Bachelorarbeit, 2014
43 Seiten, Note: 2,0
Vorwort
1. Forschungslage
1.1 Exilliteratur
1.2 Erzählen unter der Bedingung des Exils
1.3 Stellenwert der beiden Texte innerhalb des Forschungsgebietes
2. Zu den Texten
2.1 Schachnovelle
2.2 Der Ausflug der toten Mädchen
3. Aufbau und Analyse der Texte
3.1 Erzählverfahren
3.2 Verbindungen und Analyse der Protagonisten
3.3 Symbolik des Schachspiels in der Schachnovelle
3.4 Die Funktion der Erinnerung
4. Rezeption
Schlusswort
Literaturverzeichnis
Die vorliegende Arbeit untersucht die Themengestaltung und Erzählformen der Exilliteratur anhand von Stefan Zweigs „Schachnovelle“ und Anna Seghers‘ „Der Ausflug der toten Mädchen“. Das primäre Ziel ist es, die spezifischen Herausforderungen des Exils – insbesondere die Isolation, den Kulturschock und die psychische Belastung – in den Werken zu analysieren und dabei aufzuzeigen, wie die Autoren das Erlebte und die politische Situation indirekt in ihren Erzählungen verarbeiten.
Die Funktion der Erinnerung
Sowohl bei Stefan Zweig als auch bei Anna Seghers spielt die Erinnerung eine wichtige Rolle, wenn auch auf unterschiedliche Art und Weise. Während sie bei Zweig etwas Negatives beschreibt, fungiert sie bei Seghers als Flucht vor der Gegenwart. Zwar sind die Arten des Erinnerns sich überhaupt nicht ähnlich, allerdings lassen sich doch, bei genauerer Analyse Gemeinsamkeiten in den Motiven und Wortfeldern finden. Hierzu müssen die jeweiligen Textpassagen allerdings genauer untersucht werden. Auch in diesem Unterkapitel werden Zitate aus der Primärliteratur nur mit der jeweiligen Seitenzahl angegeben, insofern ersichtlich ist, welches Werk gemeint ist.
Bei Stefan Zweig spielt die Erinnerung eine doppelte Rolle: zum einen erlangt der Leser seine Informationen über die Vergangenheit Dr. B.‘s durch sie, zum anderen benutzt er sie, um die Schachzüge, welche er in dem gefundenen Buch sieht, zu verinnerlichen. Letztendlich liegt es auch an der Erinnerung an seine Haft, dass er erneut dem Schachfieber zu unterliegen droht.
Vorwort: Einleitung in die Thematik der Exilliteratur vor dem Hintergrund des Zweiten Weltkriegs und Vorstellung der beiden ausgewählten Werke von Zweig und Seghers.
1. Forschungslage: Definition und Einordnung der Exilliteratur sowie Analyse der schwierigen Schreib- und Lebensbedingungen der Autoren im Exil.
2. Zu den Texten: Biographische Einordnung von Stefan Zweig und Anna Seghers sowie eine erste inhaltliche Charakterisierung der Novelle und der Erzählung.
3. Aufbau und Analyse der Texte: Detaillierte Untersuchung der Erzählstrukturen, Analyse der Protagonisten, Symbolik des Schachspiels und die zentrale Bedeutung des Erinnerns.
4. Rezeption: Betrachtung der zeitgenössischen und nachkriegszeitlichen Aufnahme der Werke, inklusive der Kritik an der Interpretation der Autoren.
Schlusswort: Synthese der Ergebnisse und Reflexion über die Bedeutung der Exilliteratur als Mahnung gegen Ausgrenzung und Totalitarismus.
Literaturverzeichnis: Auflistung der verwendeten Primär- und Sekundärliteratur sowie Internetquellen.
Exilliteratur, Stefan Zweig, Schachnovelle, Anna Seghers, Der Ausflug der toten Mädchen, Nationalsozialismus, Erinnerung, Isolation, Erzählverfahren, Autobiographik, Identitätsverlust, psychologische Belastung, Symbolik, politische Literatur, Exilbedingungen.
Die Arbeit analysiert, wie zwei bedeutende Exilautoren, Stefan Zweig und Anna Seghers, ihre traumatischen Erfahrungen des Exils und des Nationalsozialismus in literarische Formen übersetzt haben.
Im Fokus stehen die Begriffe „Exil“ und „Exilliteratur“, der psychologische Druck durch das Auswandern, die Rolle des Schachspiels als Symbol sowie die Funktion des Erinnerns.
Ziel ist es, die Exilliteratur über eine rein formelle Betrachtung hinaus in ihrem menschlich-psychologischen Aspekt zu würdigen und die Verbindung zwischen Zeitgeschichte und literarischer Gestaltung offenzulegen.
Die Analyse stützt sich maßgeblich auf literaturwissenschaftliche und strukturalistische Methoden, insbesondere auf das Modell von Gérard Genette zur Analyse von Erzählverfahren.
Der Hauptteil gliedert sich in eine Untersuchung der Erzähltechniken, eine Charakterisierung der Protagonisten, eine Deutung der Schachs-Symbolik bei Zweig und eine Analyse der Erinnerungsfunktion in beiden Werken.
Schlüsselbegriffe sind vor allem Exilliteratur, Identitätsverlust, die psychologische Tiefe von Figuren (Psychogramm) und die literarische Auseinandersetzung mit dem Faschismus.
Das Schachspiel dient als Symbol für zwei diametral entgegengesetzte Welten: Die berechnende, inhumane Logik des Faschismus (repräsentiert durch Czentovic) trifft auf die menschliche, aber traumatisierte Innerlichkeit des Humanisten (Dr. B.).
Bei Seghers fungiert die Erinnerung als unfreiwilliger Fluchtmechanismus aus einer feindselig wahrgenommenen Gegenwart im Exil zurück in eine "alte Welt", die jedoch durch den Krieg für immer verloren ist.
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