bleibt psychisch vollkommen gesund bzw. stabil. Dieser Befund impliziert ebenfalls, dass das elterliche Alkoholproblem nicht allein entscheidend für die Entstehung von psychischen Beeinträchtigungen sein kann, sondern dass bestimmte Faktoren dazu beitragen, ob ein Kind psychische oder substanzbezogene Probleme entwickelt oder nicht. Basierend auf dem Modell von Klein et al. (2003), welches in Abbildung 3 dargestellt wird, werden im Folgenden bis dato identifizierte Risiko- und Schutzfaktoren berichtet, die für die Entwicklung psychischer Beeinträchtigungen bei Kindern und Jugendlichen von suchtkranken Eltern eine herausragende Bedeutung besitzen.
Alkoholmissbrauch und -abhängigkeit: Erläutert die theoretischen Grundlagen von Konsummustern und pathologischem Gebrauch, inklusive diagnostischer Klassifikationen nach ICD-10 und DSM-IV.
Alkoholabhängigkeit und Familie: Analysiert die Belastungen und das Transmissionsrisiko, denen Kinder in suchtbelasteten Familien ausgesetzt sind, sowie typische psychische Symptombilder.
Risiko- und Schutzfaktoren in der Entwicklung von Verhaltensauffälligkeiten: Identifiziert umwelt- und personenbezogene Faktoren, die entweder zur Entwicklung psychischer Auffälligkeiten beitragen oder Resilienzen stärken.
Fragestellungen und Hypothesen der Untersuchung: Definiert die wissenschaftlichen Zielsetzungen der Studie, insbesondere die Analyse kognitiver Faktoren im Kontext der psychischen Belastung bei betroffenen Kindern.
Methode: Beschreibt das Studiendesign, die Stichprobenrekrutierung (UG und KG), die eingesetzten psychometrischen Instrumente sowie den Untersuchungsablauf.
Ergebnisse: Präsentiert die statistischen Auswertungen zur psychischen Symptombelastung, den kognitiven Variablen und den Aspekten der Eltern-Kind-Beziehung.
Diskussion: Reflektiert die Befunde vor dem Hintergrund der bestehenden Forschungslage, diskutiert methodische Limitationen und leitet Praxisimplikationen für die Prävention ab.
Alkoholabhängigkeit, Kinder aus Suchtfamilien, psychische Auffälligkeiten, Verhaltensauffälligkeiten, Risiko- und Schutzfaktoren, Resilienz, Bewältigungsstrategien, Selbstwirksamkeitserwartungen, dysfunktionale Schemata, Eltern-Kind-Beziehung, Prävention, Transmissionsrisiko, psychische Symptombelastung, kognitive Muster, automatische Gedanken.
Die Arbeit untersucht, welche Rolle kognitive Faktoren (wie Bewältigung und Selbstwahrnehmung) sowie familiäre Bedingungen bei der Entstehung psychischer Auffälligkeiten bei Kindern aus alkoholbelasteten Familien spielen.
Die Schwerpunkte liegen auf der psychischen Gesundheit, der kognitiven Entwicklung, der Beziehungsqualität zwischen Eltern und Kindern sowie den Mechanismen, die Kinder trotz elterlicher Sucht resilient machen.
Ziel ist es, Lücken in der Forschung zur Bedeutung kognitiver Muster bei Kindern aus Suchtfamilien zu füllen und durch den Vergleich mit einer unbelasteten Kontrollgruppe maßgebliche Erkenntnisse für präventive Angebote abzuleiten.
Es wurde eine Fragebogenuntersuchung mit insgesamt 181 Teilnehmern (72 Kinder aus belasteten Familien, 109 unbelastete Kinder) durchgeführt, ergänzt durch explorative Falldarstellungen und Interviews mit Elternteilen.
Im Hauptteil werden neben der Symptombelastung auch Bewältigungsstrategien, Selbstwirksamkeitserwartungen, dysfunktionale Schemata und die Eltern-Kind-Beziehung detailliert statistisch analysiert und miteinander in Beziehung gesetzt.
Zu den wichtigsten Begriffen gehören Kinder aus Suchtfamilien, psychische Symptombelastung, Resilienz, Bewältigungsstrategien, dysfunktionale Schemata und präventive Arbeit.
Die Ergebnisse zeigen, dass Kinder aus alkoholbelasteten Familien insgesamt eine höhere psychische Symptombelastung aufweisen, insbesondere in Bezug auf emotionale Probleme und Verhaltensweisen, während unerwarteterweise keine signifikanten Unterschiede beim Alkoholkonsumverhalten festgestellt wurden.
Kognitive Muster wie Selbstwirksamkeitserwartungen sind protektive Faktoren; eine positive Wahrnehmung und effektive Bewältigung helfen dabei, psychische Entwicklungsrisiken in belasteten Familien abzumildern.
Die Fallbeispiele verdeutlichen, dass die Wahrnehmung der psychischen Gesundheit der Kinder zwischen den suchtkranken Eltern und den betroffenen Kindern selbst oft stark divergiert, wobei Eltern ihre Kinder teilweise als belasteter einstufen, als diese sich selbst wahrnehmen.
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