Bachelorarbeit, 2012
34 Seiten, Note: 2,3
1. Einleitung
2. Ich-Auflösung in Thomas Manns "Tod in Venedig"
2.1 Aschenbachs Identitätskrise im Rahmen eines Übergangs vom apollinischen zum dionysischen Weltbild
2.2 Die Identitätsthematik im Rahmen von Décadence-Symbolen
3. Die Identitätskrise im Urbanisierungsprozess des frühen 20. Jahrhunderts in Rainer Maria Rilkes "Die Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge"
3.1 Die Großstadt und das Ich
3.2 Identitätskrise und die Rolle des Erzählers
4. Autonomieverlust als Identitätskrise bei Arthur Schnitzlers „Sterben“?
4.1 Krankheit als Identitäts- oder Ich- Krise?
4.2 Krankheit und Tod
4.3 "Sterben" als Identitätswechsel im Vergleich zu Mann und Rilke
5. Fazit
Die vorliegende Arbeit untersucht die Identitätskrisen dreier Protagonisten der literarischen Moderne um 1900 und analysiert, wie gesellschaftliche und kulturelle Umbrüche sowie die Konfrontation mit Krankheit und Tod den Zusammenbruch stabiler Ich-Konzepte in den Erzählungen von Thomas Mann, Rainer Maria Rilke und Arthur Schnitzler bedingen.
Verlust des Inneren
Der Verlust einer Ich-Konzeption wird in "Tod in Venedig" durch verschiedene sprachliche und kontextuelle Mittel ausgedrückt. Nur zu Beginn der Novelle spricht der Erzähler von einem "Ich", welches Aschenbach Aufgaben stellt. Dieses "Ich" wird jedoch im weiteren Verlauf durch andere attributive Pronomen ersetzt werden, wodurch deutlich wird, dass souveränes selbstbestimmtes Handeln für Aschenbach nicht mehr möglich ist. Um Aschenbach zu benennen, wählt der Erzähler substantivierte Verb- und Adjektivformen, die der jeweiligen Situation angepasst werden, in welcher sich der Protagonist gerade befindet. So ist Aschenbach etwa "der Betrachtende" (Mann, Venedig, S.11), der "Flüchtling" (ebd. S. 48), der "Enthusiasmierte" (ebd. S. 53) oder der "Einsame" (ebd. S. 71). Der auffallend häufige Gebrauch solcher Bezeichnungen reduziert die Person Aschenbach auf spezifische Empfindungen oder situative Funktionen.
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in den Identitätsbegriff der Moderne ein und definiert die Identitätskrise als einen dysfunktionalen Ich-Weltbezug, der anhand der Werke von Mann, Rilke und Schnitzler untersucht wird.
2. Ich-Auflösung in Thomas Manns "Tod in Venedig": Das Kapitel analysiert Aschenbachs Identitätsdekonstruktion durch das Spannungsfeld zwischen apollinischem und dionysischem Weltbild sowie die symbolische Bedeutung Venedigs.
2.1 Aschenbachs Identitätskrise im Rahmen eines Übergangs vom apollinischen zum dionysischen Weltbild: Hier wird untersucht, wie die Adaption von Nietzsches Philosophie Aschenbachs Künstleridentität erschüttert und ihn in den Verlust seiner Selbststeuerung führt.
2.2 Die Identitätsthematik im Rahmen von Décadence-Symbolen: Dieses Unterkapitel beleuchtet die Rolle von Venedig als Ort des Verfalls und wie Krankheitssymbole Aschenbachs zunehmende Entfremdung von seinem bürgerlichen Leben unterstützen.
3. Die Identitätskrise im Urbanisierungsprozess des frühen 20. Jahrhunderts in Rainer Maria Rilkes "Die Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge": Der Fokus liegt hier auf der Großstadtthematik und wie die Reizüberflutung in Paris das Ich-Konzept des Protagonisten zersetzt.
3.1 Die Großstadt und das Ich: Die Untersuchung zeigt, wie die technische Beschleunigung und urbane Anonymität ein "neues Sehen" erzwingen, das die Grenzen zwischen Innen- und Außenwelt auflöst.
3.2 Identitätskrise und die Rolle des Erzählers: Dieses Kapitel erläutert, wie der Ich-Erzähler versucht, das Ich durch das Schreiben zu retten, bis er schließlich in einer polyperspektivischen Struktur aufgeht.
4. Autonomieverlust als Identitätskrise bei Arthur Schnitzlers „Sterben“?: Schnitzlers Novelle wird hier als Fallstudie für einen Identitätswechsel durch Krankheit behandelt, der jenseits der bewussten Gestaltung durch das Subjekt erfolgt.
4.1 Krankheit als Identitäts- oder Ich- Krise?: Hier wird analysiert, wie die Tuberkulose-Diagnose Felix' Weltbezug monopolisiert und sein bisheriges Identitätsgefüge durch eine krankheitsbedingte Isolation ersetzt.
4.2 Krankheit und Tod: Das Kapitel untersucht, wie Angst vor dem Tod und die Verdrängung desselben die Beziehung zwischen Marie und Felix bestimmen und das Fehlen eines stabilen Ichs offenbaren.
4.3 "Sterben" als Identitätswechsel im Vergleich zu Mann und Rilke: Es wird abschließend herausgearbeitet, dass Felix' Identitätswandel weniger ein aktiver Prozess der Konstruktion als vielmehr ein passives Ergebnis der Exklusion durch Krankheit ist.
5. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass die Identitätskrise ein zentrales Merkmal der Jahrhundertwende ist und die untersuchten Autoren das Scheitern des Individuums an den Anforderungen der Moderne auf je unterschiedliche Weise darstellen.
Identität, Identitätskrise, Moderne, Fin de Siècle, Thomas Mann, Rainer Maria Rilke, Arthur Schnitzler, Tod, Krankheit, Décadence, Subjektzerfall, Großstadt, Ich-Konzeption, Neurasthenie, Autonomieverlust.
Die Arbeit untersucht das literarische Motiv der Identitätskrise im Kontext der Epoche um 1900 anhand dreier ausgewählter Erzählungen von Mann, Rilke und Schnitzler.
Die Arbeit befasst sich mit der Konfrontation des Subjekts mit urbanen Räumen, dem Einfluss der Philosophie Nietzsches, Décadence-Symbolik sowie den psychologischen Auswirkungen von Krankheit und Tod.
Ziel ist es, die Prozesse nachvollziehbar zu machen, die in den jeweiligen Werken zu einer Destabilisierung oder dem Verlust der Ich-Identität der Hauptfiguren führen.
Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Analyse, die philosophische und soziologische Konzepte (z.B. den Identitätsbegriff von Mach oder Luhmann) heranzieht, um die literarischen Texte differenziert zu interpretieren.
Im Hauptteil werden nacheinander die Novellen "Tod in Venedig", "Die Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge" und "Sterben" im Hinblick auf das Ich-Welt-Verhältnis der Protagonisten detailliert analysiert.
Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie Identitätskrise, Moderne, Entpersonalisierung, Großstadt, Décadence und Subjektkonstitution.
Während bei Mann die Identitätskrise als Resultat eines gescheiterten Versuchs zur bewussten Neukonstruktion eines Künstlers erscheint, zeigt Schnitzler bei Felix einen passiven Identitätswechsel, der primär durch eine medizinische Diagnose forciert wird.
Die Großstadt fungiert als Raum, der durch seine Überpräsenz an Eindrücken das Ich zur Aufgabe seiner souveränen Filterfunktionen zwingt, was zum Zerfall des Individuums in einen bloßen Wahrnehmungskörper führt.
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