Bachelorarbeit, 2014
37 Seiten, Note: 1
1. Einleitung
2. Inhalt des Dramas
3. Intertextuelle Ebene
3.1.Johann Wolfgang von Goethe
3.2.Heinrich Heine
3.3.Die Bibel
3.4.Else Lasker-Schüler – Selbstreferenz
4. AutorInnenschaft und Identität im Brennpunkt der Figuren
4.1.Else Lasker-Schüler
4.2.Faust /Goethe
4.3.Mephisto
4.4.Die Vogelscheuche
5. Resümee
Die vorliegende Arbeit untersucht das letzte Drama „IchundIch“ von Else Lasker-Schüler mit dem Ziel, die komplexen Figurenkonstellationen sowie die intertextuellen Bezüge offenzulegen. Dabei steht insbesondere die Frage im Mittelpunkt, wie die Autorin ihre eigene Identität und ihr literarisches Ich in den verschiedenen Figuren des Stücks, wie Faust, Mephisto und der Vogelscheuche, inszeniert und verarbeitet.
4. AutorInnenschaft und Identität im Brennpunkt der Figuren
Der im Vorspiel angesprochene Mord (vgl. AA S. 185/8) ist als Mord an Lasker-Schülers literarischem Ich durch ihre Heimat Deutschland zu verstehen. Daraus resultiert eine Suche nach der eigenen Identität einer jüdischen Schriftstellerin aus Deutschland, die zum Exil in Israel gezwungen wurde, jedoch den realpolitischen Ereignissen des Zweiten Weltkrieges und des Dritten Reiches in ihrer Heimat ohnmächtig gegenüberstand. „IchundIch“ ist nicht der erste Text Lasker-Schülers, der durch die Konfiguration einer fiktiven Figur (oder mehrerer) sich selbst ein Sprachrohr verleiht. Dies ist durch Tino von Bagdad und Jussuf von Theben bereits gegeben. Die Figurenwahl in „IchundIch“ ist dennoch aus ihrem restlichen Œuvre herausragend, treffen doch Charaktere aller für sie relevanten Gesellschaftsschichten auf fiktive oder mythische Figuren. Ziel dieses Kapitels ist es, herauszuarbeiten, wie Lasker-Schüler durch ihre Figuren sprich.
„Daher ist auch die Autorrolle im Stück eine doppelte: eine permanente Gradwanderung zwischen Selbst- und Fremddarstellung, zwischen Wirklichkeit und Phantasie.“ Lasker-Schüler tritt nicht nur in der Figur der Dichterin auf, sondern es sind auch die Figuren Faust, Mephisto und die Vogelscheuche Kommunikationsmittel ihrer persönlichen Meinungen und Ansichten. „Creation of alternative personae and split identities, a basic formative principle throughout Lasker-Schüler´s work, is taken to new limits in IchundIch.“ Tatsächlich aber, so argumentiert Jones weiter, sind die beiden Ich-Teile nicht identisch miteinander und auch das aus ihnen kombinierte „IchundIch“ ist nicht identisch mit den beiden getrennten Teilen, sondern es wird eine neue Identität gebildet. Dualismus und binäre Vorstellungen sind in der Analyse dieses Dramas also nicht hilfreich, was sich dadurch zeigt, dass Lasker-Schüler nicht nur in der Dichterin auftritt, sondern auch in den Figuren Faust und Mephisto, die schlussendlich zu einer Person, einer Identität oder einem Charakter werden.
1. Einleitung: Die Arbeit führt in die Zielsetzung ein, die Figurenkonstellationen des Dramas "IchundIch" zu analysieren und die Rolle der Autorinnenschaft im Exilwerk zu beleuchten.
2. Inhalt des Dramas: Dieses Kapitel bietet einen Abriss der Handlung, angefangen beim Vorspiel bis hin zum fünften Akt, um die Interpretation der Figuren und Szenen vorzubereiten.
3. Intertextuelle Ebene: Es wird untersucht, wie Lasker-Schüler durch Zitate und Parodien von Goethe, Heine und der Bibel eine kritische Auseinandersetzung mit den zeitgenössischen politischen Zuständen führt.
3.1.Johann Wolfgang von Goethe: Die Analyse konzentriert sich auf die parodistische und referenzielle Verwendung von "Faust"-Motiven und Goethes Gedichten zur Darstellung der eigenen Identitätssuche.
3.2.Heinrich Heine: Das Kapitel beleuchtet den Einfluss Heines auf die Thematisierung von Exil und Repression gegen jüdische Menschen im Drama.
3.3.Die Bibel: Es wird analysiert, wie biblische Motive und die "Gretchenfrage" zur kritischen Reflexion des Glaubens und zur Demaskierung der nationalsozialistischen Perversion religiöser Begriffe genutzt werden.
3.4.Else Lasker-Schüler – Selbstreferenz: Die Montage eigener Gedichte in den dramatischen Text wird als fiktionales Selbstgespräch der Dichterin gedeutet.
4. AutorInnenschaft und Identität im Brennpunkt der Figuren: Das Kapitel arbeitet heraus, wie Lasker-Schüler ihre persönlichen Ansichten durch die Figurenkonfigurationen im Stück kommuniziert.
4.1.Else Lasker-Schüler: Die Doppelrolle der Figur "die Dichterin" wird als Schnittstelle zwischen der Schöpferin des Werks und einer Figur im Drama selbst diskutiert.
4.2.Faust /Goethe: Die Figur Faust dient hierbei als Identitätsteil, der die Sehnsucht nach Heimat sowie die Problematik des Deutschseins verkörpert.
4.3.Mephisto: Mephisto wird als der eigentliche Held des Stücks und als komplementärer Teil zu Faust interpretiert, der die Verzweiflung über die Abwesenheit Gottes teilt.
4.4.Die Vogelscheuche: Diese Figur wird als irdischer Teil der Persönlichkeit der Autorin gedeutet, der im Jerusalemer Exil mit existenziellen Problemen konfrontiert ist.
5. Resümee: Die Arbeit schließt mit der Erkenntnis, dass das Drama eine komplexe, intertextuelle "Weltenillusion" darstellt, die keine eindeutige Wahrheit bietet, sondern zur Selbstreflexion des Publikums auffordert.
Else Lasker-Schüler, IchundIch, Drama, Identität, Faust, Mephisto, Intertextualität, Exilliteratur, Nationalsozialismus, Theodizee, Figurenkonstellation, Selbstinszenierung, Autorinnenschaft, Glauben, Moderne Avantgarde
Die Arbeit befasst sich mit dem letzten Drama von Else Lasker-Schüler, "IchundIch", und analysiert, wie die Autorin im israelischen Exil ihre Identität und ihr kritisches Verhältnis zur Weltgeschichte sowie zum Nationalsozialismus dramatisch verarbeitet.
Die Schwerpunkte liegen auf der Figurenkonstellation, der intertextuellen Verankerung des Dramas in der deutschen Literaturgeschichte (Goethe, Heine) sowie der Frage nach der Autorinnenschaft im Spiel zwischen Fiktion und Wirklichkeit.
Das Ziel ist es, die Funktionen der verschiedenen Figuren als Sprachrohre der Autorin darzustellen und herauszuarbeiten, wie Lasker-Schüler durch diese literarischen Instrumente ihre oppositionellen Ansichten und ihre Suche nach Erlösung artikuliert.
Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Analyse, die den Primärtext in den Kontext der Forschungslage stellt und insbesondere intertextuelle sowie identitätstheoretische Ansätze zur Interpretation der dramatischen Figuren nutzt.
Im Hauptteil werden zunächst der Inhalt des Dramas und die intertextuellen Bezüge (Goethe, Heine, Bibel, Selbstreferenz) detailliert analysiert, gefolgt von einer Untersuchung der zentralen Figuren als Ich-Figurationen der Dichterin.
Die wichtigsten Begriffe sind Else Lasker-Schüler, Identitätssuche, Intertextualität, Faust-Parodie, Exilliteratur und die Thematik der Theodizee innerhalb des Höllenspiels.
Der Titel "IchundIch" reflektiert die Zerrissenheit der Autorin. Die Arbeit zeigt, dass die Figuren Faust und Mephisto zwei Teile eines poetischen Ichs darstellen, deren Vereinigung am Ende des Dramas eine Art Erlösung oder Frieden für die Autorin symbolisiert.
Die Vogelscheuche fungiert als ein irdischer, in seiner Existenz verkannter Teil der Persönlichkeit Lasker-Schülers, der im Gegensatz zur Dichterin auf der Erde verbleibt und die Einsamkeit der Autorin im Exil versinnbildlicht.
Die Intertextualität, insbesondere die Adaption von Goethes Faust, wird nicht als reine Nachahmung verstanden, sondern als bewusstes Mittel der Demaskierung politischer Ideologien und als Ausdruck des Ringens um eine eigene poetische Sprache.
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