Bachelorarbeit, 2013
49 Seiten, Note: 2,3
1. Einführung
2. Piero in Sansepolcro
2.1 Die Stadt
2.2 Der Künstler
2.3 Kunst für die Stadt
3. Die Bildtradition Sansepolcros
3.1 Zwei Auferstehungen
3.2 Modo e forma: Von Niccolò di Segna über Sassetta zu Piero
4. Sansepolcro in Pieros Werken
4.1 Die Taufe Christi
4.2 Die Auferstehung Christi
4.3 Die Geburt Christi
5. Schluss
Die vorliegende Bachelorarbeit untersucht die enge, wechselseitige Beziehung zwischen dem Renaissance-Künstler Piero della Francesca und seiner Heimatstadt Sansepolcro. Das primäre Ziel ist es, aufzuzeigen, wie die lokale Kultur, die spezifische Bildtradition und das soziale Umfeld der Stadt Pieros künstlerische Entwicklung und seinen Stil maßgeblich prägten und wie er diese Einflüsse in seinen Werken verarbeitete.
Die Bildtradition Sansepolcros
Zur Zeit von Piero della Francescas Jugend war Sansepolcro nicht für eine große Kunsttradition bekannt. Vor ihm gab es keinen außergewöhnlichen Künstler aus der Stadt. Wie bereits beschrieben gab es zwar eine talentierte Schicht an Handwerkern, das Feld der Malerei war dabei aber unterrepräsentiert. Trotzdem befinden sich in der Stadt einige künstlerische Schätze. Die berühmteste Skulptur der Stadt, heute im Dom zu finden, war das viel verehrte, hölzerne Volto Santo, eine besonders ungewöhnliche Kruzifixdarstellung, bei der Jesus im langen Gewand und mit offenen Augen als Gekreuzigter dargestellt ist. Das Kreuz kam spätestens 1348 in die Stadt, trotz einer wahrscheinlichen Fertigstellung zwischen dem siebten und neunten Jahrhundert, sollte es der Legende nach von einem Zeitzeugen der Kreuzigung geschnitzt worden sein – das Gesicht selbst aber von einem Engel, weshalb man ihm besondere Wunderkräfte zuschrieb.
Im Gegensatz zu Städten wie Florenz oder Siena, die die einflussreichen Schulen der italienischen Malerei beherbergten, war Sansepolcro zu klein und abgelegen, um eine wirklich eigenständige Kunstrichtung zu entwickeln. Die Stadt war deshalb in stilistischer Hinsicht größtenteils von den großen Zentren der Toskana beeinflusst. Aus der Zeit vor Piero sind wenig Kunstwerke erhalten, die bekanntesten aber, Niccolò di Segnas Polyptychon der Auferstehung Christi, sowie Sassettas Borgo San Sepolcro Altar, sind sienesischer Herkunft. Die Einwohner Sansepolcros scheinen eine Vorliebe für Künstler aus Siena gehabt zu haben. Seit frühester Jugend war Piero somit in Sienesischer Tradition beeinflusst.
1. Einführung: Vorstellung des Untersuchungsgegenstandes, der Beziehung zwischen Piero della Francesca und Sansepolcro, sowie die methodische Einordnung der Arbeit.
2. Piero in Sansepolcro: Historische und biographische Untersuchung der Stadtkultur und ihrer prägenden Wirkung auf den jungen Piero, inklusive einer Analyse der Auftraggeberstruktur.
3. Die Bildtradition Sansepolcros: Erörterung der Sienesischen Einflüsse auf die lokalen Kunstwerke und wie Piero auf diese Tradition reagierte.
4. Sansepolcro in Pieros Werken: Untersuchung der Darstellung des Geburtsortes in drei Hauptwerken und deren symbolische Einbettung in den lokalen Kontext.
5. Schluss: Zusammenfassung der Ergebnisse und Reflexion über die Konsistenz und Einzigartigkeit von Pieros Wirken in Sansepolcro.
Piero della Francesca, Sansepolcro, Quattrocento, Sienesische Schule, Kunstgeschichte, Sozialgeschichte, Auftraggeber, Bildtradition, Auferstehung Christi, Taufe Christi, Geburt Christi, Landschaftsmalerei, Renaissance, Lokalstolz, Ikonographie.
Die Arbeit analysiert die wechselseitige Beziehung zwischen Piero della Francesca und seiner Heimatstadt Sansepolcro während des 15. Jahrhunderts.
Zu den Schwerpunkten gehören der soziale Hintergrund des Künstlers, die Sienesische Bildtradition vor Ort, der Einfluss der Auftraggeber und die topographische sowie symbolische Darstellung der Heimatstadt in Pieros Hauptwerken.
Es wird untersucht, inwiefern die spezifische Kultur Sansepolcros als prägende Kraft in Pieros künstlerischem Stil und seinem Werk identifizierbar ist.
Es handelt sich um einen kunsthistorischen, sozialhistorischen Ansatz, der die Lebenswelt des Künstlers mit seinen Werken verknüpft.
Der Hauptteil gliedert sich in die politische/soziale Analyse des Umfelds, die kunsthistorische Herleitung durch Sienesische Einflüsse und die konkrete Fallstudie dreier Schlüsselwerke.
Die Arbeit definiert sich über Begriffe wie Piero della Francesca, Sansepolcro, Quattrocento, Ikonographie, Lokalstolz und Tradition.
Der Mythos um das "Neue Jerusalem" dient als Erklärungsmodell für das starke Bedürfnis der Stadt und ihres Künstlers, biblische Ereignisse in den lokalen, geheiligten Raum der Heimat zu verlagern.
Das Werk verdeutlicht die Parallelisierung des christlichen Ursprungsereignisses mit dem eigenen Stadtgründungsmythos und integriert Sansepolcro als spezifische Topographie in ein religiöses Bild.
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