Bachelorarbeit, 2012
49 Seiten, Note: 1,7
1 Einführung
2 Elitesoziologie
2.1 Elitetheorien im Zeitverlauf
2.1.1 Elite und Masse
2.1.2 Funktionseliten
2.1.3 Kritische Elitesoziologie
2.2 Eliterekrutierung im Bereich der deutschen Wirtschaft
2.2.1 Elitebegriff
2.2.2 Empirische Befunde
3 Bourdieus Habitus-Konzept
3.1 Habitus
3.2 Kapitalformen
3.3 Habitus und Klasse
3.4 Habitus und Geschlecht
4 Frauen in Spitzenpositionen der Wirtschaft
4.1 Zahlen und Fakten
4.1.1 DIW Führungskräfte-Monitor 2010
4.1.2 Frauenanteil in Führungspositionen der größten börsennotierten Unternehmen der EU-27
4.1.3 Frauenanteil in den Vorständen und Aufsichtsräten der DAX 30-Unternehmen 2011
4.1.4 Vergleich der Ergebnisse
4.2 Hindernisse auf dem Weg in Spitzenpositionen
4.2.1 Geschlechterstereotype
4.2.2 Männerbünde
5 Fazit
Das Hauptziel dieser Bachelorarbeit besteht darin, zu untersuchen, ob Pierre Bourdieus Habitusansatz geeignet ist, um die anhaltende Unterrepräsentanz von Frauen in Spitzenpositionen der deutschen Wirtschaft zu erklären. Es wird der Frage nachgegangen, inwiefern der Habitus – als erworbenes System von Denk- und Handlungsmustern – zur Reproduktion bestehender Elite-Strukturen beiträgt und welche Rolle dabei die geschlechtsspezifische Sozialisation spielt.
Die Mechanismen der Rekrutierung der deutschen Wirtschaftselite
Der Glaube, selbst der richtige Mann am richtigen Platz zu sein, veranlasst die Topmanager, jemanden mit denselben oder ähnlichen Eigenschaften zu suchen. Das aber bedeutet, dass man ganz eindeutig Personen bevorzugt, die (wie man selbst) auch aus dem Bürgertum stammen. Sie zeigen jene persönliche Souveränität, die man sich wünscht und auch erwartet. Sich so in den Vorstandsetagen bewegen, als sei einem das Gelände seit je her vertraut, können selbstverständlich am einfachsten die, die in diesem Milieu aufgewachsen sind.
Kandidaten für Spitzenpositionen, die nicht in diesem Milieu aufgewachsen sind, fallen dadurch auf, dass sie mit diesem Gelände eher nicht vertraut sind. Ausdruck findet dies in Unsicherheiten im Verhalten und im Auftreten und im nicht spielerischen Umgang mit den gültigen Regeln. Kurz gesagt, fehlt es ihnen an der bereits erwähnten persönlichen Souveränität.
Abschließend unterstreicht Hartmann die Annahme der kritischen Elitesoziologie, dass durch das Leistungsprinzip keine soziale Offenheit des Elitezuganges gewährleistet wird. Vor allem in der Wirtschaft zeigt sich, dass sich der Zugang zu deren Spitzenpositionen im Zeitverlauf gegenläufig zur Öffnung der Promotion sozial noch weiter geschlossen hat. Somit hat die Bildungsexpansion nur den Zugang zu den Bildungsinstitutionen erleichtert, nicht aber den zu den Elitepositionen.
Diese Feststellung deckt sich mit der Tatsache, dass das Bürgertum die Wirtschaftselite mit einem Anteil von über 80 Prozent und in den Spitzen von Verwaltung und Justiz mit über 60 Prozent stellt.
Dass Hartmann vorwiegend maskuline beziehungsweise geschlechtsneutrale Termini verwendet und damit explizit auf feminine Termini verzichtet, indiziert dass die hier angesprochene Wirtschaftselite in überwiegendem Maße aus Männern besteht. Bestätigt wird diese Annahme auch durch einen Aufsatz Hartmanns aus dem Jahr 2002. In diesem stellt er fest, dass in Deutschland keines der 100 größten Unternehmen von einer Frau geleitet wird, keine Frau eine Vorstandsposition in einem Großkonzern bekleidet und es unter 200 untersuchten promovierten Frauen nur drei geschafft haben, eine Führungsposition zu erreichen.
1 Einführung: Diese Einleitung führt in die politische Diskussion um eine gesetzliche Frauenquote in Deutschland ein und formuliert das Ziel der Arbeit, den Habitusansatz zur Erklärung der Elitenreproduktion kritisch zu beleuchten.
2 Elitesoziologie: Das Kapitel bietet einen historischen Überblick über Elitetheorien, von den klassischen Ansätzen der Eliterekrutierung bis zur kritischen Elitesoziologie nach Hartmann, und definiert den Elitebegriff für die vorliegende Untersuchung.
3 Bourdieus Habitus-Konzept: Hier werden die theoretischen Grundlagen des Habitus-Konzepts, die verschiedenen Kapitalformen (ökonomisch, kulturell, sozial, symbolisch) sowie die Verknüpfung von Habitus mit Klasse und Geschlecht erarbeitet.
4 Frauen in Spitzenpositionen der Wirtschaft: Dieses Kapitel liefert eine empirische Bestandsaufnahme der Frauenanteile in den Vorständen und Aufsichtsräten der DAX 30-Unternehmen und analysiert Hindernisse wie Geschlechterstereotype und Männerbünde.
5 Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass der Habitusansatz in Kombination mit der Kategorie Geschlecht ein wesentliches Instrument zur Analyse der geschlossenen Elitenstrukturen in der Wirtschaft darstellt.
Elitesoziologie, Pierre Bourdieu, Habitus, Wirtschaftselite, Frauenquote, Spitzenpositionen, DAX 30, Geschlechtersegregation, Soziale Ungleichheit, Kapitalformen, Klassenspezifischer Habitus, Geschlechterstereotype, Männerbünde, Führungsetage, Glass-Ceiling.
Die Arbeit untersucht die Gründe für die geringe Vertretung von Frauen in Spitzenpositionen der deutschen Wirtschaft unter Anwendung des soziologischen Habitus-Konzepts von Pierre Bourdieu.
Die zentralen Felder umfassen die Elitesoziologie, die Theorie des Habitus sowie eine aktuelle empirische Analyse von DAX 30-Unternehmen hinsichtlich ihrer geschlechtsspezifischen Führungskräftezusammensetzung.
Das Ziel ist zu klären, ob der Habitusansatz zur Erklärung der Reproduktion von Eliten in Wirtschaftsunternehmen geeignet ist und welche Rolle das Geschlecht bei diesem Prozess spielt.
Es handelt sich um eine theoretische Arbeit, die durch eine eigene empirische Analyse von Unternehmensdaten (Websites und Geschäftsberichte der DAX 30-Konzerne für 2011/2012) ergänzt wird.
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung durch Bourdieu und Hartmann sowie eine detaillierte Auswertung der aktuellen Frauenanteile in Führungsebenen und die Untersuchung von Barrieren wie Stereotypen.
Die Arbeit lässt sich am besten mit Begriffen wie Elitesoziologie, Habitus, Wirtschaftselite, Männerbünde und Geschlechtersegregation beschreiben.
Der Habitus ermöglicht es Entscheidungsträgern, Menschen mit ähnlicher sozialer Herkunft zu identifizieren, was zu einem „habitualisierten“ Auswahlprozess führt, der soziale Schließung begünstigt.
Es sind exklusive informelle Netzwerke in der Führungsetage, die durch Initiationsriten und männlich geprägte Normen potenzielle weibliche Führungskräfte effektiv ausgrenzen.
Das Geschlecht fungiert als deterministischer Faktor, da gesellschaftlich konstruierte Rollenbilder und der männlich dominierte Habitus in Führungspositionen zu einer Abwertung weiblicher Attribute führen.
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