Bachelorarbeit, 2012
55 Seiten, Note: 1,0
1. Einleitung
2. Der Begriff wunderbar nach Sulzer
3. Gottsched – Bodmer – Breitinger
3.1 Gottscheds Verhältnis zum Wunderbaren in der Literatur
3.2 Die Poetologie Bodmer und Breitingers
4. Textanalyse
4.1 Wielands Position im poetologischen Diskurs
4.2 Zusammenfassung des Romans
4.3 Die Integration des Wunderbaren in „Die Abenteuer des Don Sylvio von Rosalva“
4.3.1 Wirklichkeitsebenen
4.3.1.1 Physisch-Physikalische Ebene
4.3.1.2 Physisch-Psychische Ebene
4.3.1.3 Ebene der Fiktion
4.3.1.4 Ebene des Wahns
4.3.2 Stoffliche Ebene
4.3.3 Poetologische Ebene
4.3.3.1 Diskrepanzen zwischen Erzählzeit und erzählter Zeit
4.3.3.2 Unzuverlässigkeit des Erzählers
4.3.3.3 Metafiktionale Erzählerkommentare
4.3.3.4 Relativität des Wirklichkeitsbezugs
4.3.4 Das Wunderbare in der Liebe
5. Fazit: Wielands Poetik des Wunderbaren
Die vorliegende Arbeit untersucht den Stellenwert und die Darstellungsformen des Wunderbaren in Christoph Martin Wielands Roman „Die Abenteuer des Don Sylvio von Rosalva“. Dabei wird analysiert, wie Wieland den poetologischen Diskurs der Aufklärungszeit zwischen der vernunftorientierten Regelpoetik Gottscheds und der wirkungsästhetischen Position der Schweizer Bodmer und Breitinger aufgreift und in eine eigene, literarisch reflektierte Poetik überführt.
4.1 Wielands Position im poetologischen Diskurs
In der vorliegenden Arbeit wird die Fragestellung behandelt, welchen Standpunkt Christoph Martin Wieland, der lange Zeit (1752-1754) im Hause Bodmers zu Gast war, innerhalb des oben genannten Disputs über die Integration des Wunderbaren in die Literatur vertritt und wie sich dieser im Roman „Don Sylvio von Rosalva“ widerspiegelt. Es wird sich herausstellen, dass er keine der beiden Seiten vollständig affirmirt, sondern eine Zwischenposition einnimmt, in welcher er den poetologischen Diskurs an seine Grenzen führt und aufzeigt, dass eine adäquate literaturkritische Diskussion nur geführt werden kann, wenn der jeweilige Referenzrahmen zuvor geklärt wird.
Auf den ersten Blick scheint Wieland ein Anhänger der Schweizer Poetik zu sein, da er sie mit seinem Roman „Don Sylvio von Rosalva“ in die Praxis umsetzt. Romanpoetologisch schafft Wieland einen Schwärmer (Don Sylvio), welcher fiktionale Erzählungen nicht nach Vernunftaspekten, sondern nach wirkungsästhetischen Gesichtspunkten beurteilt. Allerdings wählt Wieland die Extreme und stattet den Schwärmer mit irrationaler Einbildungskraft aus, die im ersten Moment wie eine Geisteskrankheit wirkt. Don Sylvio kann aufgrund seiner Erziehung zwischen der unsichtbaren und der sichtbaren Welt nicht unterscheiden; folglich ist für ihn eine reine Existenz von Etwas ein Beweis für Realität, sei es nun eine unwahrscheinliche Einbildung oder eine Abbildung der Wirklichkeit. Durch diese Einstellung verliert Don Sylvio den Anschluss zur Gesellschaft, wodurch Wielands Roman wie eine Parodie der Schweizer Poetik wirkt.
1. Einleitung: Einführung in die Thematik der möglichen Welten und die Bedeutung des Wunderbaren bei Wieland im Kontext der Aufklärung.
2. Der Begriff wunderbar nach Sulzer: Erläuterung der zeitgenössischen Definition des Wunderbaren durch J.G. Sulzer als ästhetische Kategorie.
3. Gottsched – Bodmer – Breitinger: Analyse der Kontroverse zwischen der rationalistischen Regelpoetik Gottscheds und der wirkungsästhetischen Position der Schweizer.
4. Textanalyse: Detaillierte Untersuchung der verschiedenen Wirklichkeitsebenen, stofflicher Aspekte und der metafiktionalen Struktur von „Don Sylvio von Rosalva“.
5. Fazit: Wielands Poetik des Wunderbaren: Zusammenfassende Bewertung von Wielands Position als Vermittler zwischen den verhärteten Fronten des damaligen Disputs.
Christoph Martin Wieland, Don Sylvio von Rosalva, Wunderbares, Aufklärung, Regelpoetik, Wirkungsästhetik, Schwärmerei, Wirklichkeitsebenen, Fiktionalität, Metafiktion, Johann Christoph Gottsched, Bodmer, Breitinger, Don Quijote, Feenmärchen.
Die Arbeit befasst sich mit der literarischen Darstellung des Wunderbaren in Christoph Martin Wielands Roman „Die Abenteuer des Don Sylvio von Rosalva“ im Kontext des poetologischen Streits des 18. Jahrhunderts.
Zentrale Themen sind die Abgrenzung von Wirklichkeit und Fiktion, die psychologische Fundierung von „Schwärmerei“ sowie der Vergleich zwischen der rationalistischen Poetik der Aufklärung und den wirkungsästhetischen Ansätzen.
Ziel ist es aufzuzeigen, wie Wieland durch seinen Roman eine Vermittlerrolle zwischen den poetologischen Gegenspielern Gottsched sowie Bodmer und Breitinger einnimmt.
Die Arbeit nutzt eine textnahe Analyse in Verbindung mit einer theoretischen Einbettung in die zeitgenössische poetologische Literaturgeschichte und Wirkungsästhetik.
Der Hauptteil gliedert sich in die methodische Untersuchung der Wirklichkeitsebenen (physisch, psychisch, fiktional, Wahn), stoffliche Anspielungen und die metafiktionale Reflexion durch den Erzähler.
Wichtige Begriffe sind Wunderbares, Schwärmerei, Aufklärung, Wirklichkeitsbezug, Fiktionalität und poetologischer Diskurs.
Die isolierte Erziehung durch seine Tante Donna Manca, die sich an veralteten ritterlichen Werten orientiert, führt dazu, dass Don Sylvio unfähig ist, zwischen realen Umständen und literarischen Fiktionen zu differenzieren.
Wieland thematisiert dies anhand verschiedener Wirklichkeitsebenen, wobei der Protagonist Don Sylvio Schwierigkeiten hat, die Grenze zwischen physischen Fakten und seiner durch Lektüre geprägten Einbildungskraft zu ziehen.
Auf den ersten Blick wirkt der Roman parodistisch, da der Protagonist an der Realität scheitert; bei genauerer Betrachtung wird er jedoch als Reflexion über den korrekten Umgang mit Fiktion und Literatur interpretiert.
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