Magisterarbeit, 2012
65 Seiten, Note: 2,0
1. Einleitung
1.1. Über das sámische Volk
1.2. Früheste Quellen und sámische Geschichte
2. Zentrale Begrifflichkeit
3. Geschichtliche Entwicklung in Norwegen nach 1814. Die norwegische Identitätskonstruktion
3.1. Die Rolle des technischen Progresses
3.2. Die Erschaffung des ,nynorsk‘
3.3. Der kulturelle Nationalismus
4. Gründe für die Norwegisierung
4.1. Sozialdarwinismus
4.2. Die Gefahr im Osten
4.3. Die Besiedlung in Norwegen
5. Mittel der Norwegisierung
5.1. Die Reform in der Bildung
5.2. Norwegisierungsstrategien in anderen Sphären
5.2.1. Administrative Veränderungen
5.2.2. Das Gesetz für Grundbesitzrecht
5.2.3. Der Pomorhandel
5.2.4. Rentierzucht
6. Die Endphase der Norwegisierung
6.1. Die Gründung des Sámikomitees
6.2. Der Alta-Fall
7. Zusammenfassung
Die vorliegende Arbeit analysiert die Handlungsweisen, die im 19. und 20. Jahrhundert zur sogenannten Norwegisierung der Sámi führten, und untersucht in diesem Kontext die Wechselbeziehung zwischen dem norwegischen Identitätsbildungsprozess und der Unterdrückung der sámischen Kultur und Sprache.
4.1. Sozialdarwinismus
Wie schon in dem vorherigen Kapitel belegt, sah der sich gerade entwickelnde norwegische Nationalismus keinen Raum für nicht-norwegische Bevölkerungsgruppen, Sinn und Zweck der Norwegisierung war eine kulturelle und nationale Einheit. Ein weiterer zeitlicher Diskurs, der diese Idee verstärkte, war der damals populäre ,Sozialdarwinismus‘ – eine Lehre, die auf Darwins Evolutionstheorie basierte. Dieser Lehre nach waren die Völker Teil einer ,Rassenhierarchie‘ aufgrund der natürlichen Selektion, wie nach dem ,survival of the fittest‘-Prinzip. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts gewann sie viele Anhänger sowohl in Norwegen als auch im restlichen Europa. Die norwegische Gesellschaft, die von dem technischen Progress der Zeit den vollen Vorteil wahrnahm und mit ihrer viel besseren Kenntnis der Landbebauung als entwickelter und somit ,höher-rangiert‘ als die sámische Nomadengesellschaft galt, die ihrerseits für ,aandelig og legemlig‘ weniger entwickelt gehalten wurde. Der Sozialdarwinismus gab eine scheinbar wissenschaftliche Begründung und Rechtfertigung für einen Prozess der Norwegisierung dieser ,niedrigstehenden Rasse‘. Somit war auch die logische Konsequenz der Verbreitung einer solchen ,wissenschaftlichen‘ Theorie ein Versuch der Assimilation der weniger entwickelten Gesellschaften innerhalb der Staatsgrenzen. In Norwegen waren das die Sámi und die Kven. Die beste Lösung schien eine Assimilation zu sein, diese Völker in die norwegische Gesellschaft so zu integrieren, dass sie selber Norweger wurden, sowohl sprachlich als auch kulturell. Weil ihre eigene Kultur für wertlos und primitiv gehalten wurde, war es auch unwichtig, dass die sámischen Sprachen verschwinden würden: „Vort maal er at utrydde det finske sprog – dog derinde paa fjeldet i Kautokeino kan vi jo bevare det som en museums-gjenstand.“
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Geschichte und den Hintergrund des indigenen Volkes der Sámi sowie in das zentrale Forschungsthema der Arbeit ein.
2. Zentrale Begrifflichkeit: In diesem Kapitel werden grundlegende Termini wie Identität, Ethnizität, Minderheit und Nationalismus für die weitere Analyse definiert.
3. Geschichtliche Entwicklung in Norwegen nach 1814. Die norwegische Identitätskonstruktion: Dieses Kapitel erläutert den norwegischen Staatsbildungsprozess und die Entstehung eines nationalen Identitätsgefühls durch technischen Fortschritt, Sprache und Kultur.
4. Gründe für die Norwegisierung: Es werden die ideologischen und politischen Motive hinter der Assimilationspolitik analysiert, insbesondere Sozialdarwinismus und Sicherheitsbedenken an den Staatsgrenzen.
5. Mittel der Norwegisierung: Hier werden die praktischen Maßnahmen gegen die Sámi, etwa durch Bildungsreformen, Sprachverbote und administrative Veränderungen, detailliert dargestellt.
6. Die Endphase der Norwegisierung: Dieses Kapitel behandelt das Aufkommen der sámischen Gegenbewegungen, die Gründung des Sámikomitees und den Alta-Fall als Wendepunkte zur Anerkennung sámischer Rechte.
7. Zusammenfassung: Die Arbeit schließt mit einer Rekapitulation der untersuchten Prozesse der Assimilation und der schließlichen Stärkung des sámischen Identitätsbewusstseins.
Norwegisierung, Sámi, Assimilation, Identitätskonstruktion, Nationalismus, Sozialdarwinismus, indigene Völker, Minderheitenpolitik, Rentierzucht, Kultur, Sprachverlust, Sámikomitee, Alta-Fall, Norwegen, Ethnizität.
Die Magisterarbeit befasst sich mit der systematischen Norwegisierung der sámischen Bevölkerung im 19. und 20. Jahrhundert und den damit verbundenen Auswirkungen auf die sámische Identität.
Die zentralen Felder umfassen die Entstehung der norwegischen Nationalidentität, die theoretischen Hintergründe der Assimilationspolitik, wie den Sozialdarwinismus, sowie die konkreten politisch-administrativen Eingriffe in das Leben der Sámi.
Das Hauptziel ist es, die Handlungsweisen zu analysieren, die zur Norwegisierung der Sámi dienten, und die Wechselwirkung zwischen dem norwegischen Staatsbildungsprozess und der Unterdrückung der sámischen Kultur zu erforschen.
Es handelt sich um eine geschichtswissenschaftliche und ethnologische Analyse, die auf einer Literaturrecherche und der Auswertung historischer Quellen basiert.
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der politischen Identitätskonstruktion in Norwegen, die Analyse der ideologischen Gründe für die Norwegisierung sowie die detaillierte Beschreibung der administrativen und bildungspolitischen Maßnahmen, die auf die Assimilation der Sámi abzielten.
Wesentliche Begriffe sind Norwegisierung, Assimilation, Sámi, Nationalismus und Identitätskonstruktion.
Der Sozialdarwinismus lieferte eine scheinbar wissenschaftliche Rechtfertigung dafür, die Sámi als ein als "niedrigstehend" eingestuftes Volk anzusehen, dessen Kultur im Zuge der nationalen Einigung Norwegens durch Assimilation in die norwegische Gesellschaft aufgehen sollte.
Der Alta-Fall wurde zu einem global beachteten Ereignis, das den Widerstand gegen staatliche Eingriffe in sámische Siedlungsgebiete kristallisierte und maßgeblich dazu beitrug, die sámische Situation ins öffentliche Bewusstsein zu rücken sowie deren Selbstverständnis und Rechte zu stärken.
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