Examensarbeit, 2013
95 Seiten, Note: 2,0
1. Einleitung
2. Von Helden und Schurken. Eine Beschreibung gegenwärtiger Heldenvorstellungen
2.1. Individualisierung und Pluralisierung des Heroischen
2.2. Der Held und die Gesellschaft
2.3. Vom Krieger zum Superhelden. Vorstellungen im Wandel
2.4. Der Held als literarisches Konstrukt
2.4.1. Das Verhältnis von ‚Held‘ und ‚Hauptfigur‘
2.4.2. Zur Differenzierung von Heldentypen
2.5. Rückblick und Systematisierung ‚Was ist ein Held?‘
3. Über das Verständnis des Heroischen und die Konzeption von Heldenfiguren im ausgehenden 18. Jahrhundert
3.1. Das Heroischerhabene in Schillers Dramentheorie(n)
3.2. Schillers Dramenfiguren als gemischte Charaktere
3.3. Der geniale Held. Die Konzeption des Heroischen im Sturm und Drang
4. Schillers frühe Dramenfiguren. Eine vergleichende Figurenanalyse mit Blick auf das Heroische.
4.1. Die Räuber. Heldische Brüder im verdeckten Zweikampf
4.1.1. Alter vs. neuer Held
4.1.2. Ungleich-gleiche Brüder und ihr Verhältnis zur Gesellschaft
4.1.3. Franz Moor, ein ‚konsequenter Bösewicht‘
4.1.4. Karl Moor, enttäuschter Sohn – gebrochener Held
4.1.5. Väterlicher Hain und Fall der Helden
4.1.1. Karl, ein Held des Sturm und Drang?
4.1.2. Brüder im moralischen Urteil
4.2. Die Verschwörung des Fiesco zu Genua
4.2.1. Drei Fassungen – Drei Helden
4.2.2. Freiheit eines undurchschaubaren Helden
4.2.3. Machtstreben, (Selbst-) Vergötterung und Verlust von Freiheit
4.3. Kabale und Liebe. Drama ohne Helden?
4.3.1. Väter, Kinder, und verschiedene Ansichten mit gleichem Ziel
4.3.2. Verhängnis einer künstlichen Liebe
4.3.3. Luise Millerin. Zwischen Widerstand und stiller Duldung
4.3.4. Ferdinand von Wagner, ‚heimatloser‘ Präsidentensohn
4.3.5. Uneigentlicher ‚Held‘ und verborgene ‚Heldin‘
5. Zusammenfassung
Diese wissenschaftliche Arbeit untersucht das Heldenkonzept in Friedrich Schillers frühen Dramen ("Die Räuber", "Die Verschwörung des Fiesco zu Genua", "Kabale und Liebe") und erforscht, inwieweit diese Figuren als Helden im Sinne des 18. Jahrhunderts sowie unter heutigen Gesichtspunkten verstanden werden können. Die zentrale Forschungsfrage fokussiert dabei auf das Potenzial und die Wesenszüge des Heroischen in Schillers Dramenfiguren sowie deren Scheitern an ihrer eigenen Hybris.
2.1. Individualisierung und Pluralisierung des Heroischen
Es bedarf wohl kaum langer Überlegungen, sich einen Helden seiner Wahl vorzustellen. Manche mögen prompt an die (Super-) Helden der Marvel- und DC Comics denken. Superman, Spiderman oder Batman kommen sicher nicht selten in den Sinn. Helden der Leinwand begegnen uns, seit es Filme gibt. John Wayne, Arnold Schwarzenegger oder Bruce Willis mögen in ihren Rollen von anderen gedacht werden. Was haben aber Spiderman und der Terminator gemein? Hat Spiderman, von einer Spinne gebissen, schließlich übermenschliche Kräfte, der Terminator als Actionheld-Typus ist hingegen nicht einmal ein Mensch. Beide gelten uns aber als Helden. Unsere Gegenwart kennt diese beiden Typen genauso wie Kriegshelden oder den sozialistischen ‚Helden der Arbeit‘. Auch Albert Einstein wird von einigen als Held bezeichnet und vertritt den Typus des intellektuellen Helden. Ebenso werden herausragende Sportler gelegentlich als Helden bezeichnet. Es zeichnet sich ab, dass ein schier unüberschaubares Spektrum an Heldentypen besteht, wobei „die parallele Individualisierung des Helden eine Vielzahl von neuen Heldenbildern“ erzeugt.
1. Einleitung: Die Arbeit führt in die Fragestellung ein, ob und wie Schillers Figuren in seinen Jugenddramen als Helden verstanden werden können, und hinterfragt dabei zeitgenössische sowie moderne Heldenbegriffe.
2. Von Helden und Schurken. Eine Beschreibung gegenwärtiger Heldenvorstellungen: Dieses Kapitel nähert sich dem komplexen Heldenbegriff phänomenologisch und diskutiert die Individualisierung sowie Pluralisierung heroischer Identitätsfiguren in unserer Gegenwart.
3. Über das Verständnis des Heroischen und die Konzeption von Heldenfiguren im ausgehenden 18. Jahrhundert: Hier wird Schillers dramentheoretischer Ansatz beleuchtet, insbesondere die Konzepte des Erhabenen und des Pathetischen sowie die Gestaltung seiner Figuren als gemischte Charaktere.
4. Schillers frühe Dramenfiguren. Eine vergleichende Figurenanalyse mit Blick auf das Heroische.: Der Hauptteil analysiert detailliert die Figuren in "Die Räuber", "Die Verschwörung des Fiesco zu Genua" und "Kabale und Liebe" hinsichtlich ihrer heroisierten Selbstdarstellung und ihrer tatsächlichen Konzeption als tragische Helden.
5. Zusammenfassung: Die Arbeit resümiert die Ergebnisse und stellt fest, dass Schillers frühe Helden "Grenzgänger" sind, die durch ihr Scheitern an sich selbst und ihre moralische Ambivalenz geprägt sind.
Friedrich Schiller, Heldenbegriff, Sturm und Drang, Die Räuber, Fiesco, Kabale und Liebe, Heroismus, Erhabenes, Dramentheorie, Identitätsfigur, Literaturwissenschaft, Figurenanalyse, Moral, Hybris, Psychologie
Die Arbeit untersucht das Heldenverständnis in den frühen Dramen von Friedrich Schiller und hinterfragt die Definition des "Helden" im 18. Jahrhundert im Vergleich zur heutigen Zeit.
Zu den Schwerpunkten gehören das Konzept der Genieästhetik des Sturm und Drang, das Verhältnis von Held und Gesellschaft sowie die moralische Ambivalenz von Schillers Protagonisten.
Das Ziel ist es, darzulegen, ob und wie Schillers Figuren, die oft als "Monstren an Tugend oder Laster" beschrieben werden, im zeitgenössischen Diskurs als Helden klassifiziert werden können.
Die Arbeit stützt sich auf eine literaturwissenschaftliche Figurenanalyse, die durch dramentheoretische Abhandlungen Schillers und zeitgenössische sowie moderne Forschungsliteratur fundiert wird.
Im Hauptteil erfolgt eine vergleichende Analyse der Dramen "Die Räuber", "Die Verschwörung des Fiesco zu Genua" und "Kabale und Liebe" mit einem spezifischen Fokus auf die heroische (Selbst-)Konzeption der jeweiligen Figuren.
Wichtige Begriffe sind unter anderem das "Heroischerhabene", der "konsequente Bösewicht", "Gemischte Charaktere" und die "Genieästhetik des Sturm und Drang".
Karl Moor wird als ein Held präsentiert, der sich an antiken Vorbildern orientiert, während Franz Moor durch sein rationalistisches Kalkül als "konsequenter Bösewicht" fungiert, wobei beide Figuren auf komplexe Weise komplementär gestaltet sind.
Luise bildet eine Ausnahme von den männlichen Protagonisten; sie wird als eine aufklärerische Figur dargestellt, die durch ihre Seelengröße und ihre Standhaftigkeit gegen äußeren Druck eine Form des Heroismus erlangt, die ohne extreme Selbstverblendung auskommt.
Fiesco agiert als undurchschaubarer Akteur, der sich in seinem Rollenspiel verliert. Aufgrund seiner schizoiden Neigung und seines Spiels mit Machtstrukturen zwischen Republikanismus und Tyrannei entzieht er sich einer einfachen Zuweisung als "tugendhafter Held" oder "rein negativer Verbrecher".
Das Fazit lautet, dass diese Figuren keine idealen Heldentypen sind, sondern vielmehr fehlerbehaftete "Grenzgänger", die primär an ihrer eigenen Hybris und mangelnden Selbstreflexion scheitern.
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