Bachelorarbeit, 2013
52 Seiten, Note: 1,7
I. Einleitung
II. Die Authentizitätsfrage
III. Die Montage als Schreibverfahren – Versuch einer Begriffserklärung
IV. Reisigers Weg zum Pazifismus
1. Die Ursachen des Krieges
2. Die „Kameradschaft vor dem Feind“
3. Die Front und der Feind
4. Pflicht und Befehl als retardierende Elemente im Erkenntnisprozess
5. Reisigers pazifistische Verweigerung
V. Die Entlarvung der offiziellen Kriegsdeutung durch die Form der Montage
1. Zensur und Propaganda
2. Religion und Krieg
3. Sexualität und Krieg
VI. Die Funktion der Montage
VII. Fazit
Die vorliegende Arbeit untersucht die innovative Montagetechnik in Edlef Köppens Antikriegsroman „Heeresbericht“ und analysiert, wie diese Form genutzt wird, um die offizielle Kriegsdeutung und Propaganda zu entlarven. Im Zentrum steht dabei die Frage, wie durch das Ineinandergreifen von fiktiver Erzählung und authentischen Dokumenten eine kritische Perspektive auf den Krieg und die Entwicklung des Protagonisten Adolf Reisiger zum Kriegsdienstverweigerer konstruiert wird.
Die Montage als Schreibverfahren – Versuch einer Begriffserklärung
Montage und Collage sind uneinheitlich verwendete Begriffe, die zudem oft synonym gebraucht werden. Sie beziehen sich sowohl auf die Literaturwissenschaft als auch auf die Bildende Künste. Beiden Begriffen gemein ist die implizite Annahme, dass es sich nicht nur um ein Endprodukt handelt, sondern um die Verfahrenstechnik selbst (kleben oder „montieren“). Die „Entblößung des Konstruktionsprinzips“ steht im Vordergrund, anstelle des abgerundeten, vollenden Werkes.
Gerade der Begriff Montage wird heute aber so vielfältig benutzt, dass eine so eingrenzende Definition, gerade für die Literatur, unbrauchbar und überholt erscheint. Volker Klotz schlägt stattdessen folgendes vor: „Montage ist ein Kunst-Verfahren, das äußerstenfalls zum Kunst-Produkt 'Collage' führt. Dann nämlich, wenn qualitativ und quantitativ der Fremdcharakter des vorgefundenen und vorfabrizierten Materials überwiegt. Demnach setzen Collagen als Verfahren die Montage voraus, aber nicht alle Montagen bringen Collagen hervor.“
I. Einleitung: Die Einleitung führt in den Antikriegsroman von Edlef Köppen ein, erläutert die Rezeptionsgeschichte und skizziert das methodische Ziel der Arbeit, die Funktion der Montagetechnik zu analysieren.
II. Die Authentizitätsfrage: Dieses Kapitel erörtert den historischen Anspruch auf Authentizität in der Weimarer Republik und wie Köppen diesen durch die Montage von offiziellen und privaten Dokumenten reflektiert.
III. Die Montage als Schreibverfahren – Versuch einer Begriffserklärung: Hier werden die literaturwissenschaftlichen Grundlagen für den Montagebegriff dargelegt und von der bildenden Kunst abgegrenzt, um eine analytische Basis für den Roman zu schaffen.
IV. Reisigers Weg zum Pazifismus: Dieses Kapitel verfolgt die Entwicklung des Protagonisten Adolf Reisiger vom Kriegsfreiwilligen zum Deserteur und Pazifisten unter dem Druck der Kriegserfahrungen.
V. Die Entlarvung der offiziellen Kriegsdeutung durch die Form der Montage: Untersucht wird, wie Köppen mittels Zeitungsannoncen, offiziellen Erlassen und privaten Briefen die staatliche Kriegspropaganda in Bezug auf Zensur, Religion und Sexualität dekonstruiert.
VI. Die Funktion der Montage: Zusammenfassung der Wirkungsweise der dokumentarischen Montage, die den Leser zum „Kriegsreporter“ macht und die Konstruiertheit von Fiktion und Realität offenlegt.
VII. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und unterstreicht die literarische Innovation von Köppens Roman bei der Aufdeckung der Verbindung zwischen Fiktion und gesellschaftlicher Kriegsmaschine.
Edlef Köppen, Heeresbericht, Montage, Collage, Antikriegsroman, Neusachlichkeit, Kriegspropaganda, Pazifismus, Adolf Reisiger, Weimarer Republik, Authentizität, Dokumentarliteratur, Kriegsdeutung, Literaturwissenschaft, Moderne.
Die Arbeit analysiert den Einsatz der Montagetechnik in Edlef Köppens Roman „Heeresbericht“ und zeigt auf, wie diese Methode genutzt wird, um die Mechanismen staatlicher Kriegspropaganda zu entlarven.
Zentrale Themen sind der literarische Montagebegriff, das Verhältnis von historischer Authentizität und literarischer Fiktion, die Rolle der Propaganda sowie die psychologische Wandlung des Protagonisten vom Soldaten zum Pazifisten.
Das Ziel ist es, nachzuweisen, dass Köppens Montageverfahren nicht bloße Ästhetik ist, sondern ein gezieltes Instrument, um die offizielle, ideologisch gefärbte Kriegsdeutung kritisch zu hinterfragen.
Die Arbeit nutzt eine literaturwissenschaftliche Analyse des Primärtextes unter Einbeziehung zeitgenössischer Forschungsliteratur zur „Neuen Sachlichkeit“ und zur dokumentarischen Literatur.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Begriffsbestimmung der Montage, die Darstellung der Entwicklung des Protagonisten Reisiger sowie eine detaillierte Analyse der Gegenüberstellung von Dokument und Erzählung in Bezug auf Zensur, Religion und Sexualität.
Zu den wichtigsten Begriffen zählen Montage, Heeresbericht, Edlef Köppen, Kriegspropaganda, Authentizität und Neusachlichkeit.
Köppen nutzt diese Begriffe als ideologische Konstrukte, die Reisiger im Laufe seiner Kriegserfahrung als hohl entlarvt, um den Übergang von der militärischen Indoktrination zur persönlichen pazifistischen Erkenntnis abzubilden.
Die Kontrastmontage dient dazu, staatliche Verlautbarungen direkt mit der grausamen Realität des Schlachtfelds oder privaten Leiden zu konfrontieren, um die Doppelbödigkeit und Lüge der Kriegspropaganda für den Leser unmittelbar erfahrbar zu machen.
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