Bachelorarbeit, 2014
55 Seiten, Note: 2
1. Einleitung
2. Geografische Einordnung und literaturgeschichtlicher Hintergrund
2.1 Indien
2.2 Griechisch-römische Antike
2.3 Deutsches Mittelalter
2.4 Afrika
2.5 Deutsche Aufklärung
3. Textvorstellung und -analyse
3.1 Indien
3.1.1 „Pantschatantra“
3.1.2 „Kalila und Dimna“
3.2 Griechisch-römische Antike
3.2.1 Aesopus
3.2.2 Phaedrus
3.2.3 Babrios
3.2.4 Romulus
3.2.5 Ignatios Diakonos
3.3 Deutschsprachiges Mittelalter
3.3.1 Deutsche Rezeption des „Buches der Beispiele der alten Weisen“ – Johann von Capua
3.3.2 Geschichten von den Römern – „Gesta Romanorum“
3.3.3 Ulrich Boner – „Der Edelstein“
3.3.4 Heinrich Steinhöwels Äsop
3.3.5 Deutsche Rezeption des „Buches der Beispiele der alten Weisen“ - Anton von Pforr
3.3.6 Nürnberger Prosa Äsop: „Von dem mann der die nater mit im haim trúg“
3.4 Deutsche Aufklärung
3.5 Afrika
4. Resümee
Die vorliegende Arbeit untersucht das Motiv der zerbrochenen Freundschaft und des gestörten Vertrauens zwischen ungleichen Partnern anhand der Fabel vom Mann und der Schlange, indem sie verschiedene historische und kulturelle Bearbeitungen vergleicht und in ihren jeweiligen zeitlichen Kontext einordnet.
Der Ritter und die Schlange
Es gab einst einen König Fulgentius; in dessen Reich lebte ein Ritter namens Zedechias, der eine schöne, aber nicht sehr kluge Frau nahm. In einer Kammer seines Hauses hielt sich eine Schlange auf: Der Ritter besuchte nun so lange Turniere und Lanzenrennen, bis er in äußerste Not geriet; da weinte er bitterlich, lief wie verzweifelt bald hier-, bald dorthin und wußte [sic!] nicht, was er anfangen sollte. Als die Schlange seinen Schmerz gewahrte, bekam sie von Gott die Fähigkeit zu reden, wie einst die Eselin Bileams, und sprach: „Warum weinst du? Tue nach meinem Rat, und du wirst es nicht bereuen! Gib mir jeden Tag süße Milch, und ich will dich reich machen!“ Als der Ritter das hörte, freute er sich sehr und versprach, es getreulich erfüllen zu wollen. Alsbald wurde er in kurzer Zeit sehr wohlhabend, bekam hübsche Kinder und erwarb großen Reichtum. Nun begab es sich eines Tages, daß [sic!] seine Frau zu ihrem Manne sprach: „Herr, ich glaube, jene Schlange besitzt in dem Gemach, in welchem sie liegt, viele Güter; ich rate dir deshalb, sie zu töten, und wir werden ihre Schätze bekommen.“ Da nahm er auf Anweisung seiner Frau außer dem Milchgefäß einen Hammer mit, um die Schlange zu erschlagen. Als nun die Schlange die Milchschale sah, steckte sie ihren Kopf aus einem Loch der Kammer, um nach ihrer Gewohnheit die Milch zu lecken. Der Ritter bemerkte dies, erhob den Hammer und wollte damit die Schlange erschlagen; diese sah es mit einem Male, zog den Kopf zurück, und der Hieb traf das Milchgefäß.
1. Einleitung: Definition der Gattung Fabel und Einordnung ihrer didaktischen Funktion sowie Vorstellung der methodischen Basis der Arbeit.
2. Geografische Einordnung und literaturgeschichtlicher Hintergrund: Überblick über die Verbreitung und Entwicklung der Fabel in verschiedenen Kulturen und Epochen.
3. Textvorstellung und -analyse: Detaillierte Untersuchung spezifischer Fabeltexte aus Indien, der Antike, dem Mittelalter, der Aufklärung und Afrika.
4. Resümee: Zusammenfassende Betrachtung der Fabel als flexible Gattung, die trotz unterschiedlicher Kontexte zentrale moralische Themen wie Vertrauen und Habgier verhandelt.
Fabel, Literaturgeschichte, Mann und Schlange, Vertrauen, Freundschaft, Mittelalter, Didaktik, Pantschatantra, Aesop, Moral, Rezeption, Kulturvergleich, Exempel, Epimythion, Aufklärung
Die Arbeit analysiert die verschiedenen Fassungen und kulturellen Adaptionen der Fabel vom Mann und der Schlange, um aufzuzeigen, wie das Motiv des gebrochenen Vertrauens in unterschiedlichen historischen Epochen dargestellt wird.
Die zentralen Themen sind das Vertrauensverhältnis zwischen ungleichen Partnern, die Konsequenzen von Habgier, die Rolle von Moral und Belehrung sowie die Funktion der Fabel als Instrument zur Erziehung.
Das Ziel ist die komparative Analyse der Fabel vom Mann und der Schlange, um herauszuarbeiten, wie sich die inhaltliche Gestaltung und die Moral im Wandel der Zeiten und Kulturen verändert haben.
Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse durchgeführt, die auf dem Textvergleich und der Untersuchung von historischen Quellen, Übersetzungen und deren jeweiligen kulturellen Einbettung basiert.
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse spezifischer Fabel-Korpora (wie Pantschatantra, Gesta Romanorum, Aesop), wobei jedes Kapitel die Besonderheiten der jeweiligen Textversion, deren moralische Ausrichtung und deren formale Gestaltung beleuchtet.
Wichtige Begriffe sind Fabel, Vertrauen, Habgier, komparative Literaturwissenschaft, didaktische Funktion und die Rezeption antiker Stoffe im Mittelalter.
Die Schlange fungiert mal als stummes Objekt, mal als moralische Instanz mit eigener Stimme, oder gar als Verkörperung des Teufels, wobei ihre Wandlung von der "Glücksschlange" zur "Todesbringerin" die unterschiedliche moralische Bewertung durch die Autoren verdeutlicht.
In den mittelalterlichen Texten wie der Gesta Romanorum oder bei Ulrich Boner dient die Fabel oft als Instrument der Laienseelsorge, wobei christliche Konzepte wie Todsünden (z.B. Habgier/avaritia) und die Frage nach der Möglichkeit göttlicher Vergebung zentral sind.
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